Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Einleitung
Milzriss (Milzruptur)

Eine Milzruptur (Milzriss) (ICD-10-GM S36.0-: Verletzung der Milz, nicht näher bezeichnet) bezeichnet einen Riss der bindegewebigen Milzkapsel (mit oder ohne Parenchymverletzung), der traumatischer oder nicht-traumatischer Ursache sein kann.

Die häufigste Ursache einer Milzruptur ist ein Bauchtrauma (Gewalteinwirkung auf den Bauch; traumatische Milzruptur), im Regelfall als stumpfes Abdominaltrauma, d. h. die Bauchdecke ist intakt. Arbeits-, Verkehrs- oder Sportunfälle können dafür die Ursache sein. Perforierende Abdominaltraumata, zum Beispiel Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen, können ebenfalls zu einer Milzruptur führen, sind aber eher selten.

In wenigen Fällen kann eine Milzruptur aus nicht-traumatischen Gründen (ICD-10-GM D 73.5-: Milzruptur, nicht-traumatisch), d. h. spontan entstehen. Ursachen einer spontanen Ruptur der Milz ohne Trauma sind spezielle Infektionserkrankungen (z. B. infektiöse Mononukleose (Epstein-Barr-Virus-Infektion), Malaria) oder hämatologische Erkrankungen (z. B. Leukämien/Blutkrebs), die mit einer Splenomegalie (krankhafte Milzvergrößerung) einhergehen.

Da eine Milzruptur zu massiven intraabdominellen Blutungen ("innerhalb des Bauchraums (Abdomen) gelegen") führen kann, ist jeder Patient mit Verdacht auf Milzruptur als Notfall umgehend stationär aufzunehmen.

Die Milzruptur wird nach der akuten klinischen Symptomatik wie folgt unterschieden:

  • einzeitige Milzruptur: gleichzeitiger Riss von Kapsel und Parenchym → unmittelbar nach dem traumatischen Ereignis Entwicklung einer hämorrhagisch-bedingten Hypovolämie (durch eine Blutung bedingte Verminderung der sich im Blutkreislauf befindlichen Menge Blut)
  • zweizeitige Milzruptur: Auftreten eines symptomfreien Intervalls von mehreren Stunden, bis Tagen, bis Wochen, bis es zur Entwicklung einer Hypovolämie kommt; zunächst liegt hier nur ein Riss des Parenchyms mit Blutung in die noch intakte Kapsel vor → Entstehung eines zunehmenden zentralen oder subkapsulären Hämatoms (Bluterguss unter der Kapsel) → zunehmende Druckerhöhung, die nach einem symptomfreien Intervall zu einer spontanen Kapselruptur führt

Klassifikation einer Milzruptur (Milzriss) in 5 Typen nach Schweregrad s. u. "Klassifikation".

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) beträgt bis zu 15 % (stark schwankende Angaben) und ist stark abhängig von Begleitverletzungen.

Verlauf und Prognose: Verlauf und Prognose sind abhängig vom Schweregrad der Milzruptur und deren zugrunde liegender Ursache.
Je nach Ausmaß der Milzruptur erfolgt eine konservative Therapie unter engmaschiger stationärer Kontrolle. Meistens ist eine operative Therapie notwendig. Dabei wird, wenn möglich, Milz-erhaltend operiert. Bei ausgedehnten Verletzungen (Organfragmentierung; Abriss am Hilus) ist im Regelfall eine Splenektomie (operative Entfernung der Milz) erforderlich.

Im Kindesalter gelingt die Erhaltung der Milz bei isoliertem Milztrauma unter konservativen Vorgehen in mehr als 75 % der Fälle; bei Erwachsenen in bis zu ca. 65 % der Fälle.

Nach einer Splenektomie besteht in 1-5 % der Fälle die Gefahr eines Postsplenektomie-Syndrom (OPSI-Syndrom, engl. overwhelming postsplenectomy infection syndrome; foudroyant verlaufende Sepsis (Blutvergiftung)).

Beachte: Im Falle einer Splenektomie muss umgehend postoperativ eine Pneumokokken-Impfung erfolgen. Dabei handelt es sich um eine Indikationsimpfung für Risikogruppen. Dauer des Impfschutzes individuell sehr unterschiedlich, etwa 3-5 Jahre!

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Milzruptur, traumatisch im Kindesalter (AWMF-Registernummer: 006-112), Februar 2015 Langfassung

     
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