Einleitung
Amöbenruhr

Bei der Amöbenruhr (Synonyme: Amöbiasis, Amöbenruhr; akute Amöbenruhr, akute Amöbiasis; Amöbenleberabszess; Amöbenabszess; Amöbenhepatitis; ICD-10 A06.-: Amöbenruhr) handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die primär das Kolon (Dickdarm) des Menschen betrifft (infektiöse Diarrhoe (Durchfallerkrankung)). Verursacht wird sie durch den Parasiten Entamoeba histolytica (sensu stricto).

Entamoeba histolytica (Synonym: Ruhramöbe) ist die einzige für den Menschen pathogene (krankhafte) Spezies in der Gattung der Entamoeba. Innerhalb der Protozoen (Einzeller) gehört sie zu den Rhizopoden (Wurzelfüßer).
Des Weiteren kommen Infektionen mit den Erregern Entamoeba dispar und Entamoeba Moshkovskii. Sie machen ca. 90 % der Fälle aus. E. dispar werden auch als Kommensalen bezeichnet, das heißt sie leben in Koexistenz mit dem Wirt und haben keine pathogene (krankhafte) Bedeutung. E. Moshkovskii sind fakultativ (möglich) pathogen.

Naegleria fowleri ist eine in den USA häufig vorkommende Amöbenart, die zu einer primären Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) führt.

Erregerreservoir sind Menschen. Ohne Symptome zu verursachen können die E. histolytica-Amöben jahrelang im Kolon verbleiben. Die sogenannte Minutaform der Zysten kann auch mit dem Stuhl ausgeschieden werden. In der Außenwelt können die Zysten viele Monate infektiös bleiben. Empfindlich sind sie gegen Austrocknung und Erhitzung.

Vorkommen: Der Erreger ist weltweit verbreitet. Die Infektion tritt häufig in den Tropen und Subtropen auf, z. B. in Kenia, Indien, Vietnam, Thailand, Indonesien und Bangladesch, wo schlechte hygienische Verhältnisse herrschen.

Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg) erfolgt fäkal-oral (Infektionen, bei dem mit dem Stuhl (fäkal) ausgeschiedene Erreger über den Mund (oral) aufgenommen werden, z. B. durch kontaminiertes Trinkwasser, aber auch kontaminierte Lebensmittel wie ungewaschenes Obst und Gemüse). Ein weiterer möglicher Infektionsweg sind anal-orale Sexualpraktiken.

Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Ja

Die Amöbenruhr wird in folgende Formen unterschieden:

  • Intestinale Form (den Darm betreffend) – Amöbenruhr (Synonyme: akute Amöbenruhr; akute Amöbiasis; ICD-10 A06.0); ausgeprägte ulzerierende (geschwürbildende) Kolitis (Entzündung des Dickdarms)
  • Extraintestinale Form (außerhalb des Darms) – Amöbenabszess (Synonyme: Amöbenleberabszess; Amöbenhepatitis; ICD-10 A06.4); da in ca. 95 % die Leber von der Abszessbildung betroffen ist, wird diese Form auch häufig als Amöbenleberabszess betitelt; überwiegend ist der rechte Leberlappen betroffen

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) der Amöbenruhr (intestinale Form) beträgt in der Regel wenige Tage bis mehrere Wochen/Monate. Die Inkubationszeit eines Amöbenleberabszesses (extraintestinale Form) beträgt Monate bis Jahre.

Es wird geschätzt, dass etwa 10 % der Weltbevölkerung mit E. dispar oder E. histolytica infiziert sind – häufiger mit E. dispar. Die Amöbenruhr zählt neben der Malaria und der Bilharziose (Wurmkrankheit) zu den bedeutendsten Parasitosen in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde.

Die Krankheitsdauer ist unbehandelt bis mehrere Monate.

Verlauf und Prognose: In den meisten Fällen (ca. 90 %) liegt eine Infektion mit den Erregern E. dispar und E. Moshkovskii. Die Infizierten scheiden den Parasiten mit dem Stuhl aus, ohne Krankheitszeichen zu entwickeln. Im Rahmen einer Infektion mit E. histolytica verlässt der Parasit das Darmlumen und dringt in das Gewebe ein (intestinale Form). Bei schwerem Verlauf kann es zu 50 Stuhlentleerungen pro Tag kommen. Bei jeder Durchfallerkrankung muss ein zeitnaher Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste erfolgen, um einer Dehydrierung (Austrockung) und Verschiebung des Säure-Basen-Haushaltes vorzubeugen. Des Weiteren kann sich der Parasit hämatogen (auf dem Blutweg) in andere Organe verteilen. Überwiegend ist die Leber betroffen (Amöbenleberabszess; extraintestinale Form).
Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt, heilt sie rasch aus. Hat sich bereits ein
Amöbenleberabszess gebildet, müssen die Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Jährlich sterben ca. 100.000 Menschen an Amöbenruhr (weltweit).

Impfung: Eine Schutzimpfung gegen Amöbenruhr steht bislang nicht zur Verfügung.

Sowohl Erkrankte als auch Ausscheider dürfen erst wieder in Lebensmittelbetrieben und Trinkwasserversorgungsanlagen arbeiten, wenn eine Weiterverbreitung der Infektion ausgeschlossen werden kann. Dazu sollten nach Ende der Therapie drei Stuhluntersuchungen im Abstand von einer Woche durchgeführt werden.

Für Einzelfälle besteht in Deutschland keine Meldepflicht. Gegebenenfalls beim Auftreten von zwei oder mehr Fällen, bei denen ein Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

Leitlinien

  1. Guideline des britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE): Diarrhoea and vomiting caused by gastroenteritis in under 5s: diagnosis and management. April 2009. www.nice.org.uk/CG084
  2. S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Amöbiasis. (AWMF-Registernummer: 042-002), Oktober 2018 Langfassung

     
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