Einleitung
Zika-Virus-Infektion

Die Zika-Virus-Infektion (Synonyme: Zikafieber; Zika-Viruskrankheit; ZIKV; ICD-10 U06: Zika-Viruskrankheit) wird durch Zika-Viren ausgelöst. Seinen Namen erhielt das Virus, weil es 1947 aus einem gefangen gehaltenen Rhesusaffen in einer Forschungsstation im Zika Forest in Entebbe (Uganda) isoliert wurde.

Das Zika-Virus zählt zur Familie der Flaviviren (Einzelstrang-RNA-Viren). Die Familie der Flaviviren gehört zur Liste der auf den Menschen durch Arthropoden (Gliederfüßer) übertragbaren Arboviren.

Erregerreservoir sind vermutlich Primaten, Nagetiere und auch Menschen.

Vorkommen: Das Virus kommt natürlicherweise im tropischen Afrika vor (Entdeckung im Zikawald, Uganda (1947)). Bis zum Jahre 2007 waren weniger als 20 Infektionen bei Menschen bekannt (weltweit). Diese wurden in Afrika (afrikanischer Zika-Virusstamm) und Südostasien (asiatischer Zika-Virusstamm; Brunei, Indonesien, Malaysia, Malediven, Myanmar, Kambodscha, Laos, Osttimor, Philippinen, Thailand, Vietnam) nachgewiesen.
Mittlerweile tritt der asiatische Zika-Virusstamm in
Südamerika, Ländern der Karibik, im Südpazifik und auf den Kapverdischen Inseln auf. 2015 wurden erstmals in Brasilien Zika-Virus-Infektionen dokumentiert. Es ist anzunehmen, dass das Virus durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien gelangte. Ende Januar 2016 wurde aus 21 mittel- und südamerikanischen Ländern Infektionen mit dem Zika-Virus gemeldet.
Der in Südamerika vorkommende Zika-Virusstamm hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals Afrika erreicht: seit Oktober 2015 wurden in Kap Verde 7.557 Zika-Verdachtsfälle gezählt.
Im Juli 2016 Auftreten von Zika-Fällen in Florida und Puerto Rico (USA).
Auch in Europa (Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, Schweiz, Spanien) werden nach und nach Fälle mit Zika-Virus-Infektionen bestätigt (den ersten registrierten Zika-Kranken in Europa gab es 2013). Die Erkrankten haben sich auf Fernreisen angesteckt.
Die WHO sieht ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung des Erregers in folgenden Regionen: Insel Madeira und Schwarzmeerküste in Georgien und Russland. Ein mäßiges Risiko besteht in 18 Ländern, darunter viele Mittelmeerstaaten wie Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien, Griechenland und die Türkei. 
Die Deutsche Gesellschaft für Virologie geht davon aus, dass sich das Zika-Virus nicht in Deutschland ansiedeln wird, da der Hauptüberträger, die Stechmücke Aedes aegypti (ägyptische Tigermücke), nicht in Deutschland vorkommt, bzw. die verwandte Art, Aedes albopictus, nur sehr selten.

Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg) erfolgt über die ganztägig stechenden Stechmücken der Gattung Aedes (Aedes aegypti (ägyptische Tigermücke; Hauptvektor), Aedes africanus, Aedes luteocephalus, Aedes vittatus, Aedes furcider). Eine Übertragung durch infiziertes Sperma/Geschlechtsverkehr ist ebenfalls möglich. Das Zikavirus überlebt länger als 6 Monate im Ejakulat [2].
Die Möglichkeit einer perinatalen Infektion (Infektion im Zeitraum kurz vor oder nach der Geburt) wird nicht ausgeschlossen. Auch verseuchte Bluttransfusionen kommen als Überträger in Betracht. So waren im Rahmen einer Zika-Virus-Epidemie in französisch Polynesien 3 % aller Blutproben von asymptomatischen Spendern positiv getestet worden [1].
Bezüglich Kinder, die intrauterin ("in der Gebärmutterhöhle") mit dem Zikavirus infiziert wurden, ist zu beachten: Ein Kind schied das Virus noch zwei Monate nach der Geburt mit dem Speichel und Urin aus [3].
Man kann also davon ausgehen, dass eine Zika-Virus-Infektion überall dort auftreten kann, wo Aedes-Stechmücken leben, das heißt besonders in Nord- und Südamerika (Ausnahmen sind Kanada und Chile).

Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Ja.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt in der Regel 3-7 Tage.

Die Krankheitsdauer beträgt circa 2 Wochen. Die Symptome treten in der Regel 3-12 Tage nach dem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an.

Die Erkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Verlauf und Prognose: In den meisten Fällen ist der Verlauf der Zika-Virus-Infektion milde und selbst limitierend, d. h. ohne äußere Einflüsse endend. Nicht jeder Infizierte entwickelt Symptome (asymptomatischer Verlauf). Spätestens nach einer Woche klingen die Symptome wieder ab.
In das Interesse der Öffentlichkeit ist die Infektionskrankheit geraten, weil es Hinweise darauf gibt, dass eine Infektion von Schwangeren im ersten oder zweiten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) zu schweren Hirn-/Schädel-Fehlbildungen bei Föten und Neugeborenen führt. Besonders in Brasilien wurde eine Zunahme der Fälle von Mikrozephalie verzeichnet, was auf eine Infektion mit dem Zika-Virus der Schwangeren zurückgeführt wurde. 
Inzwischen weiß man, dass mindestens eine von zehn Infektionen zu Fehlbildungen führt [5].
Die Schädigungen beim Fetus wurden inzwischen unter dem Begriff kongenitales ZikV-Syndrom (CZS) zusammengefasst. Dazu gehören u. a. Abort (Fehlgeburt), intrauteriner Minderwuchs, Mikrozephalie, vergrößerte Ventrikel, Lissenzephalie (schwere Fehlentwicklung des Gehirns) und Arthrogryposis (angeborene Gelenksteife) [4]
In Brasilien ist der Gesundheitsnotstand ausgerufen worden (Stand: Januar 2016). Circa 1,3 Millionen Menschen sind bereits infiziert. Zur Vorsicht raten die entsprechenden Behörden Schwangeren dringend davon ab, in bekannte Zika-Virus-Regionen zu reisen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, muss auf einen adäquaten Mückenschutz geachtet werden.

Eine Schutzimpfung gegen das Zika-Virus soll voraussichtlich bis 2018 zur Verfügung stehen.

Die WHO warnt Schwangere davor, in betroffene Gebiete zu reisen. Des Weiteren sollten werdende Mütter, deren Sexualpartner in betroffenen Gebieten lebten, während der Schwangerschaft nur geschützten Geschlechtsverkehr haben.

In Deutschland besteht seit dem 1. Mai 2016 nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine Meldepflicht für Arboviren, zu denen auch das Zika-Virus gehört.

Literatur

  1. Musso D et al.: Potential for zika virus through blood transfusion demonstrated during an outbreak in french Polynesia, November 2013 to Tebruary 2014 Eurosurveillance 2014; doi: 10.2807/1560-7917.ES2014.19.14.20761
  2. Nicastri E et al.: Persistent detection of zika virus rna in semen for six months after symptom onset in a traveller returning from Haiti to Italy, February 2016 Eurosurveillance, Volume 21, Issue 32, 11 August 2016
  3. Oliveira DBL et al.: Prolonged Shedding of Zika Virus Associated with Congenital Infection. August 24, 2016 doi: 10.1056/NEJMc1607583
  4. Melo AS et al.: Congenital Zika virus infection: beyond neonatal microcephaly. JAMA Neurol 2016 Dec 1;73(12):1407-1416. doi: 10.1001/jamaneurol.2016.3720.
  5. Reynolds MR et al.: Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR): Vital Signs: Update on Zika Virus-Associated Birth Defects and Evaluation of All U.S. Infants with Congenital Zika Virus Exposure – U.S. Zika Pregnancy Registry, 2016. Weekly / April 7, 2017 / 66(13);366-373

     
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