Einleitung
Sars-CoV-2

Das Sars-CoV-2 (Synonyme: neuartiges Coronavirus (2019-nCoV); 2019-nCoV (2019-novel Coronavirus; Coronavirus 2019-nCoV); Wuhan-Coronavirus; ICD-10 B34.2: Infektion durch Koronaviren, nicht näher bezeichneter Lokalisation) kann zu einer Lungenerkrankung führen, die den Namen Covid-19 (engl. Novel coronavirus-infected pneumonia (NCIP)) erhalten hat. Es handelt sich dabei um eine atypische Pneumonie (Lungenentzündung).

Die Coronavirus-Studiengruppe des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren (International Committee on Taxonomy of Viruses), die für die neue Coronavirus-Erkrankung den Namen vergeben hat, bezieht sich mit dem Namen Sars-CoV-2 auf die sehr enge Verwandtschaft zum Sars-Virus (Sars-CoV-1).

Das Sars-CoV-2 gehört zu Linie B der Beta-Coronaviren; es handelt sich um ein behülltes (+)ssRNA-Virus.

Im Dezember 2019 traten erste Infektionen in Zentralchina in der Metropole Wuhan (11 Millionen Einwohner) und der Provinz Hubei, zu der Wuhan gehört, auf. In 2020 kam es zu einer Ausbreitung der Erkrankung, bei der sich bislang mehr als 75.400 Personen in China infizierten und 2,3 % [7] an Covid-19 verstarben. Im Verlauf traten auch in anderen Ländern Infektionen auf (Australien, Deutschland, Frankreich, Japan, Kanada, USA, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Sri Lanka, Südkorea, Thailand und andere asiatische Länder). [Stand: 19.02.2020]

Am 30. 01. 2020 wurde von der WHO eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen.

Online-Auflistung der globalen Verteilung von bestätigten Sars-CoV-2-Infektionen (Johns Hopkins CSSE)

Die Krankheit gehört zu den viralen Zoonosen (Tierseuchen).

Natürliches Erregerreservoir sind Fledermäuse/Hufeisennasenfledermäuse [1]. Der Zwischenwirt ist noch nicht bekannt.

Die Basisreproduktionszahl R0 (Grundvermehrungsrate; Zahl der Menschen, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt) für das Sars-CoV-2 wird auf 2,2 geschätzt, mit einem Unsicherheitsbereich von 1,4 bis 3,8 [2]. (Masern: 15-18; Pocken: 5-7; Polio: 5-7; Mumps: 4-7; HIV/AIDS: 2-5; SARS-CoV (Sars-CoV-1): 2-5; Inluenza: 2-3; Ebola: 1,5-2,5).

Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg):

  • durch Tröpfcheninfektion, d. h. primär über Sekrete des Respirationstraktes (Atmungsapparat)
  • möglicherweise auch fäkal-oral/eine Schmierinfektion ist vorstellbar – das Sars-CoV-2 wurde auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden.
  • in flüssigem oder getrocknetem Material bleibt das Coronavirus Sars-CoV-2 z. B. auf Türklinken, Klingeln etc. 9 Tage infektionsfähig [4].
  • vertikale Infektion, d. h. durch infizierte Mütter:
    • 30 Stunden postpartal (nach der Geburt) [3].
    In einer kleinen Beobachtungsstudie (9 Frauen) konnte keine vertikale Transmission (Übertragung) des Erregers bei Frauen, die im 3. Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) erkrankt waren, nachgewiesen werden [6].

Eine Übertragung in der Inkubationszeit ist inzwischen nachgewiesen. Sicher ist, dass Patienten mit nur sehr milden Krankheitssymptomen das Virus übertragen werden.
Die meisten Experten gehen davon aus, dass eine asymptomatische Übertragung, d. h. ohne Vorliegen von Symptomen, möglich ist.

Der Eintritt des Erregers in den Körper erfolgt parenteral (der Krankheitserreger dringt nicht über den Darm ein, sondern über die Atemwege (Inhalationsinfektion)).

Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Ja  

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt in der Regel 1-3-6-14 Tage.
Die Krankheitsdauer beträgt circa zwei Wochen.

Geschlechterverhältnis: Männer häufiger als Frauen

Häufigkeitsgipfel: Das Maximum des Auftretens der Infektion liegt im Erwachsenenalter. Das mediane Alter liegt bei 50-55 Jahren. Kinder und Jugendliche sind bislang kaum betroffen.

Verlauf und Prognose: Die Infektion verläuft in den meisten Fällen symptomlos bzw. in 80,9 % der Fälle mit leichten Symptomen [7]. 
Die chinesische Seuchenbehörde China CDC hat die Daten aus 72.314 Patientenakten veröffentlicht: Bei 80,9 % verlief die Erkrankung mild, bei 13,8 schwer und bei 4,7 Prozent kritisch. 1.023 Patienten starben, was einer Mortalitätsrate (Sterberate) von 2,3 % entsprechen würde [7].
26 % der Patienten die ins Krankenhaus aufgenommen worden sind, mussten auf der Intensivstation betreut werden [5]. Soweit schwere Verläufe vorlagen, kann es innerhalb von 2 Tagen zu einem akuten Lungenversagen (ARDS) kommen.
Todesfälle traten vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen (Diabetes mellitus, Hypertonie (Bluthochdruck), kardiovaskuläre Erkrankungen/Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder zerebrovaskuläre Erkrankungen/Erkrankungen, welche die Blutgefäße des Gehirns, d.h. die Hirnarterien oder Hirnvenen betreffen) litten.

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten; Case-Fatality-Rate; CFR) beträgt aktuell 2,3 % [7]. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die meisten Infektionen wahrscheinlich symptomlos verlaufen, ist die Letalitätsrate wahrscheinlich erheblich niedriger. Bei MERS-CoV (37 %) und bei SARS (Sars-CoV-1) (10 %) waren die Letalitätsraten deutlich höher.
Gemäß dem Bericht der chinesischen Seuchenbehörde traten die meisten Todesfälle in der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren auf, und zwar 30,5 %. Männer haben mit 2,8 % ein deutlich höheres Todesrisiko als Frauen mit 1,7 % [7].
In der Altersgruppe von 10 bis 19 Jahren gab es bis zum 11. Februar dem Bericht der chinesischen Seuchenbehörde zufolge nur einen Todesfall [7].

Beachte: Es kann zu "Superspreading"-Ereignissen ("Superverbreiter") kommen: bei einem Kind wurden trotz fehlender Symptome Milchglasinfiltrate auf dem Computertomogramm nachgewiesen.
Eine Patientenserie aus Wuhan dokumentiert ein "Superspreader"-Ereignis (138 infizierte Personen): der Anteil der nosokomialen Infektionen betrug 41 % [5]. 

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelt sich die Situation sehr dynamisch und muss ernst genommen werden.

Wie weit die Erkrankung zu einer Immunität führt, ist noch nicht bekannt.

Impfung: Einen Impfstoff gibt es bisher nicht.

Der Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Sars-CoV-2 muss dem Gesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz gemeldet werden. 

Literatur

  1. Lu R et al.: Genomic characterisation and epidemiology of 2019 novel coronavirus: implications for virus origins and receptor binding. Lancet January 30, 2020 doi:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30251-8
  2. Riou J, Althaus CL: Pattern of early human-to-human transmission of Wuhan 2019 novel coronavirus (2019-nCoV), December 2019 to January 2020 Eurosurveillance volume 25, Issue 4, 30/Jan/2020
  3. China News Feb. 2020
  4. Kampf G et al.: Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and its inactivation with biocidal agents, Journal of Hospital infection 2020, doi: 10.1016/j.jhin.2020.01.022
  5. Wang D et al.: Clinical Characteristics of 138 Hospitalized Patients With 2019 Novel Coronavirus–Infected Pneumonia in Wuhan, China JAMA. Published online February 7, 2020. doi:10.1001/jama.2020.1585 
  6. Chen H et al.: Clinical characteristics and intrauterine vertical transmission potential of COVID-19 infection in nine pregnant women: a retrospective review of medical records. Lancet February 12, 2020 doi:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30360-3
  7. The Novel Coronavirus Pneumonia Emergency Response Epidemiology Team: Vital Surveillances: The Epidemiological Characteristics of an Outbreak of 2019 Novel Coronavirus Diseases (COVID-19) — China, 2020. CCDC (Chinese Journal of Epidemiology) 2020

     
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