Einleitung
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (Synonyme: (FSME); FSME-Virus; Frühsommer-Meningoenzephalitis; Tick-borne encephalitis; Zeckenenzephalitis; ICD-10 A84.1: Mitteleuropäische Enzephalitis, durch Zecken übertragen) ist eine Infektionskrankheit, die durch Flaviviren ausgelöst wird.

Die Familie der Flaviviren gehört zur Liste der auf den Menschen durch Arthropoden (Gliederfüßer) übertragbaren Arboviren.

Erregerreservoir sind vor allem Kleintiernager des Waldes und der Wiesen. In seltenen Fällen auch Ziegen.

Hauptsächlich werden die FSME-Viren durch Zecken der Gattung Ixodes ricinus (Holzbock) übertragen. Zudem können diese Zecken Borreliose übertragen.
Des Weiteren kann die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) das FSME-Virus übertragen (Stand. 2017). 

Vorkommen: Die zuvor genannten infizierten Zecken sind Überträger der FSME in Europa bis zum Ural sowie in Asien.
In Europa befinden sich FSME-Endemiegebiete neben Deutschland (s. u.) auch in Österreich, den baltischen Ländern, Südschweden, Finnland, Russland, Polen, der Tschechischen und der Slowakischen Republik, Ungarn, Kroatien, Slowenien und Albanien. Einzelfälle werden berichtet von Bornholm (dänische Insel), Frankreich, Italien und Griechenland.
Die russische Variante der FSME heißt RSSE (Russian Spring Summer Encephalitis).
Regionsabhängig sind zwischen 0,1-5 % der Zecken mit dem Virus infiziert.

Zecken werden ab ca. 6°-8 °C aktiv. Eine weitere Voraussetzung für ihre Aktivität ist eine Luftfeuchtiglkeit von > 80 %.
Im Gegensatz zum Holzbock ist die Auwaldzecke ganz früh im Jahr und im Herbst wieder bis zum ersten Schnee aktiv; damit verlängert die Auwaldzecke die Zeit mit aktiven und gefährlichen Zecken (Verlängerung der Aktivperiode).

Die Erkrankung tritt gehäuft zwischen März und November auf, mit einem Höhepunkt im Hochsommer.
Beachte: Aufgrund des Klimawandels sind Zecken in Deutschland nahezu ganzjährig aktiv!

Neben der Übertragung des Erregers (Infektionsweg) durch Zecken ist auch eine Übertragung über infizierte Milch von Schafen, Ziegen oder Kühen möglich. Dies ist jedoch sehr selten.

Nur etwa jeder 100. bis 300. Zeckenstich führt zur Erkrankung, da in Endemiegebieten  nur durchschnittlich 1-3 % der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert sind und die klinische Manifestationsrate bei ca. 33 % liegt. 
Höhere Durchseuchungsraten von 20 bis 30 % werden allerdings in einzelnen Regionen (Litauen, Russland, Schweiz) gefunden [1].
Beachte: Latenz zwischen Zeckenbiss und Infektion ist meist sehr kurz, da sich die FSME-Viren in den Speicheldrüsen der Zecken aufhalten.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt in der Regel (5) -7-14- (28) Tage.

In den FSME-gefährdeten Regionen in Deutschland sind bis zu 2 % der Zecken infiziert. Zu den FSME-Risikogebieten gehören in Deutschland

FSME Risikogebiete in Deutschland sind derzeit insbesondere:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern: (außer einigen Landkreisen [LK] in Schwaben und im westlichen Teil Oberbayerns); 2018 hinzugekommen: LK München, LK Günzburg, LK Augsburg, LK Weilheim-Schongau und der LK Starnberg
  • Hessen: LK Odenwald, LK Bergstraße, LK Darmstadt-Dieburg, Stadtkreis (SK) Darmstadt, LK Groß- Gerau, LK Offenbach, SK Offenbach, LK Main-Kinzig-Kreis, LK Marburg-Biedenkopf
  • Rheinland-Pfalz: LK Birkenfeld
  • Saarland: LK Saar-Pfalz-Kreis
  • Sachsen: LK Vogtlandkreis, LK Erzgebirgskreis, LK Bautzen, LK Zwickau
  • Thüringen: SK Jena, SK Gera, LK Saale-Holzland-Kreis, LK  Saale-Orla-Kreis, LK  Saalfeld-Rudolstadt, LK  Hildburghausen, LK Sonneberg, LK Greiz, LK Ilm-Kreis, SK Suhl

Ein FSME-Risiko besteht auch im europäischen Ausland, und zwar vor allem in Österreich und Tschechien und sowie in der gesamten Schweiz. Weitere Risikogebiete gibt es in Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien und Schweden.

Geschlechterverhältnis: Männer sind annähernd doppelt so häufig betroffen wie Frauen. 

Häufigkeitsgipfel: Ab dem 40. Lebensjahr steigt laut RKI das Erkrankungsrisiko deutlich an.

Nicht jede Infektion führt zu einer Erkrankung. Es erkrankt in etwa jeder Dritte, der von einer infizierten Zecke gebissen wurde. In Deutschland wurden im Jahr 2011 nur ca. 438 Fälle gemeldet. Die Dunkelziffer wird aber vermutlich viel höher liegen, da die Erkrankung oft als Sommergrippe fehl gedeutet wird.

Verlauf und Prognose: Etwa 30 % der Infektionen verlaufen symptomatisch. Die Infektion verläuft biphasisch (in zwei Phasen). In der frühen Phase treten lediglich grippeähnliche Symptome auf, während in der zweiten Phase, die sich nach einem symptomfreien Intervall anschließt, neurologische Symptome auftreten.
Der Verlauf ist stark vom Alter abhängig: Je älter die Person, desto schwerer kann die FSME verlaufen und je schwerer die Erkrankung verläuft, desto größer ist das Risiko dauerhaft unter Folgeschäden
der Erkrankung wie Gleichgewichtsstörungen oder Paresen (Lähmungen) der Extremitäten zu leiden.
Mehr als 40 % der FSME-Patienten müssen längerfristig behandelt werden. Die beste Prognose hat die meningitische Verlaufsform. Die Prognose verschlechtert sich sehr, wenn es zu einer Enzephalomyelitis (Entzündung des Gehirns und Rückenmarks) kommt.
Allgemein haben Kinder, die an FSME erkrankt sind, eine günstigere Prognose als Erwachsene.

Impfung: Eine Schutzimpfung gegen FSME ist verfügbar. Diese ist auch gegen die russische Variante RSSE (Russian Spring Summer Encephalitis) wirksam.

In Deutschland ist der direkte oder indirekte Nachweis des Erregers nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen.

Literatur

  1. Vaccines against tick-borne encephalitis; WHO Publications. Vaccine 2011 Nov 8;29(48):8769-70. doi: 10.1016/j.vaccine.2011.07.024. Epub 2011 Jul 21.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). (AWMF-Registernummer: 030-035), Januar 2016 Langfassung

     
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