Einleitung
Leishmaniose

Bei der Leishmaniose (Thesaurussynonyme: Aleppobeule; amerikanische Leishmaniose; asiatische Wüstenleishmaniose; Assam-Fieber; Augenlidbefall bei Leishmaniose; Augenlidleishmaniose; Bagdadbeule; Bagdad-Beule; Bahia-Ulkus; Brasilianische Leishmaniose; Burdwan-Fieber; Chiclero-Geschwür; Chiclero-Ulkus; Cochinchina-Ulkus; Delhibeule; Delhigeschwür; Delhipustel; Dumdum-Fieber; Dum-Dum-Fieber; Dysenterische Leishmaniose; Espundia; Hautbefall nach Kala-Azar; Hautleishmaniose; Hautleishmaniose post Kala-Azar; Hautleishmanoid; Hautleishmanoid post Kala-Azar; Infektion durch Leishmania; Infektion durch Leishmania aethiopica; Infektion durch Leishmania brasiliensis; Infektion durch Leishmania chagasi; Infektion durch Leishmania donovani; Infektion durch Leishmania infantum; Infektion durch Leishmania major; Infektion durch Leishmania mexicana; Infektion durch Leishmania tropica; Kala-Azar; kutane amerikanische Leishmaniose; kutane asiatische Leishmaniose; kutane äthiopische Leishmaniose; kutane Leishmaniose; kutane Leishmaniose des Augenlids; kutane städtische Leishmaniose; Leishmaniase; Leishmaniase ‒ s.a. Leishmaniose; Leishmaniasis; Leishmaniasis cutis; Leishmaniasis interna; Leishmaniasis tegumentaria diffusa; Leishmaniasis tropica; Leishmaniasis tropica major; Leishmaniose; Leishmaniose der Mittelmeerländer; Leishmaniose der Mund- und Nasenschleimhaut; Leishmanoid nach Kala-Azar; mediterrane Leishmaniose; mexikanische Leishmaniose; mukokutane Leishmaniose; nasoorale Leishmaniose; nasopharyngeale Leishmaniose; Natalbeule; Nilbeuel; Orientbeule; Orientfistel; Orientgeschwür; Pian bois; Schleimhautleishmaniose; Schwarze Krankheit; Schwarzes Fieber; südamerikanische Haut-Schleimhaut-Leishmaniose; tropische Leishmaniose; Ulcus tropicum durch Leishmaniose; Uta; Uta-Geschwür; viszerale Leishmaniose; Wüstenleishmaniose; ICD-10 B55.-: Leishmaniose) handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten der Gattung Leishmanien verursacht wird.

Die Leishmanien gehören zur Gattung von geißeltragenden Protozoen (Einzeller), die zur Familie der Trypanosomatida gehören. Sie vermehren sich im Blut in den Makrophagen (Fresszellen) (Hämoflagellaten).

Die Erkrankung gehört zu den parasitären Zoonosen (Tierseuchen)

Erregerreservoir sind Menschen und Tiere (verschiedene Nagetiere und Hunde, aber auch Füchse). In Spanien ist der Großteil der Stadthunde mit Leishmanien infiziert.

Vorkommen: Die Infektion tritt vorwiegend in tropischen und subtropischen Regionen auf. Dazu zählen besonders Peru, Kolumbien, Brasilien, östliches Afrika (u. a. Äthiopien, Somalia, (Süd-)Sudan), Mittelmeerraum (Spanien, Portugal, Balkan, Italien) sowie Asien (China, Indien, Pakistan).

Die Hauptübertragungszeit durch die Mücken ist der Sommer.

Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg) erfolgt durch die dämmerungs- und nachtaktiven weiblichen Sand- bzw. Schmetterlingsmücken, die sogenannten Phlebotomen. Selten treten Übertragungen durch Organ- oder Blutspenden auf. Ebenso selten ist eine diaplazentare Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind.

Der Eintritt des Erregers erfolgt parenteral (der Krankheitserreger dringt nicht über den Darm ein), d. h. hierbei, er gelangt über die Haut (perkutane Infektion) in den Körper. Dort erfolgt die Aufnahme in die Makrophagen, wo sich die Leishmanien in die amastigote Form mit Restflagellum umwandeln.

Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Ja, aber selten.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) ist abhängig von der Form der Erkrankung:

  • viszerale Leishmaniose (Synonyme: Kala-Azar; auch bekannt als Dum-Dum-Fieber oder Schwarzes Fieber) – sehr variable Inkubationszeit; 2 bis 6 Monaten (mit einer Spannbreite von 10 Tagen bis 2 Jahren) 
  • kutane Leishmaniose (Synonym: Orientbeule) – wenige Tage bis mehrere Monate, manchmal auch ein Jahr
  • mukokutane Leishmaniose – kann bis zu 30 Jahren dauern, bis sich Symptome zeigen

In Abhängigkeit von der Erregerspezies und dem Immunstatus des Betroffenen werden folgende Formen der Leishmaniose unterschieden:

  • Viszerale (innere) Leishmaniose (Synonyme: Dum-Dum-Fieber; Schwarzes Fieber; Kala-Azar ("Schwarze Haut"); ICD-10 B55.0: viszerale Leishmaniose)
    • Erreger:
      • Leishmanien donovani – vorwiegend in Asien
      • Leishmanien infantum – vorwiegend im Mittelmeerraum
      • Leishmanien chagasi –  vorwiegend in Südamerika
    • bei dieser Form sind die inneren Organe befallen (vor allem Leber und Milz), aber auch Lymphknoten und Knochenmark
  • Kutane Leishmaniose (Synonyme: Hautleishmaniose; Bagdad-, Aleppo-, Nil-, Orientbeule; ICD-10 B55.1: kutane Leishmaniose)
    • Erreger:
      • Leishmanien tropica (L. tropica major, L. tropica minor)
      • Leishmanien peruviana
      • Leishmanien mexikana
      • Leishmanien aethiopica
    • nur die Haut ist betroffen
  • Mukokutane Leishmaniose (Synonyme: Schleimhautleishmaniose; Amerikanische Leishmaniose; Uta; Espundia; Chiclero-Ulkus; Pian bois; ICD-10 B55.2: mukokutane Leishmaniose)
    • Erreger:
      • Leishmanien brasiliensis – vorwiegend auf dem amerikanischen Kontinent
    • chronisch fortschreitende, nekrotisierende Erkrankung (lokaler Gewebetod) des Nasen-Rachen-Raums; kann zur vollständigen Destruktion (Zerstörung) der Schleimhäute des Nasenrachenraums führen

Bis zu 2 Millionen Menschen infizieren sich pro Jahr (weltweit) – bei ca. 1,5 Millionen handelt es sich um die kutane Form der Leishmaniose und bei ca. 0,5 Millionen um die viszerale Form. In Deutschland werden jährlich ca. 20 Fälle (meist kutane Leishmaniose) verzeichnet. Hierbei handelt es sich überwiegend um importierte Erkrankungen, beispielsweise durch mitgebrachte infizierte Hunde oder durch Reisende aus Endemiegebieten. Mittlerweile wurden Sandmücken auch in Deutschland entdeckt.

Verlauf und Prognose: Von den drei Erkrankungsformen ist die viszerale Leishmaniose die schwerste Erkrankung. Wird sie rechtzeitig erkannt und therapiert, ist die Prognose gut. Unbehandelt beträgt die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) 90 %.
Die kutane und mukokutane Leishmaniose verlaufen signifikant milder. Die kutane Leishmaniose bedarf in der Regel keiner Therapie. Die sich entwickelnde Beule heilt nach einem halben bis einem Jahr unter Narbenbildung spontan (von selbst) ab. Der Verlauf der mukokutanen Leishmaniose ist schwerer und zeigt sich unter anderem durch destruierende Hautläsionen, die nicht spontan abheilen.

Handelt es sich um eine latente (verborgene) Infektion, ist eine Reaktivierung bei Immunsuppression (Immunschwäche) lebenslang möglich.

Impfung: Eine Schutzimpfung gegen Leishmaniose steht bislang nicht zur Verfügung.

In Deutschland muss die viszerale Leishmaniose an das Institut für Tropenmedizin in Berlin gemeldet werden.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der viszeralen Leishmaniasis (Kala-Azar). (AWMF-Registernummer: 042 - 004), November 2016 Langfassung

     
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