Einleitung
Herpes-simplex-Virus

Beim Herpes simplex-Virus (Synonyme: Entzündung durch Herpes simplex; Genitalherpes; HSV-1; HSV-2; Herpes genitalis; Herpes simplex Typ 1; Herpes simplex Typ 2; Herpes simplex labialis; Herpes simplex recidivans in loco; Herpes-Infektion; Herpesvirus-Infektion; Herpesvirus-Krankheit; Labialherpes; Rezidivierender Herpes simplex; ICD-10 B00.-: Infektionen durch Herpesviren [Herpes simplex]) handelt es sich um einen Erreger aus der Gruppe der DNA-Viren, aus der Familie der Herpesviridae.

Beim Menschen verursacht das Virus Haut- und Schleimhautausschläge.

Man unterscheidet zwischen folgenden Typen von Herpes simplex-Viren:

  • Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) – sogenannter "oraler Stamm"
  • Herpes simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) – sogenannter "genitaler Stamm" 

Das Herpes simplex-Virus Typ 1 verursacht überwiegend den Herpes labialis ("Lippenherpes") sowie verschiedene andere Infektionen im Kopfbereich. Dies kann zu Bläschenbildung an der Lippe (Herpes labialis), der Nase (Herpes nasalis), der Wange (Herpes buccalis, Herpes facialis), dem Augenlid oder anderen Körperstellen (Herpes corporis) führen.

Das Herpes simplex-Virus Typ 2 verursacht überwiegend den Herpes genitalis und den Herpes neonatorum (Neugeborenen-Herpes).
Mittlerweile ist der Anteil von HSV-1 und HSV-2 bei genitalen Infektionen nahezu gleich.

Der Mensch stellt zurzeit das einzige relevante Erregerreservoir dar.

Vorkommen: Die Infektion tritt weltweit auf.

Die Kontagiosität (Ansteckungskraft bzw. Übertragungsfähigkeit des Erregers) des Herpes simplex-Virus Typ 1 ist sehr hoch. Die Durchseuchung liegt bei über 90 % der Bevölkerung (in Deutschland).

Die Übertragung (Infektionsweg) des HSV-1-Typs erfolgt oral durch Speichel (Tröpfcheninfektion) und als Schmierinfektion, während der HSV-2-Typ sexuell und perinatal (während der Geburt), als sogenannte Schmierinfektion, übertragen wird. 
Bei akuter Infektion der Schwangeren ist in seltenen Fällen eine transplazentare Übertragung zum Feten möglich.
Über Hautkontakt ist bei Herpes labialis durch Schmierinfektion eine neo-/postnatale Übertragung zum Feten möglich.
Herpes-simplex-Viren können auch durch Oralsex übertragen werden.

Der Eintritt des Erregers erfolgt parenteral (der Krankheitserreger dringt nicht über den Darm ein), d. h. hierbei, er gelangt über die Haut (geringgradig verletzte Haut; perkutane Infektion) und über die Schleimhäute (permuköse Infektion) in den Körper.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) für die Primärinfektion mit HSV-1 beträgt in der Regel zwischen 2-12 Tagen und für die Primärinfektion mit HSV-2 zwischen 3-7 Tagen (Herpes neonatorum bis 17 Tage).

Häufigkeitsgipfel: Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) tritt schon in der Kindheit auf. Im Erwachsenenalter sind mehr als ca. 90 % der Bevölkerung (in Deutschland) infiziert.

Seroprävalenz (prozentuelle Anzahl der serologisch positiv getesteten Patienten): Die Durchseuchung mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) beginnt nach der Pubertät. Im Erwachsenenalter sind 10-30 % der Bevölkerung (weltweit) infiziert. Die Tendenz ist steigend.
Die Seroprävalenz bei Frauen im gebärfähigen Alter wird für HSV-1 mit 82 %, für HSV-2 mit 18 % angegeben.

Die Dauer der Infektiosität besteht solange Bläschen auftreten; eine Virusübertragung ist aber auch in der symptomfreien Phase möglich.

Verlauf und Prognose:
Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1): Eine Lippenherpes-Episode dauert unbehandelt etwa 7-10 Tage.
Der Herpes labialis tritt bei ca. einem Drittel der Menschen rezidivierend (wiederkehrend) auf.

Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2): In mehr als 90 % der Fälle verläuft die Primärinfektion asymptomatisch (ohne Symptome). Bei ansonsten Gesunden ist der Verlauf der Infektion günstig und die Erkrankung heilt spontan (von selbst). Bei ca. 85 % aller Patienten folgt dem primären Herpes genitalis ein symptomatisches Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung).
Bei einer maternalen (mütterlichen) Primärinfektion in den letzten 4 Wochen vor der Geburt liegt das neonatale Infektionsrisiko (des Neugeborenen) um ca. 40-50 %;  im ersten Trimenon beträgt die neonatale Infektionsgefahr nur noch 1 %.
Bei Kindern und Menschen mit Immundefizienz (Abwehrschwäche) kann sich die Infektion auf den gesamten Körper ausbreiten (Herpes-Sepsis) und unter Umständen lebensbedrohlich werden.

Impfung: Eine Schutzimpfung gegen Herpes simplex-Viren steht bislang nicht zur Verfügung, befindet sich aber in der Entwicklung.

Hinweis: Details zu Herpes labialis bzw. Herpes genitalis siehe unter der gleichnamigen Krankheit.


     
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