Einleitung
Psychische und Verhaltensstörungen

Nachfolgend werden unter "Psychische und Verhaltensstörungen" Krankheiten beschrieben, die gemäß ICD-10 dieser Kategorie zuzuordnen sind (F00-F99). Der ICD-10 dient der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten sowie verwandter Gesundheitsprobleme (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und ist weltweit anerkannt.

Psychische und Verhaltensstörungen

Als Verhaltensstörung bezeichnet man ein auffälliges Verhaltensmuster, das der Situation unangemessen und nicht zielführend ist.
Psychische und Verhaltensstörungen sind multifaktorielle Erkrankungen, die meist in der Kindheit entstehen. Sie wirken sich auf kognitiver, sozialer und motorischer Eben aus. Typisch ist zudem ein affektives Verhalten, worunter kurze und impulsartige Gefühlsregungen wie Zorn, Hass oder auch Freude verstanden werden.

Wenn Betroffene oder das soziale Umfeld unter dem Verhalten leiden, spricht man von einer Störung. Häufig nehmen die Betroffenen ihr Verhalten jedoch selbst nicht als Beeinträchtigung wahr. Auffällige Verhaltensstörungen sind z. B. starke Unruhe, Aggressionen gegen Menschen und Tiere, extreme Ängstlichkeit, unkontrollierte Wutausbrüche, Schreien, Konzentrationsprobleme, obszönes Verhalten, Verweigerungshaltungen oder absichtliches Zerstören von Gegenständen. Verhaltensauffälligkeiten können vorübergehend sein, z. B. aufgrund eines akuten belastenden Ereignisses, aber auch zu einem dauerhaften Problem und damit behandlungsbedürftig werden.

Psychische und Verhaltensstörungen lassen sich nach ICD-10 in die nachfolgenden Gruppen einteilen:

Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (ICD-10: F00-F09)
Bei diesen Krankheiten liegt die Ursache in einer zerebralen ("das Gehirn betreffende") Krankheit, einer Hirnverletzung oder einer anderen Schädigung, die zu einer Störung der Hirnfunktion führt. Dabei kann das Gehirn direkt betroffen sein (primäre Funktionsstörung) oder im Rahmen einer systemischen Erkrankung (mehrere Organe sind betroffen) sekundär.

Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10: F10-F19)
Die dieser Gruppe zuzuordnenden Störungen bzw. Erkrankungen werden durch den Gebrauch einer oder mehrerer psychotroper Substanzen wie Alkohol, Opioide, Kokain, Cannabinoide, Sedativa (Beruhigungsmittel) oder Hypnotika (Schlafmittel) verursacht.

Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (ICD-10: F20-F29)
Das wichtigste Krankheitsbild dieser Gruppe ist die Schizophrenie. Des Weiteren gehören anhaltende wahnhafte Störungen und vorübergehende psychotische Störungen dazu.

Affektive Störungen (ICD-10: F30-F39)
Die Störungen dieser Gruppe äußern sich in Veränderungen der Stimmung oder der Affektivität, die entweder der Depression zuzuordnen sind oder einem Stimmungshoch. Begleitet wird der Stimmungswechsel in der Regel von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus. Auslöser sind oft belastende Ereignisse. Die Mehrheit dieser Störungen neigt zu Rückfällen.

Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (ICD-10: F40-F48)
Hierzu zählen Störungen wie Phobien, Angststörungen, Zwangsstörungen, somatoforme Störungen und dissoziative Störungen.

Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (ICD-10: F50-F59)
Typische Krankheitsbilder dieser Gruppe sind u. a. Essstörungen, nichtorganische Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen (ohne organische Ursache), psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett.

Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (ICD-10: F60-F69)
Die Störungen sind meist länger anhaltend. Sie können Folge sozialer Erfahrungen im frühen Verlauf der individuellen Entwicklung, aber auch erst später im Leben erworben sein. Zu beobachten sind deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken und Fühlen im Vergleich zur Mehrheit der Bevölkerung.

Intelligenzstörung (ICD-10: F70-F79)
Die Krankheiten dieser Gruppe beruhen auf einer Störung der psychischen Entwicklung. Die geistigen Fähigkeiten wie Kognition, Sprache, aber auch motorische und soziale Fähigkeiten sind verzögert oder unvollständig entwickelt.

Entwicklungsstörungen (ICD-10: F80-F89)
Die Störungen beginnen im Kleinkindalter oder in der Kindheit. Sie gehen einher mit einer Einschränkung der Entwicklung bzw. Verzögerung von Funktionen, die mit der biologischen Reifung des zentralen Nervensystems (ZNS) verknüpft sind. Der Verlauf ist stetig. Häufig sind Sprache, Koordination der Bewegung sowie schulische Fertigkeiten betroffen. Oft bleiben geringe Defizite im Erwachsenenalter zurück.

Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (ICD-10: F90-F98)
Hierzu zählen beispielsweise hyperkinetische Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, emotionale Störungen des Kindesalters, Ticstörungen und andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend.

Nicht näher bezeichnete psychische Störungen (ICD-10: F99-F99)
Hier werden psychotische Störungen ohne nähere Angaben geführt.

Häufige psychische und Verhaltensstörungen

  • Alkoholabusus (Alkoholabhängigkeit)
  • Angststörung
  • Asperger-Syndrom
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Autismus
  • Bipolarität
  • Borderline-Syndrom – große emotionale Instabilität, extreme Stimmungsschwankungen, selbstschädigendes Verhalten, ständiges Gefühl innerer Lehre
  • Demenz
  • Depression
  • Essstörungen – Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
  • Panikstörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Schizophrenie
  • Somatoforme Störungen
  • Soziale Phobie
  • Sprach- und Sprechstörungen
  • Tourette-Syndrom
  • Zwangsstörung

Die wichtigsten Risikofaktoren für psychische und Verhaltensstörungen

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Genussmittelkonsum
    • Alkoholkonsum; Alkohol während der Schwangerschaft
    • Tabakkonsum; Rauchen in der Schwangerschaft
  • Drogenkonsum
  • Psycho-soziale Situation
    • Aktuelle Konflikte
    • Angst
    • Arbeitslosigkeit
    • Belastendes familiäres Klima
    • Chronischer Stress
    • Erziehung und familiäres Umfeld
    • Fehlendes Selbstwertgefühl
    • Mobbing
    • Schlechte soziale Anpassung
    • Sexueller Missbrauch
    • Soziale Isolation
    • Traumatische sexuelle Erlebnisse
    • Traumatische Erlebnisse
  • Übergewicht

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Burnout-Syndrom
  • Diabetes mellitus
  • Epilepsie (Krampfanfälle)
  • Erkrankungen der ZNS (zentrales Nervensystem; Gehirn und Rückenmark)
  • Gestationsdiabetes mellitus (Schwangerschaftsdiabetes)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Infektionen während der Schwangerschaft
  • Schädelhirntrauma (SHT)

Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung nur einen Auszug der möglichen Risikofaktoren darstellt. Weitere Ursachen finden Sie unter der jeweiligen Krankheit.

Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen für psychische und Verhaltensstörungen

  • Neuropsychologische Diagnostik
  • Funktionelle Magnetresonanztomographie im Ruhezustand (fcMRT) – bei Verdacht aus Asperger-Syndrom oder andere Autismus-Spektrumstörungen
  • Computertomographie des Schädels (Schädel-CT, craniale CT bzw. cCT)
  • Magnetresonanztomographie des Schädels (Schädel-MRT, craniale MRT bzw. cMRT)

Welcher Arzt hilft Ihnen?

Bei psychischen und Verhaltensstörungen sollte in Abhängigkeit der Störung ein Neurologe oder Psychiater aufgesucht werden.

Expertenrat

Wenn Sie Fragen haben, besuchen Sie bitte den DocMedicus Expertenrat.
Beachten Sie bitte, dass der Expertenrat nicht den Arztbesuch ersetzt. Gehen Sie in akuten Krankheitsfällen bitte immer sofort zu Ihrem Arzt.

     
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