Einleitung
Tabakabhängigkeit

Unter psychischen Störungen und Verhaltensstörungen durch Tabak (Synonyme: Abhängigkeit von Nikotin; Entzugssyndrom nach Gebrauch von Tabak; Nikotinabhängigkeit; Nikotinabusus; Nikotinentwöhnung; Nikotinentzugssyndrom; Raucherentwöhnung; Tabakabhängigkeit; Tabak-Abhängigkeitssyndrom; Tabakabusus; Tabakentzugssyndrom; ICD-10 F17.2: Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom; F17.3: Entzugssyndrom) werden vielfältige Störungen bzw. Krankheiten, die durch den Gebrauch von Tabak auftreten können, zusammengefasst.

Dazu zählen vor allem:

  • Abhängigkeitssyndrom (Tabakabhängigkeit)
  • Entzugssyndrom

Tabak wird überwiegend durch das Zigarettenrauchen, aber auch durch Kautabak aufgenommen. Als Nikotin wird es des Weiteren durch Nikotinkaugummis bzw. -pflaster aufgenommen.

Eine "Tabakabhängigkeit" besteht, wenn innerhalb des letzten Jahres 3 der 6 Kriterien über mindestens 2 Monate zutrafen:

  1. Starker Wunsch oder Drang, Tabak zu konsumieren
  2. eingeschränkte Kontrollfähigkeit über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
  3. Toleranzentwicklung (um gleiche Wirkung zu erzielen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich)
  4. Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Beendigung des Konsums (siehe unter "Symptome – Beschwerden")
  5. Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Tabakkonsums 
  6. Anhaltender Konsum trotz Bewusstsein über die schädlichen Folgen (siehe unter "Folgeerkrankungen")

Im Jahr 2012 betrug das durchschnittliche Alter, in dem Mädchen bzw. Jungen das erste Mal rauchen, 14,3 Jahre. Kinder und Jugendliche sind besonders abhängigkeitsgefährdet. 80 % der Jugendlichen, die bis zu 5 Zigaretten täglich rauchen, erfüllen bereits ein Kriterium (s. o.) der Indikatoren für die Tabakabhängigkeit [1].

Durchschnittlich werden in Deutschland ca. 15,4 Zigaretten pro Tag geraucht – Männer rauchen 16,4 Zigaretten pro Tag und Frauen 40. Mehr als 22 % der Männer und 12,5 % der Frauen rauchen täglich mehr als 20 Zigaretten.

Geschlechterverhältnis: Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung beginnt meist schon im Jugendalter, getriggert vor allem durch Neugier und soziale Aspekte. Durchschnittlich beginnen Männer mit dem Rauchen in einem Alter von 18,5 Jahren und Frauen ab 19,7 Jahren.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 25 % (ab dem 15. Lebensjahr). Von den Männern rauchen 32,6 % (in der Gruppe der 15- bis 40-Jährigen sind es 41,8 %), von den Frauen 21,1 % (in der Gruppe der 15- bis 40-Jährigen sind es 31,9 %) und von den Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren rauchen 24,8 % (in Deutschland). Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren wird ein Rückgang der Prävalenz des Rauchens beobachtet. 

Verlauf und Prognose: Obwohl der Großteil der Raucher die möglichen gesundheitlichen Folgen des Rauchens kennt, wird der Zigarettengenuss nicht aufgegeben. Hinsichtlich der Lebenserwartung von Rauchern zeigt eine Studie, dass Männer, die täglich mehr als 10 Zigaretten rauchen, ihre Lebenserwartung im Schnitt 9,4 Jahre reduzieren. Frauen verlieren im Schnitt 7,3 Jahre. Wer weniger als zehn Zigaretten am Tag raucht, büßt immerhin noch ungefähr 5 Jahre ein (beide Geschlechter) [2].
Viele Raucher hören nicht auf, weil sie Angst vor den Entzugserscheinungen haben. Dabei berücksichtigen die modernen Entwöhnungstherapien sowohl körperliche als auch psychische Verhaltensmuster. Wird der Nikotinentzug ärztlich oder psychologisch begleitet, liegt die Erfolgsquote bei 25 %, ansonsten bei 10 %. In vielen Fällen führen erst mehrere Anläufe zu einer dauerhaften Abstinenz. Durchschnittlich benötigen die meisten Betroffenen drei bis vier ernsthafte Anläufe, um das Rauchen aufzugeben.

Circa 110.00 bis 140.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen des Tabakgebrauchs. Das Rauchen zählt zu den am häufigsten vermeidbaren Gesundheitsproblemen. 

Literatur

  1. Di Franza, JR, Rigotti, NA, Mc Neill, AD et al.: Initial symptoms of nicotine dependence in adolescents. Tobacco Control. 2000; 9: 313-319.
  2. Li K, Hüsing A, Kaaks R: Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study. BMC Medicine 2014, www.biomedcentral.com/1741-7015/12/59

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Screening, Diagnostik und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums. (AWMF-Registernummer: 076-006), Juli 2014 Kurzfassung Langfassung

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag