Einleitung
Einnässen (Enuresis)

Bei der Enuresis (Synonyme: Enuresis diurna; Enuresis nocturna; Enuresis nocturna neurotica; funktionelle Enuresis; Incontinentia urinae nichtorganischen Ursprungs; nervöse Enuresis; nichtorganische Enuresis; nichtorganische Enuresis nocturna; nichtorganische Harninkontinenz; nichtorganische primäre Enuresis; nichtorganische sekundäre Enuresis; psychogene Enuresis; psychogene Enuresis nocturna; Urininkontinenz nichtorganischen Ursprungs; ICD-10 F98.0) handelt es sich um das unwillkürliche Einnässen des Kindes.

Im 3. bis 6. Lebensjahr entwickelt sich eine stabile Blasenkontrolle, zuerst tagsüber, später dann nachts. Bis zum fünften Lebensjahr gilt das nächtliche Einnässen als physiologisch.

Von einer primäre Inkontinenz (Harninkontinenz; Unfähigkeit des Zurückhaltens von Harn) spricht man, wenn diese von frühester Kindheit an besteht.

Die Enuresis zählt zu den häufigsten Störungen im Kindesalter.

Man unterscheidet zwischen:

  • dem nächtlichen Einnässen (Enuresis nocturna, Bettnässen; Bettnässer)
  • dem Einnässen am Tage (Enuresis diurna; Tagnässen)

Unterscheidung einer primären und einer sekundären Form der Enuresis:

  • Primäre Enuresis – von Geburt an bestehendes Einnässen bzw. noch nie länger als 6 Monaten trocken
  • Sekundäre Enuresis – erneutes Einnässen nach einer mindestens sechs Monate andauernden trockenen Phase

Von einer adulten Enuresis spricht man, wenn das Einnässen über das achtzehnte Lebensjahr hinaus persistiert. Die Häufigkeit bei jungen Erwachsenen beträgt 2-6 %.

Die Enuresis wird nach der Ursache unterteilt in:

  • Nichtorganische (funktionelle) Enuresis:
    • rein nächtliches Einnässen (monosymptomatische Enuresis nocturna, NEM)
    • nächtliches Einnässen mit zusätzlichem Tagessymptomen (nicht monosymptomatische Enuresis nocturna, Non-MEN)
    • Blasendysfunktion mit isolierter Tagessymptomatik:
      • überaktive Blase (engl. overactive bladder, OAB) und Dranginkontinenz (imperative Harndrang/plötzlich auftretender, sehr starker, nicht beherrschbarer Harndrang mit anschließendem unwillkürlichen Harnabgang)
      • Miktionsaufschub (Verweigerungssyndrom, bei dem Harn in bestimmten Situationen (Schulweg, Schule, Spielsituationen, Fernsehen usw.) zurückgehalten und das Wasserlassen hinausgezögert wird.)
      • dyskoordinierte Miktion (Entleerung der Harnblase) (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination)
      • unteraktive Blase (engl. underactive bladder) 
  • Organische Enuresis (tritt selten auf); Einnässen aufgrund von: 
    • anatomischen Störungen/Erkrankungen – Fehlbildung der Harnwege (häufig assoziiert mit Fehlbildungen der Niere)
    • neurologischen Störungen/Erkrankungen:
      • kongenital (angeborenen)
      • erworbenen tumorösen oder entzündlichen Krankheiten des Nervensystems, die die Blaseninnervation beeinträchtigen 
    • Polyurischen Nierenerkrankungen

In der Regel handelt es sich um eine funktionelle Störung. Nur selten sind psychische Ursachen wie erhöhte Belastung (z. B. Scheidung/Trennung der Eltern) Auslöser des Einnässens. 

Geschlechterverhältnis: Jungen zu Mädchen beträgt 2 : 1.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für das nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna) liegt bei 7-13 % in der Gruppe der 7-Jährigen und bei 1-2 % in der Gruppe der Jugendlichen. Tagsüber (Enuresis diurna) nässen 2-3 % der 7-Jährigen ein.

Verlauf und Prognose: Einnässende Kinder erleben einen hohen Leidensdruck. Sie scheuen sich, bei Freunden zu übernachten oder haben Angst vor Schulausflügen. Vor diesem Hintergrund sollte nicht abgewartet werden, bis sich das Einnässen spontan (von selbst) zurückbildet. In den meisten Fällen reichen einfache Maßnahmen (z. B. Miktions-/Toilettentraining) aus, um das Einnässen zu beenden.

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Kinderpsychiatrische (hyperkinetische Störungen (ADHS); Angststörungen, depressive Störungen) und gastroenterologische Störungsbilder (Stuhlretention und Obstipation/Verstopfung) sind mit der Enuresis assoziiert.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 028-026), Dezember 2015 Langfassung

     
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