Einnässen (Enuresis) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – einschließlich Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustands; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Bekleidung und Unterwäsche [feuchte Unterwäsche als Hinweis auf zusätzlich bestehende Harninkontinenz (unwillkürlichen Urinverlust) am Tage?]
      • Lumbosakrale Region (unterer Rückenbereich) und Wirbelsäule
      • Untere Extremitäten (Beine)
    • Palpation (Abtasten) des Abdomens (Bauches), insbesondere Unterbauch und Kolonverlauf (Verlauf des Dickdarms)
  • Urologische Untersuchung (Untersuchung der Harnorgane)
    • Inspektion des äußeren Genitales (äußere Geschlechtsorgan) und der Harnröhrenmündung unter Wahrung der Intimsphäre des Kindes
    • Inspektion der perinealen (zwischen Geschlechtsorgan und After gelegenen) und perianalen (um den After gelegenen) Haut
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – bei Auffälligkeiten der lumbosakralen Region, Miktionsstörungen (Störungen beim Wasserlassen) am Tage oder klinischem Verdacht auf eine neurogene Funktionsstörung (nervenbedingte Funktionsstörung):
    • Gangbild einschließlich Zehen- und Fersengang
    • Motorik (Bewegungsfunktion), Muskeltonus (Muskelspannung), Muskeleigenreflexe (Muskelreflexe) und Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) der unteren Extremitäten
    • Sensibilität der Perinealregion (Dammregion)
    • Bei entsprechender klinischer Indikation (medizinischer Begründung) Prüfung von Analreflex (Schließmuskelreflex) und Analsphinktertonus (Spannung des Afterschließmuskels)
  • Rektale Untersuchung (Untersuchung des Enddarms) – nicht routinemäßig erforderlich; nur bei spezieller klinischer Fragestellung, insbesondere bei unklarer ausgeprägter Obstipation (Verstopfung) oder Verdacht auf eine anorektale bzw. neurologische Störung
  • Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung – bei anamnestischen Hinweisen (Hinweisen aus der Krankengeschichte) auf Schnarchen oder schlafbezogene Atmungsstörungen, insbesondere Inspektion von Tonsillen (Gaumenmandeln) und Oropharynx (Mundrachen)
  • Psychischer und entwicklungsbezogener Befund – orientierende Beurteilung von Verhalten, Aufmerksamkeit, emotionaler Belastung, Entwicklungsstand sowie psychosozialer Beeinträchtigung (seelisch-sozialer Beeinträchtigung) durch die Enuresis

Red Flags (Warnzeichen) bei Enuresis

  • Kontinuierlicher Urinverlust bzw. permanentes Harnträufeln
  • Auffälliger Harnstrahl, Pressen bei der Miktion (Wasserlassen) oder Harnverhalt (Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren)
  • Neurologische Auffälligkeiten, pathologisches Gangbild (krankhaft verändertes Gangbild) oder auffällige lumbosakrale Haut- bzw. Wirbelsäulenbefunde
  • Rezidivierende fieberhafte Harnwegsinfektionen (wiederkehrende fieberhafte Infektionen der Harnwege)
  • Ausgeprägte Polyurie (vermehrte Urinausscheidung) oder Polydipsie (vermehrtes Trinken)
  • Deutliche Gedeih- oder Wachstumsstörung
  • Neu aufgetretene sekundäre Enuresis in Verbindung mit weiteren somatischen Symptomen (körperlichen Beschwerden)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.