Einnässen (Enuresis) – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane): Nieren und ableitende Harnwege [Restharn?, Blasenwanddicke/Detrusorwanddicke, Nieren, Rektumweite] (verzichtbar bei NEM*)

*NEM (Monosymptomatische Enuresis)

Fakultative Medizingerätediagnostik ‒ in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und der obligaten Medizingerätediagnostik ‒ zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Uroflowmetrie (Harnflussmessung zur Beurteilung des Blasenentleerungsmusters; Mehrfachbestimmung bis 5 min nach Miktion erforderlich) mit Restharnbestimmung und/oder Beckenboden-EMG (Synonym: Beckenboden-Elektromyographie; zur Erkennung nervlich oder durch Muskelerkrankungen bedingter Miktionsstörungen) – für Kinder mit Hinweisen für eine organische Ursache (selten!) oder bei Kindern mit Harninkontinenz tagsüber und auffälligen Ultraschallbefunden sowie wiederholt nachweisbarem Restharn [1]
  • ggf. Miktionszystourethrographie (MZU; Synonym: Miktions-Cyst-Urethrographie, MCU); Untersuchungsmethode, bei der die Harnblase und die Harnröhre vor und während der Miktion (Wasserlassen) mit Hilfe von Kontrastmittel im Rahmen einer Röntgenuntersuchung dargestellt werden), Zystomanometrie (Untersuchungsmethode, bei der der Druck und die Kapazität der Harnblase gemessen wird) oder Video-Urodynamik – für Kinder mit Hinweisen für eine organische Ursache (selten!) oder bei Kindern mit Harninkontinenz tagsüber und auffälligen Ultraschallbefunden sowie wiederholt nachweisbarem Restharn [1]
  • Magnetresonanztomographie (MRT); z. B. MR-Urographie, MRT der Wirbelsäule ‒ zur weiterführenden Diagnostik
  • Anal-/Rektomanometrie (Druckmessung des Enddarms und des Schließmuskelsystems) – bei Vorliegen der Komorbidität (Begleiterkrankung) Stuhlretention bzw. Obstipation/Verstopfung
  • Elektroenzephalographie (EEG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns) – zur Epilepsieabklärung
  • Elektrokardiogramm (EKG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten des Herzmuskel) – zur Abklärung von Herzrhythmusstörungen (z. B. angeborenen Long-QT-Syndroms Typ II: pathologisch verlängertes QT-Intervall)

Befunde in der Basisdiagnostik einer Harninkontinenz

Miktionsfrequenz
(Häufigkeit des Wasserlassens)
  • Vermindert: ≤ 3 Miktionen/Tag
  • Vermehrt: ≥ 8 Miktionen/Tag
Restharn (ml)
  • Kinder 4-6 Jahre alt: > 20 ml
  • Kinder 7-12 Jahre alt: > 10 ml
Blasenwanddicke (mm)
  • Bei gefüllter Harnblase: < 3 mm
  • Bei leerer Harnblase: < 5 mm
Rektumdurchmesser
  • Obstipation: Rektumdurchmesser > 30 mm + Pelottierung (halbkugelige Eindellung) der gefüllten Blase durch Stuhlmassen im Rektum (Mastdarm) (ICCS) [2]
Blasenkapazität (ml)
  • Erwartendes Miktionsvolumen (Alter des Kindes [Jahre] + 1) ∙ 30 (ml)1
    Spanne: 65-150 % des zu erwartenden Volumens
  • Klein < 65 % des zu erwartenden Miktionsvolumens
  • Groß > 150 % des zu erwartenden Miktionsvolumens
Nocturnale Polyurie
(nächtlich vermehrtes Wasserlassen)
  • Nächtliche Urinausscheidung > 130 % der für das Alter zu erwartenden Blasenkapazität (Miktionsvoumen)
Polyurie
  • Urinmenge > 4 ml/kg KG und h oder > 1.200 ml/m2KOF und Tag

1 Anwendbar bis zum 12. Lebensjahr

ICCS International Children’s Continence Society

Literatur

  1. S2k-Leitlinie: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 028-026), Dezember 2015 Langfassung
  2. Austin P, Bauer S, Bower W et al.: The standardization of terminology of lower urinary tract function in children and adolescents: update report from the Standardization Committee of the International Children’s Continence Society (ICCS). J Urol 2014 191(6):1863-1865  doi: 10.1016/j.juro.2014.01.110.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 028-026), Dezember 2015 Langfassung