Einleitung
Autismus

Autismus (autistisches Syndrom, Selbstbezogenheit) bezeichnet das Sichabsondern einer Person von der Außenwelt. Die Betroffenen kapseln sich in eine eigene Gedanken- und Vorstellungswelt.

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zeichnen sich durch Störungen in der sozialen Interaktion, Störungen der Kommunikation und repetitive, stereotype Verhaltensweisen und Spezialinteressen aus [1].

Man kann die folgenden Formen nach ICD-10 unterscheiden:

  • Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom; ICD-10 F84.0); hierzu müssen alle drei diagnostischen Kriterien (Soziale Interaktion, Kommunikation, stereotypes und repetitives Verhalten) erfüllt sein
    • "High-functioning"-Autismus ‒ Sonderform des frühkindlichen Autismus
  • Atypischer Autismus (F84.1); wenn entweder nur ein oder zwei der drei diagnostischen Kriterien nachgewiesen werden können sowie eine Entwicklungsstörung vor dem dritten Lebensjahr vorliegt oder der Nachweis der autistischen Kernsymptomatik erst nach dem dritten Lebensjahr geführt werden kann.
  • Asperger-Syndrom (autistische Persönlichkeitsstörung/Psychopathie; kindlicher Autismus; F84.5)
  • Mahler-Syndrom (symbiotische Psychose)
  • Psychogener Autismus
  • Somatogener Autismus

Geschlechterverhältnis des frühkindlichen Autismus: Jungen zu Mädchen 3 : 1.
Geschlechterverhältnis des Asperger-Syndroms: Jungen zu Mädchen 8 : 1.
Bei Autismus-Spektrum-Störung geht man von einem Verhältnis von ca. 2-3 : 1 zugunsten des männlichen Geschlechts aus, wahrscheinlich unabhängig von der kognitiven Leistungsfähigkeit [1].

Häufigkeitsgipfel: Der frühkindliche Autismus beginnt meist in den ersten Lebensmonaten bis zum dritten Lebensjahr.
Das Asperger-Syndrom tritt meist im Schulalter auf.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für Autismus-Spektrumstörung (ASS) liegt bei 0,9-1,1 % [4]. Dabei wird davon ausgegangen, das auf drei diagnostizierte Patienten zwei Patienten kommen, deren Störung bislang nicht diagnostiziert wurde. 

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) des frühkindlichen Autismus beträgt ca. 50-100 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr.
Die Inzidenz des Asperger-Syndroms beträgt ca. 20-30 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

Verlauf und Prognose: Der frühkindliche Autismus hat im Vergleich zu anderen Formen des Autismus eine ungünstige Prognose. Es bleiben in der Regel Störungen zurück.
Eine intellektuelle/geistige Behinderung liegt in etwa der Hälfte aller Personen mit Autismus-Spektrum-Störungen vor (IQ < 70 [2, 3]).

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) [1]: Die häufigsten komorbiden Störungen, die bei mehr als der Hälfte der Betroffenen vorliegen, sind Entwicklungsstörungen bezüglich Sprache, Motorik und der kognitiven Entwicklung (geistige Behinderung). 
Bei Kleinkindern mit der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung kommen Schlafstörungen deutlich häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. Hyperaktivität ist das am häufigsten vorkommende komorbide Symptom.
Bei Erwachsenen ohne Intelligenzminderung ist die Prävalenzrate von Persönlichkeitsstörungen sehr hoch, aber auch affektive Störungen, Angststörungen, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), Tic-Störungen (wiederholte Auftreten unwillkürlicher Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen), psychotische sowie weitere Störungen liegen häufig komorbid vor.

Literatur

  1. Interdisziplinäre S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter Teil 1. (AWMF-Registernummer: 028-018), Februar 2016 Langfassung
  2. Baird, Gillian; Simonoff, Emily; Pickles, Andrew; Chandler, Susie; Loucas, Tom; Meldrum, David; Charman, Tony (2006): Prevalence of disorders of the autism spectrum in a population cohort of children in South Thames: the Special Needs and Autism Project (SNAP). In: The Lancet 368 (9531), S. 210-215. doi: 10.1016/S0140-6736(06)69041-7.
  3. Brugha, Traolach S.; McManus, Sally; Bankart, John; Scott, Fiona; Purdon, Susan; Smith, Jane et al. (2011): Epidemiology of Autism Spectrum Disorders in Adults in the Community in England. In: Arch Gen Psychiatry 68 (5), S. 459-465. doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2011.38.
  4. Fombonne, E.; Quirke, S.; Hagen, A. (2011): Epidemiology of pervasive developmental disorders. In: D. G. Amaral, G. Dawson und D. H. Geschwind (Hg.): Autism Spectrum Disorders. New York: Oxford University Press, S. 90-111.

Leitlinien

  1. Interdisziplinäre S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter Teil 1. (AWMF-Registernummer: 028-018), April 2016 Langfassung

     
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