Autismus – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion der Haut, der Schleimhäute (feuchte Innenhaut von Mund, Nase und Augen) und der Skleren (weiße Augenhaut) [z. B. Café-au-lait-Flecken bei Neurofibromatose Typ 1 (erblich bedingte Erkrankung mit Hautflecken und Nerventumoren), Hypo-/Hyperpigmentierungen, Ekzeme, Dysmorphiezeichen (auffällige äußere Körpermerkmale), Ikterus (Gelbsucht)]
    • Beurteilung des Ernährungszustands und der Körperproportionen [Untergewicht, Adipositas (starkes Übergewicht), Makro-/Mikrozephalie (ungewöhnlich großer/kleiner Kopf), disproportionaler Wuchs]
    • Inspektion auf dysmorphe Merkmale (auffällige äußere Körpermerkmale) [z. B. große Ohren, langes Gesicht, Hypertelorismus (vergrößerter Augenabstand), hochgewölbter Gaumen, auffällige Hand-/Fußanatomie]
    • Untersuchung des Kopfes und Halses [Makrozephalie (ungewöhnlich großer Kopf), Mikrozephalie (ungewöhnlich kleiner Kopf), Strabismus (Schielen), Hörstörung, vergrößerte Tonsillen (Mandeln)]
    • Orientierende Untersuchung von Herz und Kreislauf – Auskultation (Abhören) des Herzens, Blutdruckmessung [Herzgeräusch, Hypertonie (Bluthochdruck)]
    • Orientierende Untersuchung der Lunge – Auskultation (Abhören) [Atemgeräusche, Stridor (pfeifendes Atemgeräusch)]
    • Palpation (Abtasten) des Abdomens (Bauches) [Obstipation (Verstopfung), Meteorismus (Blähbauch), abdominelle Druckschmerzen]
    • Beurteilung des Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke und Muskeln) und der Wirbelsäule [Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule), Gelenkhypermobilität (überbewegliche Gelenke), Fehlstellungen]
    • Beurteilung der Motorik (Bewegungsfähigkeit) und des Gangbildes [ungeschickte Fein-/Grobmotorik, Zehenspitzengang, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), stereotype Bewegungen]
  • Neurologisch/psychiatrische Untersuchung
    • Beurteilung von Vigilanz (Wachheit), Orientierung, Aufmerksamkeit und Konzentration [Aufmerksamkeitsstörung, rasche Ablenkbarkeit]
    • Beurteilung von Sprache und Kommunikation [verzögerte Sprachentwicklung, Echolalie (zwanghaftes Wiederholen gehörter Wörter oder Sätze), monotone Prosodie (gleichförmige Sprachmelodie), ungewöhnlicher Sprachgebrauch, eingeschränkte wechselseitige Kommunikation]
    • Beobachtung der sozialen Interaktion [verminderter Blickkontakt, fehlende Mimik/Gestik, eingeschränkte soziale Gegenseitigkeit]
    • Beurteilung des Affekts (Gefühlsausdrucks) und der emotionalen Reagibilität [affektive Verflachung, inadäquater Affekt, verminderte emotionale Resonanz]
    • Beurteilung von Interessen, Routinen und Verhaltensmustern [stereotype Bewegungen, ritualisierte Abläufe, Spezialinteressen, repetitive Verhaltensweisen (ständig wiederholte Verhaltensweisen)]
    • Beurteilung sensorischer Besonderheiten [Hyper-/Hyporeaktivität (übermäßige/verminderte Reaktion) auf Geräusche, Licht, Berührung, Geruch oder Schmerz]
    • Prüfung der Hirnnerven [Strabismus (Schielen), Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen), Hörminderung]
    • Prüfung von Motorik (Bewegungsfähigkeit), Muskeltonus (Muskelspannung), Kraft und Koordination [Hypotonie (verminderte Muskelspannung), Hypertonie (erhöhte Muskelspannung), Koordinationsstörung, feinmotorische Auffälligkeiten]
    • Prüfung der Reflexe [gesteigerte oder abgeschwächte Muskeleigenreflexe, Pyramidenbahnzeichen (Hinweis auf eine Schädigung bestimmter Nervenbahnen)]
    • Beurteilung auf Hinweise für komorbide (begleitende) neurologische oder psychiatrische Störungen [Epilepsie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Angststörung, Depression, Tic-Störung, Zwangsstörung, Schlafstörung]
    • Beurteilung auf Hinweise für Entwicklungsregression (Verlust bereits erworbener Fähigkeiten) oder epileptische Enzephalopathie (durch Epilepsie bedingte Hirnerkrankung) [Verlust erworbener Sprache oder sozialer Fähigkeiten]
    • Erfassung von Selbst- und Fremdgefährdung [Selbstverletzung, aggressive Impulsdurchbrüche, Suizidalität (Selbsttötungsgefahr)]

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische körperliche Befunde hingewiesen.