Einleitung
Delir

Das Delir (lat. delirare = wahnsinnig sein oder de lira ire = aus dem Gleis oder der Spur geraten; ICD-10 F05.-/F10.4-F19.4) bezeichnet einen akuten Verwirrtheitszustand. Es kommt zu einer relativ akuten Abnahme der Wahrnehmung.
Das Delir kann durch viele verschiedene Erkrankungen sowie durch diverse Stoffe wie Alkohol oder Drogen ausgelöst werden.

Das Delir ist eine relativ häufig auftretende Erkrankung, die je nach Ursache und Klientel bei bis zu über 80 % der Krankenhauspatienten auftritt. Bei Intensivpatienten ist es die häufigste akute psychiatrische Erkrankung.

Bei bis zu einem Drittel der Betroffenen wird die Diagnose Delir jedoch nicht erkannt.

Im ambulanten Bereich tritt das Delir vor allem in Pflegeeinrichtungen und bei präfinalen Patienten auf.

Man kann nach dem ICD-10-Code die folgenden Formen des Delirs unterscheiden:

  • Delir ohne Demenz (F05.0)
  • Delir bei Demenz (F05.1)
  • Sonstige Formen des Delirs (F05.8)
    • Delir mit gemischter Ätiologie
    • Postoperatives Delir
  • Delir nicht näher bezeichnet (F05.9)
  • Psychische und Verhaltensstörungen durch diverse Stoffe mit Entzugssyndrom mit Delir (F10.4-F19.4)

Man kann das hypo- vom hyperaktiven Delir unterscheiden:

  • hypoaktives Delir – gekennzeichnet durch Bewegungsarmut, Lethargie, Somnolenz (Betroffene ist schläfrig, aber reagiert auf äußere Reize wie Ansprechen) und wenig spontane Kontaktaufnahme; vor allem bei Opiatintoxikation; bei älteren Patienten ist dieses die häufigere Form
  • hyperaktives Delir – gekennzeichnet durch psychomotorische Unruhe bis zu Erregung, Agitiertheit (krankhafte Unruhe), erhöhter Irritabilität (erhöhte Reizbarkeit), Ängste, Halluzinationen und vegetative Zeichen; vor allem beim Alkoholentzug

Das Delir kann wenige Stunden bis Monate andauern.

Im operativen Bereich muss unterscheiden werden zwischen:

  • postoperativen Delir (POD) [kann auch Ausdruck von Schmerzen sein] und
  • postoperative kognitive Dysfunktion (POCD)

Als Sonderform kann man das Delirium tremens (Alkoholentzugsdelir) einordnen:

  • Prädelir (Alkoholentzugssyndrom)
  • Vollständiges Delir
  • Lebensbedrohliches Delir

Geschlechterverhältnis: Männer sind im Alter aufgrund des vermehrten Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch) häufiger von einem Delir betroffen.

Häufigkeitsgipfel: Von den 65-Jährigen weisen etwa 20 % bei der Krankenhausaufnahme ein Delir auf.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei hospitalisierten Patienten zwischen 14-56 % (in Deutschland).

Verlauf und Prognose: Verlauf und Prognose sind abhängig von der Ursache des Delirs.
Mit zunehmenden Alter ist das Delir mit einer deutlich höheren Mortalität
(Anzahl der Todesfälle, bezogen auf die die Anzahl der betreffenden Population) von 10-65 % (im Vergleich mit gleichaltrigen nichtdeliranten Patienten) verbunden.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Alkoholdelir und Verwirrtheitszustände. (AWMF-Registernummer: 030-006), Dezember 2014 Langfassung

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag