Einleitung
Synkope und Kollaps

Bei einer Synkope (Synonyme: allgemeiner Kollaps; Blackout; Gowers-Syndrom; Herzsynkope; kardiale Synkope; Kollaps; kurzfristiger Bewusstseinsverlust; Ohnmacht; Ohnmachtsanfall; Ohnmachtssyndrom; Sympathikovasaler Anfall; synkopaler Anfall; Synkope; Synkope mit Vasokonstriktion; vagusbedingte Ohnmacht; vagusbedingter Ohnmachtsanfall; vasomotorische Instabilität; vasomotorisches Phänomen; vasovagale Synkope; vasovagaler Anfall; vasovagaler Reflex; vasovagales Phänomen; Vasovagalsyndrom; ICD-10 R55) handelt es sich um eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit, die durch eine Minderdurchblutung des Gehirns bedingt ist und meist mit einem Verlust des Muskeltonus einhergeht. 

Bereits eine ca. 6-8 Sekunden anhaltende Erniedrigung der systemischen Blutdruckwerte < 60 mm Hg reicht aus, dass es zu einer Synkope kommt.

Bei der Synkope kann man die folgenden Formen unterscheiden:

  • orthostatische Synkope (ca. 27 %) – Synkope im Rahmen des Wechsels von einer liegenden, sitzenden oder knienden in eine aufrechte Position
  • kardiogene Synkope (ca. 12 %) – das Herz betreffende Synkope
  • Synkope durch ein Valsalva-Manöver (ca. 10 %; forcierte Exspiration (Ausatmung) gegen die verschlossene Mund- und Nasenöffnung bei gleichzeitigem Einsatz der Bauchpresse)
  • neurogene Synkope (ca. 5 %) – das Nervensystem betreffende Synkope
  • metabolische Synkope (ca. 3 %) – Synkope aufgrund einer Stoffwechselstörung
  • psychovegetative Synkope (ca. 1 %)
  • unklare Synkope (ca. 42 %)

Die europäischen Leitlinien kennen drei Kategorien von Synkopen [5]:

  • Vasovale Synkopen (= Reflexsynkopen) – kurzzeitige Bewusstlosigkeit (Synkope) infolge eines überschießenden Vagotonus; die Ursachen dafür sind vielfältig:
    • langes Stehen
    • Emotionen wie Schreck- oder Schmerzerlebnisse
    • körperliche Belastungssituationen (neurokardiogene Synkope)
    • viszerale Reflexe (viszerale Synkope) im Rahmen der Defäkation (Stuhlentleerung), der Miktion (Blasenentleerung; Miktionssynkope) oder des Schluckvorganges (viszerale Reflexsynkope)
  • Orthostatische Hypotension (krankhafter Blutdruckabfall beim Aufrichten) (Synonyme: orthostatische Dysregulation; orthostatische Hypotonie, orthostatische Kreislaufregulationsstörung)
  • Kardiale Synkopen – herzbedingte Synkope

Eine Synkope kann Symptom vieler Erkrankungen sein (siehe unter "Differentialdiagnosen").

Geschlechterverhältnis: Im Kindesalter sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen.

Häufigkeitsgipfel: Besonders bei älteren Menschen tritt das Symptom auf, aber auch Kinder, vor allem zwischen 12 und 19 Jahren, können von einer Synkope betroffen sein. So erleiden ca. 15 % aller Kinder bis zum Erwachsenenalter mindestens einmal eine Synkope [3, 4].

Jugendliche haben nur in Ausnahmefällen kardiale ("herzbedingte") Synkopen, deren Anteil steigt deutlich spätestens ab einem Alter > 65 Jahre an.

Ca. 1-3 % der Patienten in einer Notfallaufnahme weisen das Leitsymptom "Synkope" auf.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 6 % aller älteren Menschen (in Deutschland). Am häufigsten sind hier die neurogenen Synkopen zu beobachten, gefolgt von den kreislaufbedingten und den durch Herzrhythmusstörungen verursachten.

Verlauf und Prognose: Das Auftreten ist üblicherweise plötzlich und ist durch eine spontane (von selbst) und vollständige Erholung charakterisiert.

Auch als Notfall an Bord von Linienflugzeugen stellen Synkopen (35 %), gefolgt von Angina pectoris ("Brustenge"; plötzlich auftretender Schmerz in der Herzgegend)/Thoraxschmerz (Brustschmerzen) (11,9 %) und kardialen Beschwerden (23 %) den häufigsten Notfall da [1].

Die Inzidenzrate (Häufigkeit von Neuerkrankungen) nach einer Synkope an einem Verkehrsunfall mit Personen- oder Lastwagen bzw. Motorrädern beteiligt und damit ärztlich versorgt zu werden, lag mit 20,6 pro 1.000 Personenjahre (PJ) fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung mit 12,1/1.000 PJ [2].

Bei Patienten mit Synkope, bei denen keine kardiovaskulären Störungen bekannt waren, erhöhte sich nach Synkopen unklarer Ursache die Häufigkeit für Vorhofflimmern (VHF) um 84 %, künftiger Koronarereignisse um 85 %, Aortenklappenstenose (Einengung des Ausflusstraktes der linken Herzkammer) 106 % und Herzinsuffizienz (Herzschwäche) um 124 %. Die Mortalität (Sterblichkeit) lag um 22 % und die kardiovaskuläre Mortalität um 72% höher [6]. 
Bei einer Synkope wegen orthostatischer Hypotonie (krankhafter Blutdruckabfall beim Aufrichten) war die Inzidenz von Herzinsuffizienz (Herzschwäche) um 78 %, die von Vorhofflimmern (VHF) um 89 % und die Gesamtmortalität um 14 % erhöht. Das Risiko, einen Apoplex (Schlaganfall) zu erleiden, nahm um 66 % zu [6].

Beachte: Die Abklärung einer Synkope sollte unmittelbar in einer Notaufnahme beginnen. Dabei geht es darum, möglichst schnell Differentierung, ob ein niedriges oder ein hohes Risiko für eine kardiogene und damit potentiell lebensbedrohliche Synkope vorliegt (Empfehlungsgrad I) [aktuelle ESC Guidelines].

Literatur

  1. Donaldson E, Pearn J (1996) First aid in the air. Aust N Z J Surg 66:431-434
  2. Numé AK et al.: Syncope and Motor Vehicle Crash Risk. A Danish Nationwide Study. JAMA Intern Med 2016, online 29. Februar; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.8606
  3. Colman N, Nahm K, Ganzeboom KS et al.: Epidemiology of reflex syncope. Clinical autonomic research: official journal of the Clinical Autonomic Research Society 2004; 14 Suppl 1: 9-17
  4. Wieling W, Ganzeboom KS and Saul JP: Reflex syncope in children and adolescents. Heart 2004; 90: 1094-1100
  5. Moya A, Sutton R, Ammirati F, Blanc, et al. for the Task Force for the Diagnosis and Management of Syncope; European Society of Cardiology (ESC); European Heart Rhythm Association (EHRA); Heart Failure Association (HFA); Heart Rhythm Society (HRS): Guidelines for the diagnosis and management of syncope (version 2009). Eur Heart J 2009; 30: 2631-71. Epub 2009 Aug 27.
  6. Yasa E et al.: Cardiovascular risk after hospitalisation for unexplained syncope and orthostatic hypotension. Heart 2017 Aug 3. pii: heartjnl-2017-311857. doi: 10.1136/heartjnl-2017-311857

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Synkopen im Kindes- und Jugendalter. (AWMF-Registernummer: 023-004), Juni 2014 Langfassung
  2. S1-Leitlinie: Synkopen. (AWMF-Registernummer: 030-072), September 2012 Langfassung
  3. Moya A, Sutton R, Ammirati F, Blanc, et al. for the Task Force for the Diagnosis and Management of Syncope; European Society of Cardiology (ESC); European Heart Rhythm Association (EHRA); Heart Failure Association (HFA); Heart Rhythm Society (HRS): Guidelines for the diagnosis and management of syncope (version 2009). Eur Heart J 2009; 30: 2631-71. Epub 2009 Aug 27.
  4. Brignole M, Moya A, de Lange F et al.: 2018 ESC Guidelines for the diagnosis and management of syncope. European Heart Journal, ehy037, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy037 Published: 19 March 2018

     
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