Einleitung
Fazialisparese

Bei der Fazialisparese (Fazialislähmung; Synonyme: Bell-Fazialisparese; Bell-Lähmung; Bell-Paralyse; Bell-Syndrom; Fazioplegie; Gesichtslähmung; Gesichtsnervenparalyse; Gesichtsparese; Lähmung des Hirnnerven VII; Paralyse des Nervus facialis; Parese des Nervus facialis; Periphere Fazialisparese; Prosopodiplegie; Prosopoplegie; Zentrale Fazialisparese; ICD-10 G51.0) handelt es sich um eine Parese (Lähmung) von Muskeln, die durch den Nervus facialis innerviert werden, folglich ist ein Teil der Gesichtsmuskulatur gelähmt.

Der Nervus facialis ist der VII. Hirnnerv (Gesichtsnerv). Er hat sensible, sensorische, motorische und parasympathische Fasern und innerviert weite Teile des Kopfes. So versorgt er die mimische Muskulatur des Gesichts und ist an der Geschmacksempfindung beteiligt, an der Tränen- und Speichelsekretion und versorgt den kleinsten Muskel des Menschen, welcher sich im Ohr befindet, den Musculus stapedius.

Man kann die zwei folgenden Formen der Fazialisparese nach dem Ort der Schädigung unterscheiden:

  • zentrale (supranukläre) Fazialisparese – oberhalb des Nervenkerns (Gyrus praecentralis, Tractus corticonuclearis) befindliche Schädigung; häufig ist ein Apoplex (Schlaganfall) oder Hirntumor Ursache
  • periphere (nukleäre, infranukleäre) Fazialisparese (Bell-Lähmung) – Schädigung im Nervenkern bzw. im peripheren Verlauf; in der Mehrheit der Fälle lässt sich für diese Form keine Ursache finden (idiopathische Fazialisparese)

Bei Auftreten der peripheren Fazialisparese in der Schwangerschaft mit Degeneration und unvollständiger Regeneration des VII. Hirnnervs spricht man vom Mona-Lisa-Syndrom. In der Mehrzahl der Fälle handelt sich um eine idiopathische Parese (Lähmung unklarer Ursache).

Geschlechterverhältnis der idiopathischen Fazialisparese: Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.
Bei Frauen ist das Risiko einer Fazialisparese in der Schwangerschaft dreifach erhöht.

Häufigkeitsgipfel: Die idiopathische Fazialisparese tritt mit steigendem Alter gehäuft auf.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt 7-40 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Die idiopathische Form kommt mit einer Inzidenz von 20-25 Fällen auf 100.000 Einwohner pro Jahr vor.

Verlauf und Prognose: Handelt es sich um eine leichte Form der Fazialisparese, ist die Symptomatik nur schwach ausgeprägt. Schwerere Formen der Fazialisparese gehen in der Regel mit Veränderungen der Mimik (Gesichtsausdruck) einher.
D
ie Prognose der idiopathischen Fazialisparese ist gut, wobei es bei über 80 % der Fälle innerhalb weniger Wochen nach Symptombeginn zu einer Rückbildung (bei > 70 % vollständig) kommt. In etwa 13 % der Fälle ist die Rückbildung unvollständig, wobei die Betroffenen dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt sind. Bei 16 % ist die Reinnervation (Nachwachsen des Nervs) so unvollständig, dass beispielsweise Synkinesien (unwillkürlicher Lidschluss beim Sprechen), Kontrakturen (ständige Spannung der Gesichtsmuskeln) und/oder autonome Störungen wie das Krokodilstränenphänomen (gustatorisches Weinen; einseitiger Tränenfluss, der in der Regel während der Nahrungsaufnahme) auftreten.
In der Schwangerschaft verläuft die idiopathische Fazialisparese insgesamt ungünstiger, d. h. Defektheilungen kommen häufiger vor. Die Spontanremissionsraten liegen bei 50-80 %, bei inkompletter Fazialisparaese bei ca. 90 %.
Postvirale ("nach einer Virusinfektion") Fazialisparesen heilen häufig mit Defekten aus.
Borrelien-induzierte Fazialisparesen haben nahezu immer eine gute Prognose.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Idiopathische Fazialisparese (Bell's Palsy). (AWMF-Registernummer: 030-013), September 2011 Langfassung

     
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