Fazialisparese – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Möbius-Syndrom (angeborenes Gesichtslähmungssyndrom) – angeborene, meist bilaterale Fazialisparese (Gesichtslähmung) mit zusätzlicher Abduzensparese (Lähmung des sechsten Hirnnerven); relevant bei seit Geburt bestehender Gesichtslähmung

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)

  • Geburtstraumatische Fazialisparese (durch Geburtsverletzung bedingte Gesichtslähmung) – periphere Fazialisparese des Neugeborenen durch Schädigung des Nervus facialis, insbesondere nach mechanischem Geburtstrauma (Geburtsverletzung)

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) mit neurologischer Beteiligung (Neurosarkoidose (Sarkoidose des Nervensystems)/Heerfordt-Syndrom (Sonderform der Sarkoidose mit Beteiligung von Augen, Speicheldrüsen und Nerven)) – insbesondere bei rezidivierender oder bilateraler Fazialisparese sowie begleitender Parotisschwellung (Schwellung der Ohrspeicheldrüse) und Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Hirninfarkt (Schlaganfall durch Gefäßverschluss) – supranukleäre Läsion (Schädigung oberhalb des Hirnnervenkerns) meist mit kontralateraler, stirnaussparender Fazialisparese; pontine Infarkte (Infarkte im Bereich der Hirnbrücke) können dagegen eine periphere Fazialisparese imitieren
  • Intrazerebrale Blutung (Hirnblutung) – zentrale Fazialisparese im Rahmen einer fokalen zerebralen Läsion (umschriebenen Hirnschädigung), meist mit weiteren neurologischen Defiziten (Ausfällen des Nervensystems)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Herpes zoster oticus (Gürtelrose des Ohres) (Ramsay-Hunt-Syndrom (Gürtelrose mit Gesichtslähmung)) – periphere Fazialisparese mit Otalgie (Ohrenschmerzen) und typischen Zoster-Effloreszenzen (Hautveränderungen bei Gürtelrose) im äußeren Gehörgang bzw. an der Ohrmuschel; ein Zoster sine herpete ist möglich
  • Neuroborreliose (Borreliose des Nervensystems) – wichtige Ursache einer peripheren Fazialisparese, insbesondere bei Kindern, nach Zeckenexposition oder bei bilateraler Fazialisparese

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Fazialisneurinom (Fazialisnerventumor) (Fazialisschwannom) – langsam progrediente oder rezidivierende periphere Fazialisparese, gegebenenfalls mit Hörstörung
  • Meningeom (Hirnhauttumor) des Felsenbeins bzw. Kleinhirnbrückenwinkels – progrediente Fazialisparese, häufig zusammen mit weiteren Hirnnervenausfällen (Ausfällen von Kopfnerven)
  • Meningeosis neoplastica (Tumorbefall der Hirnhäute) – insbesondere bei bilateralen oder multiplen Hirnnervenparesen (Lähmungen von Kopfnerven) und bekannter maligner Grunderkrankung
  • Maligner Parotistumor (bösartiger Ohrspeicheldrüsentumor) – progressive periphere Fazialisparese, insbesondere bei tastbarer Parotisraumforderung (Gewebeneubildung der Ohrspeicheldrüse) oder Schmerzen
  • Vestibularisschwannom (Tumor des Gleichgewichtsnerven) (Akustikusneurinom) – Fazialisparese meist bei größerem Tumor; typischerweise zusätzlich einseitige Hörminderung, Tinnitus (Ohrgeräusche) oder vestibuläre Symptome (Gleichgewichtsbeschwerden)

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Cholesteatom (chronisch wachsende Hautansammlung im Mittelohr) – chronisch destruierende Mittelohrerkrankung mit möglicher Schädigung des Nervus facialis
  • Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) – entzündliche Komplikation einer Otitis media (Mittelohrentzündung) mit möglicher Fazialisparese
  • Otitis externa maligna (schwere Entzündung des äußeren Gehörgangs mit Ausbreitung auf den Knochen) (Schädelbasisosteomyelitis (Knochenentzündung der Schädelbasis)) – insbesondere bei älteren Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit); Fazialisparese als Zeichen einer fortgeschrittenen Schädelbasisbeteiligung
  • Otitis media, akut oder chronisch – seltene, aber klinisch relevante Ursache einer peripheren Fazialisparese

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Basale Meningitis (Hirnhautentzündung an der Schädelbasis) – Fazialisparese meist zusammen mit weiteren Hirnnervenparesen oder meningealen Symptomen (Beschwerden durch Hirnhautreizung)
  • Guillain-Barré-Syndrom (akute entzündliche Nervenerkrankung) – häufig bilaterale Fazialisparese im Rahmen einer akuten inflammatorischen Polyradikuloneuropathie (entzündlichen Erkrankung mehrerer Nervenwurzeln und peripherer Nerven); weitere Paresen (Lähmungen) und Areflexie (fehlende Reflexe) weisen auf die Diagnose hin
  • Melkersson-Rosenthal-Syndrom (Erkrankung mit wiederkehrender Gesichtslähmung und Gesichtsschwellung) – rezidivierende periphere Fazialisparese, typischerweise in Verbindung mit orofazialer Schwellung (Schwellung im Mund- und Gesichtsbereich) und Lingua plicata (Faltenzunge)
  • Multiple Sklerose (MS) (chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems) – zentrale oder kernnahe Fazialisparese durch demyelinisierende Hirnstammläsion (Schädigung des Hirnstamms durch Verlust der Nervenhüllen), insbesondere bei jüngeren Patienten und zusätzlichen neurologischen Symptomen
  • Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche) – fluktuierende faziale Schwäche (wechselnde Schwäche der Gesichtsmuskulatur), häufig zusammen mit okulären oder bulbären Symptomen (Beschwerden der Augenmuskeln bzw. beim Sprechen und Schlucken); kann eine Fazialisparese klinisch imitieren

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Iatrogene Läsion des Nervus facialis (durch medizinische Maßnahmen verursachte Schädigung des Gesichtsnerven) – insbesondere nach Parotis-, Mittel-/Innenohr- oder Schädelbasischirurgie

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Felsenbeinfraktur (Bruch des Felsenbeins) – traumatische Schädigung des Nervus facialis mit unmittelbar oder verzögert auftretender peripherer Fazialisparese