Medikamentöse Therapie
Hodengeschwülste (Hodenmalignome)

Therapieziel

  • Heilung

Therapieempfehlungen

Keimzelltumoren/Seminom

  • Seminom ist sehr strahlensensibel.  Das Risiko einer okkulten Metastasierung (Tochtergeschwulstbildung, die trotz regelgerechter Staging-Untersuchung noch nicht erkennbar ist) den lokoregionären Lymphknoten (in der unmittelbaren Nähe zum Tumor) im Stadium I beträgt ca. 20 % (EBM IIB: 100, 127-129). Dennoch wird eine Heilungsrate von nahezu 100 % erzielt. Sie kann mit zwei Strategien erreicht werden:
    • adjuvante (ergänzende) Strahlentherapie mit Verminderung des Rezidivrisikos (Risiko des Wiederauftretens des Tumors) auf 3 bis 4 % (EBM IB: 130,131; EBM II A: 132-134) oder
    • abwartenden Verhalten (sog. Wait-and-see-Strategie oder Surveillance-Strategie) mit definitiver Therapie nur bei Rezidiv (Radiotherapie oder Chemotherapie) [1]
  • Seminom im nicht metastasierten klinischen Stadium I (cSI): wg. Rezidiv: Alle Therapieoptionen (Überwachung, adjuvante Chemotherapie mit Carboplatin, adjuvante Strahlentherapie) erreichen die gleichen Überlebensraten, wenn im Fall eines Rezidivs dieses stadiengerechte behandelt wird [Leitlinien: S3-Leitlinie].
  • Metastasierte Keimzelltumoren des Hodens [Leitlinien: S3-Leitlinie].
    • Seminom im Stadium cSIIA: entweder eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie mit drei Zyklen Cisplatin, Etoposid und Bleomycin (PEB) (alternativ vier Zyklen Etoposid-Platin (EP) bei Kontraindikation gegen Bleomycin).
    • Seminom im Stadium cSIIB: Chemotherapie mit drei Zyklen PEB oder bei Kontraindikationen gegen Bleomycin vier Zyklen EP erhalten. Alternativ kann eine Strahlentherapie durchgeführt werden.
    • Metastasierte Seminom im Stadium IIC/III und guter Prognose: drei Zyklen PEB Chemotherapie; bei Kontraindikation für Bleomycin vier Zyklen EP Chemotherapie
    • Hirnmetastasen bei Erstdiagnose: vier Zyklen Chemotherapie (PEB, PEI) analog der IGCCCG Klassifikation für schlechte Prognose-Patienten 
    • Knochenmetastasen bei Erstdiagnose: vier Zyklen Chemotherapie (PEB, PEI) analog der IGCCCG Klassifikation für intermediäre Prognose 
      • Im Anschluss an die Chemotherapie soll eine anschließende Lokaltherapie der Knochenherde erwogen werden (Resektion oder Bestrahlung, sofern technisch möglich).

Nichtseminomatöser Keimzelltumor/Nicht-Seminom

  • Das Nicht-Seminom ist im Gegensatz zum Seminom sehr Chemotherapie-sensibel. Beim Nicht-Seminom gibt es zwei Therapiestrategien [1]:
    • der retroperitoneale Lymphadenektomie (Entfernung der abdominellen Lymphknoten) (RLA) ODER
    • risikoadaptierte Therapie mit "Surveillance" für Patienten mit niedrigem Risiko und adjuvanter Chemotherapie für die mit hohem Risiko
    • Die Heilungsrate beträgt unabhängig vom therapeutischen Vorgehen 99 %.
  • Gesicherter nichtseminomatöser KZT im cSIIA/B: analog der IGCCCG-Prognosegruppe mittels Chemotherapie (drei bis vier Zyklen PEB) und bei Vorhandensein eines Residualtumors (Tumoranteile, die nach der Behandlung im Körper verblieben sind) mit retroperitonealer Residualtumorresektion (RTR; operative Entfernung des Residualtumors) behandeln
  • Knochenmetastasen bei Erstdiagnose: vier Zyklen Chemotherapie (PEB, PEI) analog der IGCCCG Klassifikation für schlechte Prognose
    • Im Anschluss an die Chemotherapie soll eine anschließende Lokaltherapie der Knochenherde erwogen werden (Resektion oder Bestrahlung, sofern technisch möglich).
  • Bei ausgedehnter Metastasierung sollte eine Hochdosis-Chemotherapie vor der Orchiektomie (Hodenentfernung) erfolgen.
  • Bei Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors): Versuch den Tumor primär durch eine operative Entfernung oder aber durch eine erneute Chemotherapie, meist mit nachfolgender Operation, erneut zu heilen
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Es werden hier keine detaillierten Angaben zu Wirkstoffen und Dosierungen gemacht, da die Therapieregimes ständig modifiziert werden.

Literatur

  1. European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG). Urologische Universitätsklinik Essen Westdeutschen Tumorzentrum Essen e.V. (WTZE), in Kooperation mit Sektion Leitlinien des Arbeitskreises – Uroonkologie Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Krefeld, Mönchengladbach, Mülheim, Neuss, Oberhausen, Troisdorf, Velbert. Fassung 2001

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens. (AWMF-Registernummer: 043 - 049OL), Mai 2019 Kurzfassung Langfassung

     
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