Einleitung
Hodenhochstand (Maldeszensus testis)

Beim Maldeszensus testis (MDT; MT; Synonyme: Hodenhochstand, Hodenretention, Retentio testis inguinalis, abdominalis, Kryptorchismus; ICD-10 Q53.-: Nondescensus testis) handelt es sich um einen gestörten Hodenabstieg (= primärer Hodenhochstand/Descensus testi).

Der Hoden steigt in der Regel in der Entwicklung vom Abdomen (Bauchraum) in das Skrotum (Hodensack) ab. Bleibt diese Wanderung aus, so kann der Hoden im Abdomen [Bauchhoden (Retentio testis abdominalis; Kryptorchismus "cryptorchidism"*)] oder in der Leiste [Leistenhoden (Retentio testis inguinalis; "cryptorchidism")]
bleiben.

Daneben kann der Hoden einen "falschen" Weg zum Hoden nehmen und dabei unterhalb der Leiste oder gar in den Oberschenkel wandern
(Hodenektopie; präfasziale Hodenektopie (ca. 70 %); Ektopia penilis; Ektopia femoralis, Ektopia perinealis).

*Vom Kryptorchismus spricht man, wenn der Hoden nicht tastbar ist und eine intraabominelle Lage hat (Retensio testis abdominalis) oder der Hoden nicht vorhanden ist (Anorchie).

Weiterhin kann man unterscheiden:

  • Pendelhoden (Retractile testis) ‒ dabei handelt es sich um normal entwickelte Hoden, die sich jedoch zeitweise in die Leiste hochziehen können
  • Gleithoden (Retentio testis präscrotalis) ‒ hierbei liegt der Hoden in der Leiste, lässt sich aber leicht in das Hodenfach ziehen, gleitet jedoch sofort zurück in die Leistenposition

Der Maldeszensus testis ist die häufigste Anomalie im Urogenitaltrakt.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 3-4 % aller Neugeborenen und bei bis zu 30 % bei Frühgeborenen. Am Ende des ersten Lebensjahres beträgt die Prävalenz 1-2 %, in ca. 30 % der Fälle bilateral (beidseitig).

Verlauf und Prognose: In den ersten sechs Monaten wird zunächst abgewartet und der Verlauf regelmäßig kontrolliert, da in diesem Zeitraum noch ein spontaner Descensus testis (Hodenabstieg) möglich ist. Jedoch tritt dieser nur bei bis zu sieben Prozent auf. Ist anschließend der Hoden nicht dauerhaft im Skrotum (Hodensack) tastbar, wird mit einer Pharmakotherapie (medikamentöse Therapie) begonnen. Die Therapie sollte idealerweise nach dem sechsten Lebensmonat beginnen und mit dem ersten Lebensjahr abgeschlossen sein!

Falls diese Therapie ohne Erfolg bleibt,
wird in der Regel der Hoden operativ im Skrotum bis zum 12. Lebensmonat fixiert, um Folgeschäden (Fruchtbarkeitsstörungen und ein höheres Hodenkrebsrisiko) zu vermeiden.
Zur Vaterschaftsrate nach operativer Therapie siehe unter "Folgeerkrankungen".

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Hodenhochstand – Maldescensus testis. (AWMF-Registernummer: 006-022), April 2013 Langfassung

     
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