Sorbit-H2-Atemtest

Der Sorbit-H2-Atemtest (Synonym: Sorbitintoleranz-Test) wird eingesetzt, um eine Sorbitintoleranz (Sorbit-Unverträglichkeit; Sorbitmalabsorption) zu diagnostizieren und anschließend mit einer Diät die Beschwerden zu mindern. Bei einer Sorbitintoleranz ist die Verwertung von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise aufgehoben.

Sorbit (Synonyme: Sorbitol, Glucitol) ist ein Zuckeraustauschstoff, der aus Glucose gewonnen wird und ca. 60 % dessen Süßkraft besitzt. Er wird in der Leber zu Fructose umgewandelt und kann insulinunabhängig (Insulin ist ein Hormon, dessen Wirkung die Aufnahme von Zucker in die Zellen vermittelt) verwertet werden. Diese Eigenschaft macht Sorbit zu einem geeigneten Süßstoff für Diabetiker. Neben Diätnahrungsmitteln ist Sorbit in vielen Kaugummis und Lutschbonbons enthalten, da es nicht kariogen ist. Natürlicherweise kommt es in verschiedenen Obstsorten vor, dazu gehören Äpfel, Birnen, Weißdornfrüchte, Kirschen, Pflaumen und Aprikosen.

Bei einer
Sorbitintoleranz kommt es zu Symptomen wie:

  • Diarrhoe (Durchfall)
  • Meteorismus (Blähungen)
  • Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen)

Die Sorbitintoleranz geht häufig mit einer Fructoseintoleranz oder weiteren Kohlenhydratunverträglichkeiten einher und ist nicht heilbar. Allerdings kann durch eine adäquate Diät die Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verdacht auf eine Sorbitintoleranz (Sorbitmalabsorption)

Das Verfahren

Der Sorbitintoleranz-Test ist ein sogenannter H2-Atemtest (Sorbit-H2-Atemtest; H2-Exhalationsatemtest; Wasserstoff-Atemtest; Wasserstoff-Exhalationstest). Er beruht auf dem folgenden Prinzip: Kohlenhydrate werden im Dickdarm durch Bakterien abgebaut, dadurch entsteht molekularer Wasserstoff (H2), der über die Blutbahn in die Lunge gelangt und abgeatmet wird. Die Wasserstoff-Produktion durch die Bakterien steigt, wenn die Abbaumechanismen für Kohlenhydrate wie z. B. für Sorbit ineffizient sind. Die Konzentration des Wasserstoffs in der Atemluft korreliert mit der Menge des nicht verstoffwechselten Sorbits und kann gemessen werden. Damit der Test fehlerfrei durchgeführt werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Patient sollte soweit wie möglich auf seinen Nikotinkonsum verzichten
  • Der Patient sollte zwölf Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben
  • Keine Antibiotikagabe eine Woche vor der Untersuchung (dies könnte die normale Darmflora zerstören)
  • Keine darmreinigenden Maßnahmen (eine Woche vor der Untersuchung)
  • Keine Kontrastmitteluntersuchungen des Darms (eine Woche vor der Untersuchung)
  • Keine Hülsenfrüchte (bis zu 3 Tagen vor der Untersuchung)
  • Keine Protonenpumpeninhibitoren – Medikamente, die zur Verminderung der Magensäure eingesetzt werden (bis zu 3 Tagen vor der Untersuchung)
  • Keine Säuresekretionshemmer oder Antazida (12 Stunden vor der Untersuchung)

Der Testablauf ist wie folgt: Zuerst wird die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft des Patienten bestimmt. Nun nimmt dieser wahlweise in 100 ml Wasser oder ungesüßten Pfefferminztee 5 g Sorbit zu sich. Anschließend wird ca. drei Stunden lang in 20-minütigen Intervallen erneut die Wasserstoffkonzentration gemessen und protokolliert. Beschwerden im Zusammenhang mit der Sorbitaufnahme werden ebenfalls erfasst. Liegt eine Sorbitintoleranz vor, so steigt die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft über einen definierten Wert an und es treten Symptome auf. Falsch-positive Ergebnisse sind möglich und werden in der Regel bedingt durch:

  • einen Kurzdarm – die physiologische Resorptionsfläche ist verkleinert und zu wenig Sorbit wird aufgenommen, ohne dass eine Unverträglichkeit vorliegt
  • eine bakterielle Fehlbesiedlung (Dysbiose; Störung der Darmflora) – nur bei einer intakten Darmflora können die Testergebnisse korrekt ausgewertet werden
  • eine kurze Dünndarmpassagezeit – hier ist ebenfalls die physiologische Resorption vermindert und es wird mehr Sorbit durch die Bakterien verstoffwechselt

Literatur

  1. Layer P, Rosien U: Praktische Gastroenterologie. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2008
  2. Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. Springer Verlag 2009

     
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