Alpha-1-Antitrypsin

Das Alpha-1-Antitrypsin (α1-AT; AAT; α-1-Antitrypsin; Synonym: Alpha-1-Proteinasen-Inhibitor; im englischen Sprachraum auch Proteasen-Inhibitor genannt) ist ein Akute-Phase-Protein und einer der wichtigsten Proteinasen-Inhibitoren (Hemmung der eiweißabbauenden Wirkstoffe) im Serum. Er wird hauptsächlich in den Hepatozyten (Leberzellen) produziert.
Das
Alpha-1-Antitrypsin hemmt u. a. die Proteinasen (Enzyme, die Proteine/Eiweiß spalten) Trypsin und neutrophile Elastase (NE; Serinprotease). Ein Mangel kann zu verstärkter Proteolyse (Proteinverdauung; "Selbstandauung") führen.

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (Synonyme: Laurell-Eriksson-Syndrom, Proteaseinhibitormangel, AAT-Defizit) ist eine relativ häufige genetisch bedingte (autosomal rezessive) Stoffwechselerkrankung aufgrund eines Polymorphismus (Auftreten mehrerer Genvarianten) des Proteinase-Systems. Ein Mangel an Proteaseinhibitoren zeigt sich an der Lunge in Form einer chronisch obstruktiven Bronchitis mit Lungenemphysem (COPD, progrediente (fortschreitende), nicht vollständig reversible (umkehrbare) Obstruktion (Verengung) der Atemwege) sowie an der Leber als eine chronische Hepatitis (Leberentzündung) mit Übergang zur Leberzirrhose (nicht umkehrbare Schädigung der Leber mit ausgeprägtem Umbau des Lebergewebes).
Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) des homozygoten Alpha-1-Antitrypsin-Mangels wird in der europäischen Bevölkerung auf 0,01-0,02 Prozent geschätzt.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Serum

Lebenslangzeitrisiko nach Genotyp/ Alpha-1-Antitrypsin-Konzentration (% der Norm)

Lebenslangzeitrisiko nach Genotyp
Genotyp  Serumkonzentration Alpha-1-Antitrypsin-Konzentration (% der Norm)
Emphysemrisiko
Leberzirrhoserisiko
PiMM
(normal)
20-48 μMOL
1,50-3,50 g/l (r.i.d.)
1,50-3,00 g/l
100 % (diese Variante liegt bei ca. 93 % der Bevölkerung vor)
normal
normal
PiMS
(Träger, subklinisch)
0,94-2,70 g/l 83 %
normal normal
PiSS
(homozygot, mild)
15-33 μMOL
1,00-2,00 (r.i.d.)
1,00-1,40 g/l
63 %
normal oder leicht erhöht
normal
PiMZ
(Träger, mild bis moderat)
17-33 μMOL
0,90-2,10 g/l (r.i.d.)
0,90-1,50 g/l
61 %
leicht erhöht
normal oder leicht erhöht
PiSZ
(moderat)
8-16 μMOL
0,75-1,20 g/l (r.i.d.)
0,45-0,80 g/l
  erhöht (20-50 %)
erhöht
PiZZ
(homozygot, schwer)
2,5-7 μMOL
0,20-0,45 (r.i.d.)
0,15-0,50 g/l
15 %
sehr hoch (80.100 %)
erhöht (20 %)
PiZO
0,0 μMOL
0,??-0,?? g/l
  sehr hoch (80-100 %?)
erhöht
PiOO
0,00 g/l
0 %
definitiv 100 %
normal

Bei einer ZZ-Mutation des AAT-Gens tritt bei 0,1 % der Patienten die neutrophile Pannikulitis als seltenste klinische Manifestation des AAT-Mangels auf.

Indikationen

  • Lungenemphysem (vor dem 50. Lebensjahr)
  • Akute Hepatitis des Neugeborenen
  • Chronische Virushepatitis

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

  • akut entzündliche Prozesse
  • akute Schübe von chronisch entzündlichen Prozessen
  • Tumoren (insbesondere Bronchialkarzinom/Lungenkrebs)
  • Östrogentherapie
  • Gravidität (Schwangerschaft)

Interpretation erniedrigter Werte

  • Genetisch bedingter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
    • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
      • Gene: SERPINA1
      • SNP: rs17580 im Gen SERPINA1
        • Allel-Konstellation: AT (Träger eines Pi-S Allels)
        • Allel-Konstellation: TT (Träger zweier Pi-S Allele)
      • SNP: rs28929474 im Gen SERPINA1
        • Allel-Konstellation: AG (Träger eines Pi-Z Allels)
        • Allel-Konstellation: AA (Träger zweier Pi-Z Allele)
    • Genetische Erkrankungen
      • Ikterus prolongatus (bereits am ersten Lebenstag vorhandener Ikterus/Gelbsucht) bzw. Hepatitis (Leberentzündung) des Neugeborenen
      • Lungenemphysem (unumkehrbare Überblähung der kleinsten luftgefüllten Strukturen (Lungenbläschen, Alveolen) der Lunge)
      • kindliche chronische Hepatitis oder Leberzirrhose

Weitere Hinweise

  • Bei Leberschädigung: ALT > AST
     
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