Zytostatika
Einleitung

Bei der Zytostatikatherapie handelt es sich um ein therapeutisches Verfahren der Onkologie (Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst), welches primär zur Behandlung von malignen Neoplasien (bösartigen Neubildungen, Krebs) eingesetzt werden kann. Maligne (bösartige) Zellen verfügen neben der Eigenschaft der gesteigerten Proliferation (Wachstum) auch über weitere Charakteristika zum vermehrten Überleben der Tumorzellen. Zu diesen Charakteristika gehören die verminderte Apoptose (Form des programmierten Zelltods), der Verlust tumorsupprimierender Proteine (tumorunterdrückende Eiweiße), die genomische Instabilität (Instabilität des Erbgutes) sowie einer generalisierten Immortalisierung (Unsterblichkeit).

Therapieziel

Durch den Einsatz von Zytostatika (Synonym: Chemotherapeutika) kann eine konstante Fraktion von Tumorzellen (Anteil der Tumorzellen) zerstört werden. Die Funktion der Zytostatika beruht primär auf der Hemmung des Fortschritts der Tumorzellen im Zellzyklus. In Abhängigkeit vom Zytostatikum existieren spezifische vulnerable Phasen (Wirkphasen, in denen die bösartigen Zellen verletzbar sind) im Zellzyklus. Da Tumorzellen über eine im Vergleich zu physiologisch vorkommenden somatischen Zellen (nicht-Tumorzellen) erhöhte Zellteilungsrate verfügen und eine reduzierte Reparaturkapazität haben, sind sie empfindlicher für Zytostatika als gesunde Zellen und werden verhältnismäßig selektiv zerstört beziehungsweise inhibiert (im Wachstum gehemmt). Auf Grund dieses Unterschiedes ist eine Therapie mit in der Regel hochtoxischen Substanzen möglich.

Das primäre Therapieziel richtet sich nach dem vorliegenden Krankheitsbild und dem eingesetzten Zytostatikum. Eine Chemotherapie kann neoadjuvant erfolgen, sodass durch den Einsatz der Zytostatika eine Reduktion der Tumormasse vor einem chirurgischen Eingriff erreicht werden kann. Durch die Chemotherapie wird in diesem Fall ein zunächst nicht oder nur bedingt operabler Tumor einer operativen Therapie zugänglich. Bei der adjuvanten Chemotherapie wird nach vollständiger operativer Entfernung des Tumors eine Metastasierung (Tumorabsiedlung) oder Mikrometastasierung (noch nicht nachweisbare Tumorabsiedlungen) bekämpft, um Heilungschancen, Lebensqualität oder Lebenserwartung zu verbessern.

Zudem gibt es die palliative Chemotherapie, die in den letzten Lebensmonaten die Lebensqualität des Patienten verbessern und die Lebensphase verlängern soll. Eine prospektive Studie konnte nachweisen, dass diese Ziele nicht erreicht werden [2].

Die Dosierung der Zytostatika erfolgt häufig abhängig von der Körperoberfläche des Patienten (mg/m²).

Folgende Wirkstoffgruppen werden bei der Zytostatikatherapie eingesetzt:

  • Alkylanzien
  • Anthracycline
  • Antimetabolite
  • Platinderivate
  • Taxane
  • Topoisomerase-Inhibitoren
  • Vincaalkaloide

Weitere Informationen zu Dosierung und Besonderheiten der Wirkstoffgruppen und Wirkstoffe nachfolgend.

Weitere Hinweise

  • Das Risiko, dass eine Zytostatikatherapie im zweiten oder dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) der Schwangerschaft das Kind schädigt, ist wahrscheinlich gering [1].
  • Eine Chemotherapie kann zu einer milden kognitiven Störung führen, allerdings wohl im Sinne eines "Chemobrain" sondern infolge eines posttraumatischen Stresses (PTS). Einige Patienten zeigten allerdings nach einer Chemotherapie etwas längere Reaktionszeiten in einem computerbasierten Test, bei dem sie klicken mussten, sobald ein Kreuz auf dem Bildschirm erschien. Dieses könnte durch eine periphere Neuropathie der Fingernerven durch bestimmte Zytostatika, entstanden sein und nichts mit kognitiven Funktionen zu tun haben [3].

Literatur

  1. Amant F, van Calsteren K, Halaska MJ, Gziri MM et al.: Long-term cognitive and cardiac outcomes after prenatal exposure to chemotheray in children aged 18 months or older: an observational study. Lancet Oncology 2012 Mar;13(3):256-64. doi: 10.1016/S1470-2045(11)70363-1. Epub 2012 Feb 10.
  2. Prigerson HG et al.: Chemotherapy Use, Performance Status, and Quality of Life at the End of Life. JAMA Oncol. Published online July 23,2015 Sep;1(6):778-84. doi: 10.1001/jamaoncol.2015.2378.
  3. Cognitive dysfunction in cancer patients likely not all due to chemotherapy. J Natl Cancer Inst (2017) 109 (10): djx108. doi: https://doi.org/10.1093/jnci/djx108

     
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