Psychotherapie
Einleitung

Der Begriff Psychotherapie (griech.: Seele heilen) stellt einen Oberbegriff für die Verbindung einer großen Anzahl an theoretisch unterschiedlich begründeten Theorien und Methoden zur Behebung einer Störung sowohl des emotionalen Befinden als auch des Verhaltens dar. Die Methodik zur Überwindung der Störung beruht auf einer verbalen Interaktion zwischen Therapeuten und Patienten. Laut der noch heute geltenden Theorie des Psychotherapeuten Strotzka ist die Psychotherapie ein "interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mittels lehrbarer, auf einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens begründeter kommunikativer Techniken" (1978). Basis einer erfolgreichen Behandlung ist somit eine tragfähige therapeutische Beziehung zwischen dem Patienten und dem behandelnden Therapeuten.

Unter historischen und methodischen Gesichtspunkten ist die Psychotherapie in eine moderne, eine traditionelle Therapie und eine "Behandlung von Wahnsinnigen" aufzuteilen. Schon bei den alten Römern und anderen Hochkulturen des Altertums wurde von psychischen Veränderungen der Menschen gesprochen. Als Konsequenz auf nicht zu erreichende und auch nicht erwünschte Integration der psychisch Erkrankten wurden im 12. Jahrhundert erste Spezialanstalten für Geisteskranke beispielsweise in Kairo und Frankfurt gegründet. Die Behandlung der Menschen in diesen Häusern wird abhängig vom Ort und der Epoche als entweder wohlwollend oder als Qual für den "Irren" beschrieben. Im Mittelalter änderte sich die Meinung über psychisch Kranke in sofern, dass diese Personen als vom Teufel Besessene betrachtet und verfolgt wurden. Auch im 17. und teilweise noch im 18. Jahrhundert ähnelte die Betrachtung der Erkrankten eher Gefangenen in Zuchthäusern als Patienten in Krankenhäusern.

Erst die spätere traditionelle Psychotherapie des 18. Jahrhunderts, die als Konsens aus Medizin und Psychiatrie gedeutet wird, beruht maßgeblich auf den Forschungsergebnissen des Arztes Franz Anton Mesmer (1734-1815), dessen Theorie des magnetischen Animalismus als Gegenmeinung zum damals als Therapie angewandten Exorzismus anzusehen ist. Seiner Meinung nach bedarf es eines Gleichgewichtes von "Körpersäften und Körperenergien", um eine vorhandene emotional bedingte Erkrankung zu behandeln. Obwohl diese Begründung der Behandlung keineswegs naturwissenschaftlich zu rechtfertigen ist, stellen seine Therapiemaßnahmen dennoch den Beginn der traditionellen Psychotherapie dar, da ihn seine Interpretationen des animalischen Magnetismus zur Behandlung von Patienten mit moderner Hypnose bewogen.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Psychotherapie als Resultat des Einflusses Sigmund Freuds und weiterer bedeutender Psychotherapeuten bzw. Psychoanalytiker rasant weiter. Aus dem Oberbegriff der Psychotherapie gingen diverse Subgruppen hervor.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • psychischer Leidensdruck durch das Vorliegen einer "seelischen Erkrankung"
  • bei der Verarbeitung von Trauer als Beratung des Patienten
  • bei der Behandlung von Depressionen
  • zur Therapie von Angststörungen

Das Verfahren

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei dem Begriff der Psychotherapie keineswegs um eine auf eine Theorie bezogene Therapie, sondern um diverse Psychotherapieverfahren:

  • Psychoanalytische Therapie – unter dieser Therapieform versteht man ein Verfahren, welches auf der Aufdeckung unbewusster Konflikte basiert  und sich dabei psychoanalytischer Behandlungsmethoden bedient. Als Beispiel hierfür wäre das psychoanalytische Standardmodell nach Freud zu nennen. Das Prinzip dieser Behandlung ist die langjährige und intensive Betreuung eines Patienten und das Setting (der Patient entspannt sich auf einer Liege während der Therapeut hinter ihm außerhalb des Blickfeldes des Patienten sitzt). Der Patient wird aufgefordert, seine Gedanken dem Analytiker möglichst unkontrolliert mitzuteilen. Als Reaktion auf die vom Patienten freigegebenen Informationen soll der Therapeut eine Selbstdeutung des Gesagten ermöglichen und keinesfalls selbst eine Interpretation des Gehörten durchführen.
  • Verhaltenstherapie – dieses Therapieverfahren besteht aus diversen Unterformen, denen allen gemeinsam ist, dass dadurch die Hilfe zu Selbsthilfe angeregt werden soll. Nach Klärung der Entstehung der Verhaltensmuster ist es die Aufgabe des Therapeuten, dem Patienten Methoden darzustellen, mit denen dieser sein Leiden reduzieren und seine Handlungsfähigkeit erweitern kann. Als Schwerpunkte zur Verhaltensbeeinflussung sind sowohl soziale Interaktionen als auch eine Veränderung des sozialen Umfeldes zu nennen. Aus den genannten Punkten ist das Hauptprinzip der Verhaltenstherapie abzuleiten – die Ausbildung und Förderung selbsterlangter Fähigkeiten zur verbesserten Selbstregulation (Stärkung der Eigenkontrolle). Die Fähigkeit des Menschen, sich nach tiefen Krisen, eigenständig zu erneuern, wird mit dem Begriff Resilienz beschrieben.
    Zur Erkennung der Leiden und Probleme des Patienten wird zu Beginn der Behandlung eine Verhaltensanalyse nach dem SORKC-Modell nach Kanfer durchgeführt, um die Entstehung, Erhaltung und mögliche Konsequenzen der Verhaltensweise zu ergründen. Um im Anschluss an die Analyse in mehreren Sitzungen die Therapieziele zu erreichen, wird eine Behandlungsform gewählt. Einerseits besteht die Möglichkeit, das Behandlungsziel mittels Konfrontation mit dem therapiebedürftigen Problem zu erreichen, andererseits ist auch eine Durchführung eines operanten Verfahren (Verfahren, dessen Prinzip auf der Verwendung von Belohnung und Bestrafung beruht) oder eines kognitiven Verfahrens (Interpretation und Transformation gemachter Erfahrungen) in Erwägung zu ziehen.
  • Klienten zentrierte Gesprächspsychotherapie –  ein von Rogers (1902-1987) entwickeltes Modell zur Motivation des Patienten zur Selbstexploration (Entdeckung der eigenen Person) mittels Verbalisierung von Gefühlen. Aufgabe des Therapeuten ist das Anbieten von Unterstützung und die Akzeptanz der Probleme des Patienten. Laut Rogers ist der Mensch in der Lage, sich durch diese Hilfestellung selbst Lösungen zu erarbeiten. Die Funktion des behandelnden Therapeuten ist in der Ausübung eines mitfühlenden Verhaltens zu sehen.
  • Humanistisches Psychotherapieverfahren – ein Verfahren wie beispielsweise die zu dieser Form der Therapie gerechnete Gestalttherapie beruht auf dem Prinzip, dass der Patient Ängste und Konfrontationspunkte anstatt sie zu verbalisieren mittels körperlichem Ausdruck mitteilt.
  • Körpertherapie – ähnlich der Gestalttherapie soll hier eine Konfrontation vor allem durch das Ausnutzen körperlicher Erfahrungen entschärft werden. Ein Beispiel hierfür wäre das Bioenergetikverfahren nach Lowen.
  • Entspannungsverfahren – als bekannteste und wichtigste Vertreter sind hier das autogene Training (Training des Unterbewusstseins), die progressive Muskelentspannung und die Hypnose zu nennen. Allen gemeinsam ist das Ziel der Ermöglichung einer Zustandsverbesserung mit Hilfe der Entspannung.
  • Systemische Therapie – es handelt sich um eine Sammlung von Verfahren, die eine seelische Belastung als Störung des Systems (als Beispiele Familie oder Beruf) ansehen. Auf Grund dessen wird die Interaktion im System verbessert und so eine Besserung des Zustandes des Patienten erreicht.

Literatur

  1. Steinhausen H: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen: Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Elsevier Verlag 2006
  2. Machleidt W: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Georg Thieme Verlag 2004
  3. Revenstorf D: Hypnose in der Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis. Springer Verlag 2000
  4. Wirsching M: Psychotherapie: Grundlagen und Methoden. C.H. Beck Verlag 2008
  5. Rüger U: Kommentar Psychotherapie-Richtlinien. Urban & Fischer Verlag 2008
     
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