Rotlichttherapie – Ultrarotlichttherapie

Die Rotlichttherapie und die Ultrarotlichttherapie gehören zu den therapeutischen Verfahren der Lichttherapie. Beide Methoden entfalten ihre therapeutische Wirkung durch Wärme, die sich durch die Strahlung im Gewebe entwickelt. Aus diesem Grund zählen die Rotlichttherapie und die Ultrarotlichttherapie auch zum Teilgebiet der Wärmetherapie. Je nach Indikation wird das Licht auf die zu behandelnde Körperoberfläche appliziert. Die Verfahren werden wie folgt definiert:

  • Rotlichttherapie – therapeutischer Einsatz der längerwelligen Rotanteile des natürlichen, sichtbaren Lichts.
  • Ultrarotlichttherapie – therapeutischer Einsatz der nicht mehr sichtbaren, sich dem Rot anschließenden niederenergetischen Wärmestrahlung (Behandlung mit Infrarotlicht).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Arthralgie (Gelenkschmerzen)
  • Arthrosen (Gelenkverschleiß)
  • Periathropathia humeroscapularis – Oberbegriff für verschiedene degenerative Prozesse im Bereich der Rotatorenmanschette (Muskelgruppe, die für die Stabilität des Schultergelenks sehr wichtig ist), der Gelenkkapsel oder der Bizepssehne am Schultergelenk.
  • Entzündlichen Affektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (HNO) – z. B. eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Fibrositis-Syndrom – Oberbegriff für die – zum Teil als „Weichteilrheumatismus“ bezeichneten – schmerzhaften Zustände bzw. krankhaften Vorgänge in den Muskeln (Myositis) und bindegewebsreichen Strukturen der Skelettweichteile (Bursitis, Fasziitis, Periostitis, Periarthritis, Tendinitis, Tendovaginitis), Nervenscheiden (Neuritis) etc.
  • Fibromyalgie-Syndrom – weit verbreitetes Syndrom, welches zu Schmerzen im gesamten Muskel- und Skelett-System führt und zusätzlich noch durch Steifigkeit, Empfindungsstörungen, Schlafstörungen und chronische Erschöpfung gekennzeichnet ist
  • Hautaffektionen
  • Myalgie – diffuser oder lokalisierter Muskelschmerz, der z. B. als Muskelkater oder in Kombination mit einer Verspannung auftritt
  • Myogelosen – knotenartige oder wulstförmige, klar umschriebene Verhärtungen in der Muskulatur (umgangssprachlich auch als Hartspann bezeichnet)
  • Myotendopathien – schmerzhafte Erkrankung der Muskelansatzsehnen
  • Neuritiden (Nervenentzündung)
  • Rheumatische Gelenkaffektionen – auftreten außerhalb eines entzündlichen Schubes
  • Schmerzhafte Wirbelsäulenaffektionen – z. B. bei degenerativen Veränderungen oder in Form eines Wurzelreizsyndroms (Reizung einer Nervenwurzel z. B. durch mechanische Kompression)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Akute rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Entgleister Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  • Infektarthritiden
  • Nebenniereninsuffizienz (Nebennierenschwäche)
  • Schwere Erkrankungen des Herzkreislaufsystems (z. B. Herzinfarkt)

Das Verfahren

Die Rotlichttherapie wird mithilfe industriell angefertigter Glühlichtquellen mit vorgeschaltetem Rotfilter durchgeführt. Das ausgestrahlte Licht hat eine Wellenlänge von etwa einem μm und dringt im Vergleich zum natürlichen weißen Licht tiefer in das Gewebe ein, ohne die Hautoberfläche durch Wärme zu schädigen. Das Infrarotlicht, das bei der Ultrarotlichttherapie eingesetzt wird, wird ähnlich wie das UV-Licht in drei Bereiche unterteilt: IR-A, IR-B und IR-C. Die Lampenstrahler, die für die Therapie benutzt werden, filtern die IR-B-Strahlung und die IR-C-Strahlung ab, um die tiefer eindringende IR-A-Strahlung besser zu nutzen. Diese speziellen Strahler senden Infrarotlicht mit einer Wellenlänge von 780 nm.

Ein weiteres Verfahren verwendet wassergefiltertes Infrarotlicht A (wIRA): Hierbei handelt es sich um eine spezielle Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) im Bereich von 780-1.400 nm (Nanometer). Diese Strahlung entsteht natürlicherweise durch die Filterwirkung von Wasser und Wasserdampf in der Erdatmosphäre auf die Infrarotstrahlung der Sonne und zeichnet sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus. Im Vergleich zu anderer Infrarotstrahlung entfällt die thermische Wirkung auf die obersten Hautschichten, sodass eine vielfältige Anwendbarkeit möglich ist.
Wassergefiltertes Infrarot A hat drei Hauptwirkungen auf das Gewebe: Es steigert wesentlich die Temperatur, die Versorgung mit Sauerstoff und die Durchblutung. Die Bestrahlung mit wIRA hemmt Entzündungen und eine vermehrte Flüssigkeitsabgabe, lindert Schmerzen und fördert die Regeneration [2].

Im Gewebe bewirkt das Licht eine langsame, stetige Temperaturerhöhung, die zuerst in den oberflächlichen Hautschichten und später durch Wärmerückstau auch in den tieferen Gewebeschichten auftritt. Letztlich kommt es durch den Wärmetransport zu einer lokalen Erwärmung des geringer temperierten Fett-, Sehnen- und Muskelgewebes. Dieser Prozess hat folgende Effekte:

  • Steigerung lokaler metabolischer Prozesse – die Stoffwechselaktivität wird erhöht
  • Verbesserung der lokalen Durchblutung – durch Vasodilatation (Gefäßerweiterungen) erhöht sich die Durchblutung
  • Detonisierung der Muskulatur – die Muskelspannung reduziert sich
  • Herabsetzung der Synovialviskosität – die Gelenkflüssigkeit verliert an Zähigkeit

Die Anwendung beider Therapien erfolgt mehrfach in Einzelsitzungen, die jeweils 10-15 Minuten andauern. Die Anwendungsgebiete der Rotlichttherapie und der Ultrarotlichttherapie sind identisch. Die Therapie kann je nach Verfügbarkeit und Verträglichkeit ausgewählt werden.

Ihr Nutzen

Die Rotlichttherapie bzw. die Ultrarotlichttherapie sind bewährte Verfahren, die vor allem zur therapeutischen Behandlung von Entzündungen im Bereich des Bewegungsapparates einen wertvollen Beitrag liefern. Es handelt sich um wohltuende Therapieformen, die auch für die Heimnutzung geeignet sind.

Literatur

  1. Heisel J: Physikalische Medizin: Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane. Georg Thieme Verlag 2005
  2. Hoffmann G: Klinische Anwendungen von wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) – eine Übersicht. Phys Med Rehabilitationsmed Kurortmed. 2017;27:265-274. doi: 10.1055/s-0043-113047 

     
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