Nadelfreie Injektion

Bei der nadelfreien Injektion (Synonyme: Spritze ohne Nadel, Jet-Injektion, Injex®-Methode; engl.: jet injection) handelt es sich um ein Injektionssystem in der Größe eines Kugelschreibers, mit welchem das Anästhetikum zur örtlichen Betäubung nicht mit einer Injektionsnadel, sondern durch Aufbau von kurzzeitig hohem Druck unter die Mukosa (Mundschleimhaut) appliziert wird. Die Spritzenphobie (Angst vor der Spritze) ist in der Zahnmedizin ein weit verbreitetes Problem. Sie kann eine erhebliche Einschränkung der Behandlungsfähigkeit eines Patienten nach sich ziehen: aus Angst vor dem Einstich verzichten Kinder wie auch erwachsene Patienten auf die Anästhesie (Betäubung). Die Therapie muss dadurch ggf. häufiger unterbrochen oder sogar abgebrochen werden, es werden nur die allernötigsten Behandlungsmaßnahmen durchgeführt. Sogar durch unterlassene Zahnarztbesuche und Behandlungen entstandene Folgeerkrankungen werden vom Patienten hingenommen. Das Injex®-System der Firma Rösch AG Medizintechnik entstammt der Insulintherapie (Behandlung der Zuckerkrankheit) und wurde auf den zahnmedizinischen Bereich übertragen. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Das Verfahren hat seinen entscheidenden Einsatzbereich bei Angstpatienten jeden Alters, deren Angst vor der zahnärztlichen Behandlung auf die herkömmliche Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) mit Kanüle (Spritze) fixiert ist. Hier können psychische Hemmungen abgebaut und der Patient in etlichen Fällen einer schmerzarmen Behandlung zugeführt werden. Die Indikation ist dabei allerdings auf die Behandlung des Oberkiefers und im Unterkiefer auf den Schneidezahnbereich beschränkt, da die Wirktiefe für den Seitenzahnbereich des Unterkiefers nicht ausreicht.

Vor dem Verfahren


Vor der Durchführung des Verfahrens ist der Patient über die verschiedenen Möglichkeiten der Lokalanästhesie mit ihren Vor- und Nachteilen zu informieren. Insbesondere sollte er auf den kurzfristigen Druck während der Applikation vorbereitet sein, der ihn andernfalls verunsichern würde, wodurch sich die Behandlung wiederum erschwert gestalten könnte.

Das Verfahren

In dem kugelschreibergroßen Injektor des Systems ist eine Sprungfeder integriert. Durch kurzen Druck auf einen Auslöser wird, mechanisch getrieben durch Federkraft, das Arzneimittel im Bruchteil einer Sekunde aus einer haarfeinen Mikroöffnung freigesetzt. Ist der Injektor korrekt positioniert, also mit ausreichend Anpressdruck im rechten Winkel auf der zu anästhesierenden Fläche aufgesetzt, tritt das Arzneimittel direkt durch die Mukosa (Schleimhaut) in das darunter liegende Gewebe über. Die Anästhesiewirkung tritt bei der nadelfreien Injektion schneller ein als bei einer herkömmlichen Infiltrationsanästhesie bei der das Lokalästhetikum direkt im Operationsgebiet in das Gewebe injiziert wird). Die Gewebeschädigung am Applikationsort ist nicht größer als bei dem Einstich einer Kanüle, vielmehr ist der druckbetriebene Flüssigkeitsstrahl noch dünner als eine feine Injektionskanüle.

Vorteile:

  • nadelfreies Verfahren
  • dadurch wird einer an den Einstich gebundenen Spritzenphobie die Basis entzogen: Angstabbau
  • schnellerer Wirkungseintritt
  • alle handelsüblichen Anästhetika können im Injektor des Systems verwendet werden
  • kugelschreiberähnliches Aussehen, auch dadurch Reduzierung der Spritzenangst
  • hautschonend, weil der durch eine Mikroöffnung abgegebene Arzneimittelstrahl noch dünner ist als eine Injektionsnadel (0,18 mm im Vergleich zu mindestens 0,25 mm)
  • gewebeschonend: Druck und Geschwindigkeit sind so eingestellt, dass das Anästhetikum ins submuköse Fettgewebe (unter der Schleimhaut) appliziert wird, ohne an Gefäßen, Nervenfasern und Muskeln Schäden zu verursachen
  • sicher in der Anwendung, da keine Verletzungsgefahr besteht, wenn ein Patient Abwehrbewegungen macht, wie es bei einer herkömmlichen Anästhesie durchaus einmal der Fall sein kann
  • sicherer auch für das zahnmedizinische Personal, da die Zahl der Nadelstichverletzungen und die daraus resultierende Infektionsgefahr reduziert werden
  • Anwendung ist fast schmerzfrei, auch wenn sich ein kurzfristiges Druckgefühl nicht vermeiden lässt
  • geringes Injektionsvolumen, dadurch Gefahr von Nebenwirkungen geringer

Nachteile:

  • geringes Injektionsvolumen (maximal 0,5 ml), wodurch nicht in jedem Fall eine ausreichende Anästhesietiefe erreicht werden kann
  • das Verfahren ist nur als Ersatz für die dentale Infiltrationsanästhesie in Erwägung zu ziehen. Eine Leitungsanästhesie beispielsweise für die Seitenzähne des Unterkiefers kann sie nicht ersetzen, da der in diesem Bereich sehr massive Unterkieferknochen nicht durchdrungen werden kann.

Nach dem Verfahren

Das Injex®-System ist wieder verwendbar. Die Aktivierung der Feder erfolgt mittels einer Reset-Box. Um hygienisch einwandfrei arbeiten zu können, werden zur Wiederauffüllung des Systems mit Anästhetikum sterile Einmalartikel verwendet.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen treten auf Grund der Sicherheit des Verfahrens nur selten auf. Abgesehen von der Möglichkeit  einer Arzneimittelunverträglichkeit, die die nadelfreie Injektion mit allen anderen Verfahren der Lokalanästhesie gemein hat, können folgende Komplikationen beobachtet werden:

  • Hämatom (Bluterguss) im Applikationsbereich z. B. durch Verkanten des Aufpresswinkels
  • auf Grund des geringen Injektionsvolumens kann nicht immer ausreichende Schmerzhemmung erzielt werden
  • Wet Shot: bei Aufsetzen des Injektors auf die Injektionsstelle mit zu geringem Anpressdruck oder im falschen Winkel wird nicht die vollständige Dosis des Anästhetikums verabreicht, das Risiko von Hamätomen und Blutungen ist erhöht

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Allergie gegen das Anästhetikum oder einen der Zusatzstoffe.

Literatur

  1. Kinder- und Jugendzahnheilkunde. Kompendium für Studierende und Zahnärzte; Staehle, H. J.; Koch, M. J.; Deutscher Ärzte-Verlag 1996
  2. Herstellerinformationen der Firma Rösch AG Medizintechnik
     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
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