Stellatumblockade

Die Stellatumblockade bezeichnet eine gezielte Anästhesie des sogenannten Ganglion stellatum, das auch als Ganglion cervicothoracicum bezeichnet wird. Als Ganglion wird eine Ansammlung von Nervenzellkörpern bezeichnet. Das Ganglion stellatum befindet sich auf Höhe des 6. Halswirbelkörpers und ist ventral (vorne) der Querfortsätze des 6. bzw. 7. Halswirbelkörpers gelegen. Das Verfahren gehört zu den Nervenblockaden und dient der Unterbrechung schmerzleitender Impulse. Die Stellatumblockade hat eine zeitlich begrenzte Ausschaltung des Halssympathikus zur Folge. Neben der schmerzlindernden Wirkung kommt es zu einer Vasodilatation (Gefäßerweiterung) und einer Anhidrosis (verminderte Schweißsekretion) im betroffenen Gebiet. Die Stellatumblockade wird in der Regel mit Lokalanästhetika durchgeführt. Wird das Opiat Buprenorphin zusätzlich verabreicht, so spricht man von der Stellatum-GLOA (ganglionäre lokale Opioidapplikation).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Chronische Neuralgien des 3. Trigeminusastes
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (engl. Complex regional pain syndrome (CRPS); Synonyme: Algoneurodystrophie, Morbus Sudeck, Sudeck-Dystrophie, Sudeck-Leriche-Syndrom, sympathische Reflexdystrophie (SRD)) – neurologisch-orthopädisches Krankheitsbild, dem eine Entzündungsreaktion nach Verletzung einer Extremität zugrunde liegt und bei dem zudem die zentrale Schmerzverarbeitung in das Geschehen involviert ist; stellt eine Symptomatik dar, bei der es nach dem Eingriff zu starken Durchblutungsstörungen, Ödemen (Flüssigkeitseinlagerungen) und Funktionseinschränkungen sowie zur Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen oder Schmerzreizen kommt; Auftreten bei bis zu fünf Prozent der Patienten nach distalen Radiusfrakturen, aber auch nach Frakturen oder Bagatelltraumen der unteren Extremität; frühfunktionelle Behandlung (Physio- und Ergotherapie), mit Medikamenten gegen neuropathische Schmerzen ("Nervenschmerzen) und mit topischen ("örtlichen") Therapien führen langfristig zu besseren Ergebnissen.
  • Lokales Zervikalsyndrom mit starken Beschwerden
  • Migräne
  • Periphere Neuralgien nach Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Wurzelreizsyndrome der Halswirbelsäule (Segment C5-C8)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • AV-Block – Erregungsleitungsstörung des Herzens, die zu einer Verlangsamung des Herzschlags führt.
  • Bestehende Recurrens- oder Phrenicusparese auf der Gegenseite
  • Gerinnungsstörungen – z. B. bei der Einnahme von Antikoagulantien (Gerinnungshemmer)
  • Ventilationsstörung (Belüftungsstörung) der kontralateralen (gegenüberliegenden) Lunge – z. B. bei Pneumothorax oder einseitiger Resektion (Entfernung) des Lungenflügels

Vor der Stellatumblockade

Vor der Stellatumblockade muss ein ausführliches Anamnesegespräch erfolgen und der Patient muss über mögliche Komplikationen aufgeklärt werden. Eine röntgenologische Untersuchung der Wirbelsäule stellt neben der gründlichen klinischen Inspektion die Planung der Operation sicher. Thrombozytenaggregationshemmer (verhindern die Aggregation von Blutplättchen (Thrombozyten); blutverdünnende Medikamente) sollten ca. 5 Tage vor der Operation abgesetzt werden. Dies muss mithilfe einer Blutuntersuchung kontrolliert werden. Unter Erwartung von möglichen Komplikationen sollte ein venöser Zugang vorhanden sein.

Das Verfahren

Die Stellatumblockade stellt einen sehr komplikationsreichen Eingriff dar. Aufgrund der Gefahr einer lebensgefährlichen Stimmband- oder Atemlähmung (Recurrens- und Phrenicusparese), wird die Stellatumblockade ausschließlich einseitig durchgeführt. Injiziert werden 5 ml eines Lokalanästhetikums (z. B. 0,25 % Bupivacain) für eine Blockade im Bereich des Kopfes. Um einen Effekt im Bereich des Armes zu erreichen müssen bis zu 15 ml injiziert werden.

Die Injektion findet unter sterilen Bedingungen statt. Für die Durchführung der Stellatumblockade wird am häufigsten der "ventrale Zugang nach Herget" verwendet. Der Patient befindet sich in sitzender Position, während der Kopf in Mittelstellung leicht nach dorsal (hinten) gestreckt ist. 3 cm lateral (seitlich) und 3 cm kranial (kopfwärts) der Fossa jugularis (Drosselrinne), sowie 2 cm lateral des Ringknorpels (Teil des Kehlkopfes) befindet sich die Einstichstelle. Dabei tastet der Anästhesist den M. sternocleidomastiodeus (Muskel; Kopfwender) und die A. carotis interna (Halschlagader) und drängt diese zur Seite. Nun ertastet er den Querfortsatz des 6. Halswirbels und schiebt die Kanüle vor, bis Kontakt zum Knochen besteht. Anschließend wird die Kanüle leicht zurückgezogen und aspiriert (über die Kanüle wird ein Sog ausgeübt, um zu prüfen ob diese in einem Gefäß liegt, ist dies der Fall darf auf keinen Fall injiziert werden), dann folgt die Injektion.

Nach der Stellatumblockade

Nach der Stellatumblockade ist eine engmaschige Kontrolle des Patienten notwendig. Die Beobachtung des Herzkreislaufsystems des Patienten steht im Mittelpunkt. Weiterhin muss der neurologische Status des Patienten ebenfalls streng überwacht werden, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu entdecken.

Mögliche Komplikationen

Nebenerscheinungen

  • Horner-Syndrom – Enophthalmus (innenliegende Augen), Miosis (enge Pupillen), einseitige Ptosis (herabhängendes Augenlid)
  • Einseitige Rötung der Gesichtshaut mit verstärkter Durchblutung und erhöhter Hauttemperatur
  • Einseitige Anhidrosis (Schweißproduktion ist blockiert) – an der oberen Extremität und im Gesicht (trockene und warme Haut)
  • Konjunktivale Injektion (Augenrötung durch sichtbare Blutgefäße in der Bindehaut)
  • Phrenicusparese – Zwerchfelllähmung mit Atem- und Hustenstörungen
  • Rekurrensparese – Lähmung des N. recurrens, die zur einseitigen Stimmbandlähmung mit Heiserkeit und Schluckstörungen führen kann
  • Schwellung der Nasenschleimhäute
  • Verstärkter Tränenfluss am Auge

Ernsthafte Komplikationen

  • Intravasale Applikation (versehentlich Injektion in Gefäße mit systemischen Nebenwirkungen) – besonders gefährdet sind die A. carotis (Halsschlagader) sowie die A. vertebralis.
  • hohe Periduralanästhesie – Periduralanästhesie im Bereich der Halswirbelsäule
  • Paravertebrales Hämatom – Bluterguss im Bereich des Wirbelkörpers
  • Plexus-Blockade – z. B. Blockade des Plexus brachialis (Armnervengeflecht)
  • Pneumothorax – Punktion der Pleura (Lungenfell) mit Lufteintritt in den Pleuraspalt. Dies kann zum Zusammenfallen der Lunge führen.
  • Perforation der Trachea (Luftröhre)
  • Perforation des Ösophagus (Speiseröhre)
  • Spinalanästhesie
  • Zerebraler Krampfanfall

Literatur

  1. Heisel J, Jerosch J: Schmerztherapie der Halte- und Bewegungsorgane: Allgemeine und spezielle Schmerztherapie. Springer Verlag 2006
  2. Schulte am Esch J et al.: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. Duale Reihe Thieme Verlag 2011

     
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