Therapeutische Diäten und krankheitsbezogene Ernährung

Therapeutische Diäten und krankheitsbezogene Ernährung umfassen strukturierte, indikationsspezifische Ernährungskonzepte, die gezielt zur Prävention, Behandlung und Begleittherapie definierter Erkrankungen eingesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen nicht allgemeine Ernährungsempfehlungen, sondern medizinisch begründete diätetische Interventionen, die auf pathophysiologische Mechanismen, Organfunktionen und krankheitsspezifische Stoffwechselveränderungen abgestimmt sind.

Aus ernährungsmedizinischer Sicht stellen therapeutische Diäten eine zentrale Säule der evidenzbasierten Medizin dar. Sie können Krankheitsverläufe günstig beeinflussen, Symptome lindern, Komplikationen reduzieren und die Wirksamkeit medikamentöser oder interventioneller Therapien unterstützen. Die Auswahl und Umsetzung krankheitsbezogener Ernährungskonzepte erfordert jedoch eine differenzierte Bewertung hinsichtlich Evidenzlage, individueller Belastbarkeit, Komorbiditäten und langfristiger Alltagstauglichkeit.

Augenärztliche Erkrankungen

Bei augenärztlichen Erkrankungen zielt die Ernährungstherapie primär auf den Schutz retinaler und vaskulärer Strukturen, die Modulation oxidativer und entzündlicher Prozesse sowie die Unterstützung metabolischer Einflussfaktoren ab, die für Progression und Funktionserhalt des visuellen Systems von Bedeutung sind.

Dermatologische Erkrankungen

Zu den therapeutischen Ernährungskonzepten bei dermatologischen Erkrankungen zählen insbesondere folgende Ansätze:

  • Ernährungstherapie bei Akne vulgaris – glykämielast- und insulinmodulierende Ernährungsstrategien zur Reduktion androgenvermittelter Talgdrüsenaktivität sowie entzündlicher Hautreaktionen
  • Ernährungstherapie bei Rosazea – individuell angepasste, triggerarme Ernährung zur Reduktion vaskulärer Reaktivität, neuroinflammatorischer Mechanismen und entzündlicher Hautschübe
  • Ernährungstherapie bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis) – entzündungsmodulierende und barriereunterstützende Ernährungskonzepte unter Berücksichtigung immunologischer Trigger, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Mikronährstoffstatus

Endokrinologische Erkrankungen

Bei endokrinologischen Erkrankungen zielt die Ernährungstherapie primär auf die Stabilisierung hormoneller Regelkreise, die Optimierung des Stoffwechsels sowie die Reduktion entzündlicher Begleitprozesse ab.

  • Indikationsspezifische diätetische Strategien bei PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom) – evidenzbasierte Ernährungsstrategien zur Verbesserung der Insulinsensitivität, Gewichtsregulation und Reduktion hyperandrogener Stoffwechselkonstellationen
  • Ernährungstherapie bei Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) – entzündungsmodulierende Kostmuster und optimierte Mikronährstoffversorgung unter Berücksichtigung einer angemessenen Jodzufuhr
  • Ernährungstherapie bei Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion; inkl. subklinischer Hypothyreose) – energieadaptierte Ernährung zur Gewichtsstabilisierung sowie Beachtung ernährungsbedingter Einflussfaktoren auf die Resorption und Wirksamkeit der Schilddrüsenhormonsubstitution
  • Ernährungstherapie bei Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion; inkl. Morbus Basedow) – energie- und proteinadaptierte Ernährung zur Prävention von Gewichtsverlust und Muskelabbau sowie Unterstützung des Knochenstoffwechsels durch adäquate Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr
  • Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus (insbesondere Typ-2-Diabetes) – strukturierte, evidenzbasierte Ernährung zur Optimierung der glykämischen Kontrolle, Reduktion der Insulinresistenz, Gewichtsnormalisierung sowie Prävention mikro- und makrovaskulärer Folgeerkrankungen
  • Ernährungstherapie bei Gestationsdiabetes (GDM) – indikationsspezifische Ernährungstherapie als Erstlinientherapie zur Stabilisierung der mütterlichen Glukosewerte und zur Reduktion maternaler und fetaler Komplikationen

Entzündliche und immunvermittelte Systemerkrankungen

Ernährungskonzepte bei entzündlichen und immunvermittelten Erkrankungen verfolgen das Ziel, proinflammatorische Signalwege zu modulieren und immunologische Fehlregulationen günstig zu beeinflussen.

  • Ernährungstherapie bei rheumatoider Arthritis – entzündungsmodulierende Ernährungskonzepte zur Reduktion proinflammatorischer Zytokinsignale, Unterstützung der Gelenkfunktion und Ergänzung der medikamentösen Basistherapie
  • Ernährungstherapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) – diätetische Konzepte zur Reduktion mukosaler Entzündung, Unterstützung der Darmbarriere und Vermeidung immunvermittelter Trigger

Gastroenterologische Störungen

Im gastroenterologischen Bereich kommen spezifische Eliminations- und Anpassungsdiäten zum Einsatz, die sowohl funktionelle als auch organische Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts adressieren.

  • FODMAP-arme Ernährung – Ernährungstherapie beim Reizdarmsyndrom zur Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate
  • Ernährungstherapie beim Reizdarmsyndrom – symptomorientierte Eliminations- und Anpassungsdiäten bei funktionellen gastrointestinalen Beschwerden
  • Glutenfreie Ernährung bei Zöliakie – lebenslange Eliminationsdiät zur Vermeidung immunvermittelter Dünndarmschäden
  • Ernährungstherapie bei Laktoseintoleranz – individuell angepasste laktosereduzierte Ernährung unter Sicherstellung der Nährstoffadäquanz
  • Ernährungstherapie bei Fruktosemalabsorption – strukturierte Reduktion fruktosereicher Lebensmittel zur Symptomkontrolle
  • Sorbitarme Ernährung – diätetische Intervention bei Sorbitmalabsorption zur Reduktion osmotischer gastrointestinaler Symptome

Geriatrische Indikationen

In der Geriatrie steht die Ernährungstherapie im Zeichen des Funktionserhalts, der Prävention altersassoziierter Syndrome und der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Nährstoffzufuhr.

  • Ernährungstherapie bei Sarkopenie – protein- und energieadaptierte Ernährung zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Muskelmasse, Muskelkraft und funktioneller Leistungsfähigkeit
  • Ernährungstherapie bei Frailty-Syndrom – bedarfsadaptierte, nährstoffdichte Ernährung zur Prävention funktioneller Einschränkungen, Stürze und Pflegebedürftigkeit
  • Ernährungstherapie bei altersassoziierter Mangelernährung – strukturierte Ernährungsinterventionen zur Sicherstellung einer ausreichenden Energie-, Protein- und Mikronährstoffzufuhr
  • Ernährungstherapie bei Dysphagie (Schluckbeschwerden) – texturadaptierte Kostformen zur sicheren Nahrungsaufnahme, Aspirationsprävention und Aufrechterhaltung der oralen Ernährung
  • Ernährungstherapie bei geriatrischer Multimorbidität – individuell angepasste Ernährungskonzepte unter Berücksichtigung funktioneller Einschränkungen, Polypharmazie und eingeschränkter Nahrungsaufnahme

Immunologische Erkrankungen und Immundefekte

Bei immunologischen Erkrankungen und Immundefekten zielt die Ernährungstherapie primär auf die Unterstützung der angeborenen und adaptiven Immunantwort, die Sicherstellung einer adäquaten Energie- und Nährstoffversorgung sowie die Reduktion infektassoziierter Komplikationen ab. Eine bedarfsgerechte Ernährung ist dabei ein zentraler Faktor zur Stabilisierung der Immunfunktion und zur Prävention sekundärer Folgeschäden.

  • Ernährungstherapie bei primären Immundefekten – individuell angepasste, nährstoffoptimierte Ernährungskonzepte zur Unterstützung der Immunzellfunktion, Reduktion infektiöser Komplikationen und Prävention ernährungsassoziierter Mangelzustände
  • Ernährungstherapie bei sekundären Immundefekten (z. B. altersassoziiert, krankheits- oder therapiebedingt) – bedarfsadaptierte Ernährungskonzepte zur Stabilisierung der Immunabwehr, Unterstützung der epithelialen und mukosalen Barrierefunktionen sowie Reduktion infektassoziierter Morbidität
  • Ernährungstherapie bei immunologischer Schwäche und erhöhter Infektanfälligkeit – evidenzbasierte Ernährung zur Sicherstellung einer adäquaten Energie-, Protein- und Mikronährstoffzufuhr unter Berücksichtigung inflammatorischer, metabolischer und funktioneller Einflussfaktoren

Kardiologische Erkrankungen

Bei kardiologischen Erkrankungen ist die Ernährung ein zentraler Bestandteil der evidenzbasierten Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse.

  • DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) – evidenzbasierte, blutdrucksenkende Ernährung zur Behandlung und Prävention der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Ernährung bei koronarer Herzkrankheit (KHK; Herzkranzgefäßerkrankung) – antiatherogene, fett- und salzmodifizierte Ernährung zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse und zur Unterstützung der medikamentösen Sekundärprävention
  • Ernährung bei Herzinsuffizienz – natrium- und volumenadaptierte Ernährung zur Entlastung des kardialen Kreislaufsystems, Prävention kardialer Kachexie und Stabilisierung des Ernährungsstatus
  • Ernährungstherapie bei Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) – gezielte Modifikation der Fettqualität und Ballaststoffzufuhr zur Senkung von LDL-Cholesterin und Reduktion des atherosklerotischen Risikos
  • Ernährungstherapie bei metabolischem Syndrom – strukturierte Ernährungsintervention zur Reduktion kardiometabolischer Risikofaktoren, Verbesserung der Insulinsensitivität und Prävention kardiovaskulärer Folgeerkrankungen
  • Glyco-Mediterrane Pescovegetarische Präventionsdiät (GMPP-Ernährungsweise) – kardiologisch orientierte, überwiegend pflanzenbetonte Mischkost mit pescovegetarischer Ausrichtung. Sie vereint Elemente der mediterranen und DASH-Ernährung mit Fokus auf hochwertige Kohlenhydrate, ungesättigte Fettsäuren und regelmäßigen Fischverzehr und dient als langfristige Ernährungsstrategie zur Prävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen.
  • Portfolio-Diät – pflanzenbasierte Ernährungsform mit gezielter Kombination cholesterinsenkender Lebensmittel zur Reduktion des LDL-Cholesterins

Muskuloskelettale und knochenstoffwechselbezogene Erkrankungen

Ernährungstherapeutische Konzepte in diesem Bereich zielen auf den Erhalt von Knochen- und Muskelfunktion sowie die Reduktion des Frakturrisikos ab.

  • Ernährungstherapie bei Osteoporose – evidenzbasierte Ernährungskonzepte zur Unterstützung der Knochenmineralisation, Frakturprävention und langfristigen Knochengesundheit
  • Ernährung bei erhöhtem Frakturrisiko – diätetische Interventionen zur Stabilisierung von Knochen- und Muskelfunktion bei Sturzgefährdung, Immobilisation und medikamentöser Risikokonstellation
  • Ernährungstherapie bei Arthrose – gewichts- und entzündungsmodulierende Ernährung zur Reduktion mechanischer Gelenkbelastung und symptomatischer Progression
  • Ernährungstherapie bei chronischen Rückenschmerzen degenerativer Genese – ernährungsmedizinische Unterstützung bei muskuloskelettaler Degeneration, Adipositas und funktioneller Einschränkung
  • Ernährungstherapie bei Tendinopathien (Tendinosen) – adjuvante, evidenzbasierte Ernährungsstrategien zur Unterstützung des Kollagenstoffwechsels, Reduktion oxidativen Stresses und Optimierung der Regeneration in Kombination mit mechanischer Therapie
  • Ernährungstherapie bei Vitamin-D-Mangel-assoziierten Knochenerkrankungen – diätetische und nutritive Strategien zur Unterstützung der Knochen- und Muskelfunktion

Nephrologische/urologische Erkrankungen

Bei nephrologischen und urologischen Erkrankungen ist die Ernährungstherapie ein wesentlicher Bestandteil der Progressionshemmung, der Prävention metabolischer und elektrolytischer Komplikationen sowie der Reduktion krankheitsassoziierter Folgeerkrankungen.

  • Ernährungstherapie bei chronischer Nierenerkrankung (CKD) – stadienadaptierte Anpassung von Eiweiß-, Natrium-, Kalium- und Phosphatzufuhr zur Progressionshemmung und Prävention renaler Komplikationen
  • Ernährungstherapie bei diabetischer Nephropathie (Nierenerkrankung infolge des Diabetes mellitus) – optimierte Stoffwechselkontrolle durch kohlenhydrat- und proteinadaptierte Ernährung zur Verzögerung des Funktionsverlustes der Niere
  • Ernährungstherapie bei hypertensiver Nephropathie (Nierenerkrankung in Folge des Bluthochdrucks) – natriumreduzierte, blutdruckmodulierende Ernährung zur Reduktion glomerulärer Belastung und Progressionsverlangsamung
  • Ernährungstherapie bei nephrotischem Syndrom – protein- und fettqualitätsadaptierte Ernährung zur Kontrolle von Proteinverlusten, Dyslipidämie und Ödembildung
  • Ernährungstherapie bei Urolithiasis (Harnsteinleiden) – diätetische Rezidivprophylaxe durch angepasste Flüssigkeitszufuhr sowie Modifikation oxalat-, purin- und natriumreicher Nahrungsmittel

Neurologische Indikationen

In der Neurologie kommen sowohl spezifische therapeutische Diäten als auch unterstützende Ernährungskonzepte mit neurophysiologischer Zielsetzung zum Einsatz.

  • Ernährungstherapie bei Epilepsie – Einsatz klar definierter therapeutischer Diäten (z. B. ketogene Ernährung) zur Reduktion der Anfallshäufigkeit bei pharmakoresistenter Epilepsie
  • Ernährungstherapie bei Morbus Parkinson – proteinadaptierte und antioxidativ ausgerichtete Ernährung zur Unterstützung der motorischen Funktion und Optimierung der medikamentösen Therapie
  • Ernährungstherapie bei Migräne – triggerarme, strukturierte Ernährung zur Reduktion der Attackenfrequenz und Stabilisierung neurovaskulärer Regulationsmechanismen
  • Ernährungstherapie bei neurodegenerativen Erkrankungen – neuroprotektive Ernährungskonzepte zur Unterstützung kognitiver Funktionen und zur Prävention ernährungsassoziierter Mangelzustände
  • Ketogene Diät – sehr kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung mit Induktion der Ketose; etablierte Therapieoption bei pharmakoresistenter Epilepsie sowie in ausgewählten weiteren neurologischen Indikationen
  • MIND-Diät – neuroprotektiv orientiertes Ernährungsmuster zur Unterstützung kognitiver Funktionen und zur Prävention neurodegenerativer Prozesse

Onkologische Indikationen

Die Ernährungstherapie in der Onkologie ist ein zentraler Bestandteil der unterstützenden Behandlung und zielt darauf ab, antineoplastische Therapien (Zytotherapien, Immuntherapien etc.) zu begleiten, den Ernährungsstatus zu stabilisieren und die Lebensqualität in allen Krankheitsphasen zu erhalten. Sie trägt wesentlich zur Prävention und Therapie tumorassoziierter Mangelernährung und Kachexie sowie zur Reduktion therapiebedingter Komplikationen bei.

  • Anti-Krebs-Ernährung – Ernährung, Mikronährstoffe und Verhalten zur Reduktion des Krebsrisikos – präventivmedizinisches Ernährungskonzept mit dem Ziel, das individuelle Krebsrisiko zu reduzieren, die Exposition gegenüber ernährungsbedingten Karzinogenen zu minimieren und tumorbegünstigende metabolische sowie inflammatorische Milieus zu vermeiden
  • Ernährung zur Unterstützung antineoplastischer Therapien – begleitende Ernährungskonzepte zur Verbesserung der Therapieverträglichkeit, Unterstützung der Rekonvaleszenz und Erhaltung der Lebensqualität
  • Prävention und Therapie tumorassoziierter Mangelernährung – frühzeitige, strukturierte ernährungstherapeutische Interventionen zur Vermeidung von Gewichtsverlust, Nährstoffdefiziten und funktionellen Einschränkungen
  • Prävention und Therapie tumorassoziierter Kachexie (Auszehrung) – energie- und proteinadaptierte Ernährungskonzepte zur Reduktion von Muskelabbau, Funktionsverlust und therapieassoziierter Morbidität
  • Ernährungstherapie bei Mammakarzinom (Brustkrebs) – indikationsspezifische Ernährungskonzepte zur Unterstützung systemischer Therapien, Reduktion therapieassoziierter Nebenwirkungen und Prävention metabolischer Langzeitfolgen
  • Ernährungstherapie bei Prostatakarzinom (Prostatakrebs) – evidenzbasierte Ernährung zur Unterstützung der Therapie, Modulation hormoneller und inflammatorischer Faktoren sowie Prävention kardiometabolischer Begleiterkrankungen unter antihormoneller Behandlung
  • Ernährungstherapie bei gastrointestinalen Tumoren (Ösophagus-, Magen-, Kolorektal- und Pankreaskarzinom) – angepasste Ernährungskonzepte zur Prävention und Therapie von Mangelernährung, Behandlung malabsorptiver Zustände und Unterstützung perioperativer Therapiestrategien
  • Ernährungstherapie bei Kopf-Hals-Tumoren – textur- und energieadaptierte Ernährung zur Sicherstellung der Nahrungsaufnahme bei Kau- und Schluckstörungen sowie zur Prävention therapieassoziierter Mangelernährung
  • Ernährungstherapie bei Lungenkarzinom – ernährungsmedizinische Unterstützung zur Prävention tumorassoziierter Kachexie, Stabilisierung der Leistungsfähigkeit und Verbesserung der Therapieadhärenz
  • Ernährungstherapie in palliativen Therapiesituationen – symptomorientierte, individuell angepasste Ernährung zur Unterstützung von Komfort, Autonomie und Lebensqualität

Die nachfolgenden Einzelbeiträge stellen diese onkologischen Ernährungskonzepte jeweils eigenständig dar und ermöglichen eine differenzierte ernährungsmedizinische Einordnung im Hinblick auf Evidenzlage, Indikationsstellung und praktische Umsetzung im onkologischen Versorgungsalltag.

Psychische Störungen

Bei psychischen Erkrankungen kommt der Ernährungstherapie eine ergänzende, unterstützende Rolle zu, da sie neurobiologische, metabolische und inflammatorische Prozesse beeinflussen kann und somit zur Stabilisierung psychischer Funktionen, zur Verbesserung der Therapieverträglichkeit sowie zur Prävention somatischer Begleiterkrankungen beiträgt.

  • Ernährungstherapie bei depressiven Störungen – entzündungsmodulierende und nährstoffdichte Ernährung zur Unterstützung neurobiologischer Regulationsmechanismen und zur Reduktion depressiver Symptomatik
  • Ernährungstherapie bei Angststörungen – stabilisierende Ernährungskonzepte zur Unterstützung der Stressachsen-Regulation und Vermeidung blutzuckerbedingter vegetativer Symptomverstärkung
  • Ernährungstherapie bei bipolaren Störungen – strukturierte, metabolisch stabile Ernährung zur Unterstützung der Stimmungsstabilisierung und Reduktion therapieassoziierter metabolischer Nebenwirkungen
  • Ernährungstherapie bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – eliminations- und mikronährstoffadaptierte Ernährung zur unterstützenden Behandlung neurokognitiver Dysregulation
  • Ernährungstherapie bei Essstörungen – indikationsspezifische Ernährungskonzepte zur Wiederherstellung des Ernährungsstatus, metabolischer Stabilisierung und Prävention somatischer Komplikationen

Pulmonologische Erkrankungen

Bei pulmonologischen Erkrankungen muss die Ernährung an erhöhte ventilatorische und metabolische Anforderungen angepasst werden.

  • Ernährungstherapie bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) – evidenzbasierte energie- und proteinadaptierte Ernährung zur Prävention von Muskelabbau, Verbesserung der Belastbarkeit und Reduktion der Atemarbeit
  • Ernährungstherapie bei Asthma bronchiale – unterstützende Ernährung zur Gewichtskontrolle, Reduktion systemischer Inflammation und Verbesserung der Lungenfunktion bei adipösen und metabolisch belasteten Patienten
  • Ernährungstherapie bei pulmonaler Hypertonie (PH; Lungenhochdruck) – individuell angepasste Ernährung zur Unterstützung der Leistungsfähigkeit sowie zum Management von Volumen- und Natriumhaushalt
  • Ernährungstherapie bei Mukoviszidose (zystische Fibrose) – hochkalorische, nährstoffdichte Ernährung zur Kompensation erhöhter Energieverluste und Behandlung malabsorptiver Zustände
  • Ernährungstherapie bei schlafbezogenen Atmungsstörungen (z. B. obstruktive Schlafapnoe) – gewichts- und metabolisch orientierte Ernährung zur Reduktion der ventilatorischen Belastung und Verbesserung der Atemregulation

Reproduktionsmedizinische Erkrankungen

Bei reproduktionsmedizinischen Erkrankungen zielt die Ernährungstherapie auf die Optimierung der hormonellen Regulation, die Unterstützung der Gametogenese, die Modulation entzündlicher Prozesse sowie die Verbesserung der metabolischen und immunologischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fertilität ab.

  • Ernährungstherapie bei weiblicher Infertilität (Sterilität) – evidenzbasierte Ernährungskonzepte zur Verbesserung der ovulatorischen Funktion, Optimierung der endometrialen Rezeptivität und Reduktion metabolischer und inflammatorischer Einflussfaktoren
  • Ernährungstherapie bei männlicher Infertilität (Sterilität) – gezielte ernährungsmedizinische Strategien zur Unterstützung der Spermatogenese, Reduktion oxidativen Stresses und Verbesserung der Spermienqualität unter Berücksichtigung hormoneller und metabolischer Einflussgrößen
  • Ernährungstherapie bei Endometriose – entzündungsmodulierende und hormonregulierende Ernährungskonzepte zur Reduktion chronischer Entzündungsaktivität, Linderung zyklusassoziierter Beschwerden und Unterstützung der reproduktiven Funktion

Schlafmedizinische Erkrankungen

Bei schlafmedizinischen Erkrankungen zielt die Ernährungstherapie primär auf die Stabilisierung zirkadianer Rhythmen, die Unterstützung der neuroendokrinen Regulation sowie die Reduktion metabolischer und entzündlicher Begleitfaktoren ab, die Schlafqualität und Tageswachheit negativ beeinflussen können.

  • Ernährungstherapie bei Insomnie – schlafunterstützende und zirkadian ausgerichtete Ernährungskonzepte zur Förderung der Schlafarchitektur, Reduktion nächtlicher Hyperarousal-Zustände und Stabilisierung des Glukose- und Stressstoffwechsels
  • Ernährungstherapie bei schichtarbeitsassoziierter Schlafstörung – metabolisch und zeitlich adaptierte Ernährung zur Reduktion circadianer Fehlanpassung, Verbesserung der Schlafqualität und Prävention schichtarbeitsassoziierter Stoffwechselstörungen
  • Ernährungstherapie bei chronischer Tagesmüdigkeit (nicht pulmonal) – stabilisierende, blutzucker- und entzündungsmodulierende Ernährungskonzepte zur Verbesserung der Tagesvigilanz und Reduktion ernährungsbedingter Leistungseinbrüche

Stoffwechsel- und internistische Erkrankungen

Bei Stoffwechsel- und internistischen Erkrankungen ist die Ernährung eine tragende Säule der Therapie und langfristigen Risikoreduktion.

  • Ernährungstherapie bei Adipositas – strukturierte, energieadaptierte Ernährung zur nachhaltigen Gewichtsreduktion und Reduktion kardiometabolischer Risiken
  • Ernährungstherapie bei Untergewicht und Mangelernährung – strukturierte, energie- und proteinadaptierte Ernährung zur Wiederherstellung des Ernährungsstatus, Prävention metabolischer und funktioneller Komplikationen sowie Unterstützung der Rekonvaleszenz bei internistischen Erkrankungen
  • Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus – indikationsspezifische Ernährung zur Optimierung der glykämischen Kontrolle und Prävention mikro- und makrovaskulärer Komplikationen
  • Ernährungstherapie bei metabolisch-assoziierter Fettlebererkrankung (MASLD) – gewichts- und makronährstoffmodulierende Ernährung als zentrale Therapie zur Reduktion hepatischer Steatose und Fibroseprogression
  • Ernährungstherapie bei Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörungen) – gezielte Modifikation der Fettqualität und Ballaststoffzufuhr zur Senkung des atherogenen Risikoprofils 
  • Ernährungstherapie bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) – natriumreduzierte Ernährung zur Blutdrucksenkung und zur Reduktion kardiovaskulärer Folgeerkrankungen (DASH-Diät)
  • Ernährungstherapie bei metabolischem Syndrom und chronischer metabolischer Entzündung – integrierte, entzündungsmodulierende Ernährungskonzepte zur gleichzeitigen Beeinflussung von Insulinresistenz, Adipositas, Dyslipidämie, Hypertonie und systemischer Low-Grade-Inflammation
  • Ernährungstherapie bei Gicht und Hyperurikämie – purin- und fruktosemodifizierte, harnsäuresenkende Ernährung zur Prävention akuter Gichtanfälle, chronischer Gelenkschäden und kardiometabolischer Begleiterkrankungen
  • DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) – leitlinienempfohlenes, blutdrucksenkendes Ernährungskonzept, das als therapeutische Grundlage bei arterieller Hypertonie dient und zugleich bei metabolischem Syndrom, Diabetes mellitus, Dyslipidämie und MASLD positive Effekte auf kardiometabolische Risikofaktoren zeigt.
  • Glyco-Mediterrane Pescovegetarische Präventionsdiät (GMPP-Ernährungsweise) – evidenzbasierte, überwiegend pflanzenbetonte Mischkost mit pescovegetarischer Ausrichtung. Sie kombiniert Elemente der mediterranen und DASH-Ernährung mit Fokus auf hochwertige Kohlenhydrate, ungesättigte Fettsäuren und regelmäßigen Fischverzehr und eignet sich als langfristige Ernährungsstrategie bei metabolischen und internistischen Erkrankungen, insbesondere Adipositas, Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom, MASLD (metabolisch-assoziierter Fettlebererkrankung), Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) sowie Gicht.

Die nachfolgenden Fachbeiträge stellen diese therapeutischen Diäten und krankheitsbezogenen Ernährungskonzepte jeweils eigenständig dar und ermöglichen eine differenzierte ernährungsmedizinische Einordnung im Hinblick auf Indikation, Wirkmechanismen, Evidenzlage, Risiken und praktische Umsetzbarkeit im klinischen Alltag.

Alle genannten Beiträge werden derzeit fachlich evaluiert und redaktionell aufbereitet. Die Veröffentlichung erfolgt schrittweise innerhalb der nächsten zwei Monate.