Ernährung in der Stillphase

Die Laktationsphase (Stillzeit) ist mit einem erhöhten Bedarf an Energie, Protein und mehreren Mikronährstoffen verbunden. Ziel einer bedarfsgerechten Ernährung ist es, die Gesundheit und die Nährstoffreserven der Mutter zu erhalten, die physiologischen Anforderungen der Milchbildung zu decken und jene Bestandteile der Muttermilch abzusichern, deren Konzentration durch die mütterliche Ernährung beeinflusst werden kann.

Die Zusammensetzung der Muttermilch wird durch komplexe physiologische Regulationsmechanismen (körpereigene Steuerungsvorgänge) weitgehend stabil gehalten. Die Konzentrationen von Lactose und Protein verändern sich bei ausreichend ernährten Frauen durch kurzfristige Schwankungen der Energie- und Makronährstoffzufuhr nur begrenzt. Deutlicher beeinflussbar sind das Fettsäuremuster sowie die Konzentrationen einzelner Vitamine und Spurenelemente, insbesondere von Jod. Die pauschale Aussage, Qualität und Quantität der Muttermilch hingen unmittelbar und stark von der mütterlichen Ernährung ab, ist daher wissenschaftlich nicht zutreffend [1, 2, 3].

Die Milchmenge wird primär durch die Stillfrequenz, die effektive Entleerung der Brust, die Anlegetechnik und die neuroendokrine Regulation (Steuerung durch das Nerven- und Hormonsystem) bestimmt. Eine über den physiologischen Bedarf hinausgehende Flüssigkeitszufuhr oder der Verzehr bestimmter vermeintlich milchbildender Lebensmittel steigert die Milchproduktion nicht nachweislich. Ausgeprägte und länger anhaltende Energie- oder Nährstoffdefizite können jedoch die mütterlichen Reserven beeinträchtigen und bei schwerer Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen) auch die Laktation ungünstig beeinflussen [1, 2, 5, LL2].

Eine spezielle Stilldiät ist bei gesunden Frauen nicht erforderlich. Empfohlen wird eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche und überwiegend pflanzenbetonte Ernährung. Pauschale Lebensmittelverbote sind nicht begründet. Gezielte Supplementierungen sind sinnvoll, wenn sie aufgrund allgemeiner Empfehlungen, der Ernährungsweise, eines erhöhten Bedarfs oder eines nachgewiesenen Mangels indiziert sind.

Energiebedarf

Die Bildung und Sekretion (Abgabe) von Muttermilch erfordern zusätzliche Energie. Ein Teil dieses Energieaufwands wird durch die Mobilisierung der während der Schwangerschaft angelegten mütterlichen Fettreserven gedeckt. Diese physiologische Mobilisierung ist bei der Ableitung des aktuellen Richtwerts bereits berücksichtigt.

Bei ausschließlichem Stillen während der ersten 4-6 Monate beträgt der Richtwert für die zusätzliche Energiezufuhr 500 kcal pro Tag [LL1]. Dieser Wert ist kein starrer individueller Bedarf. Der tatsächliche Energiebedarf wird unter anderem durch Ausgangsgewicht, Körperzusammensetzung, Milchmenge, körperliche Aktivität, Stoffwechselsituation und Gewichtsverlauf beeinflusst.

Nach Beginn der Beikost und bei abnehmender Stillintensität kann kein einheitlicher zusätzlicher Energiebedarf angegeben werden. Die Energiezufuhr sollte dann anhand der Stillhäufigkeit, des Gewichtsverlaufs, der körperlichen Aktivität und des Ernährungszustands individuell angepasst werden [LL1, LL2].

Gewichtsabnahme: Eine moderate postpartale Gewichtsabnahme (Gewichtsabnahme nach der Geburt) ist physiologisch und bei übergewichtigen Frauen nach Etablierung der Laktation grundsätzlich mit dem Stillen vereinbar. In einer randomisierten Studie beeinträchtigte eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von etwa 0,5 kg pro Woche durch eine moderate Energiereduktion und körperliche Aktivität bei übergewichtigen, ausschließlich stillenden Frauen das Wachstum der Säuglinge nicht [4]. Die Untersuchung begann etwa vier Wochen post partum und erlaubt keine uneingeschränkte Übertragung auf untergewichtige Frauen, die unmittelbare postpartale Phase oder ausgeprägtere Energiedefizite.

Stark energiereduzierte Diäten, längere Fastenperioden und eine rasche Gewichtsabnahme sind während der Stillzeit nicht zu empfehlen. Eine geplante Gewichtsreduktion sollte eine ausreichende Zufuhr von Protein, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen gewährleisten. Bei Untergewicht, Essstörungen (Störungen des Essverhaltens), ausgeprägter Gewichtsabnahme oder verminderter Milchbildung ist eine ärztliche und ernährungsmedizinische Abklärung angezeigt [LL2].

Kohlenhydrate

Für die Stillzeit besteht kein eigenständiger prozentualer Richtwert für die Kohlenhydratzufuhr. Bei einer vollwertigen Mischkost können Kohlenhydrate entsprechend den allgemeinen Referenzwerten mehr als 50 % der Energiezufuhr liefern. Die konkrete Verteilung zwischen Kohlenhydraten und Fett ist unter Berücksichtigung des individuellen Energiebedarfs, der Fettqualität und der Stoffwechselsituation festzulegen [LL1].

Bevorzugt werden sollten:

  • Vollkorngetreide: Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln, Naturreis und andere wenig verarbeitete Getreideprodukte
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen und Sojaprodukte
  • Gemüse und Obst: abwechslungsreich und entsprechend der individuellen Verträglichkeit
  • Kartoffeln: vorzugsweise wenig verarbeitet und mit schonender Zubereitung

Der Richtwert für die Ballaststoffzufuhr beträgt auch während der Stillzeit mindestens 30 g pro Tag [LL1]. Eine schrittweise Erhöhung der Ballaststoffzufuhr und eine bedarfsgerechte Flüssigkeitszufuhr können einer postpartalen Obstipation (Verstopfung nach der Geburt) entgegenwirken.

Zuckerreiche Getränke, Süßwaren und stark raffinierte Getreideprodukte sollten nur einen kleinen Anteil der Ernährung ausmachen. Eine erhöhte Zucker- oder Kohlenhydratzufuhr steigert weder die Milchmenge noch regelhaft den Lactosegehalt der Muttermilch. Dieser wird physiologisch weitgehend stabil reguliert [1, 2].

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Zustand nach Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes), Insulinresistenz (verminderter Wirkung des Insulins) oder anderen Störungen des Glucosestoffwechsels (Störungen des Zuckerstoffwechsels) ist die Kohlenhydratzufuhr individuell festzulegen. Im Vordergrund stehen ballaststoffreiche Kohlenhydratquellen, eine bedarfsgerechte Verteilung über den Tag und die Begrenzung schnell resorbierbarer Kohlenhydrate.

Fett

Der Anteil der Nahrungsfette kann sich grundsätzlich am allgemeinen Richtwert von etwa 30 % der Energiezufuhr orientieren. Bei höherem Energiebedarf kann der prozentuale Fettanteil entsprechend angepasst werden. Für die Zusammensetzung der Muttermilch ist die Qualität der aufgenommenen Fettsäuren bedeutsamer als die Gesamtfettmenge.

Das Fettsäuremuster der mütterlichen Ernährung beeinflusst insbesondere die Konzentrationen mehrfach ungesättigter Fettsäuren in der Muttermilch. Dagegen schwankt der Gesamtfettgehalt der Muttermilch auch unabhängig von der Ernährung erheblich und wird unter anderem vom Laktationsstadium, der Tageszeit, dem Zeitpunkt innerhalb einer Stillmahlzeit und dem Entleerungsgrad der Brust beeinflusst [1, 2, 3].

Bevorzugte Fettquellen sind:

  • Pflanzliche Öle: insbesondere Rapsöl und Olivenöl sowie Leinöl und Walnussöl für die kalte Küche
  • Nüsse und Samen: z. B. Walnüsse, Mandeln, Leinsamen, Chiasamen und Sesam
  • Fettreiche Meeresfische: z. B. Hering, Lachs, Makrele und Sardine
  • Weitere pflanzliche Fettquellen: z. B. Avocado und Nussmus

Gesättigte Fettsäuren sollten zugunsten einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren begrenzt werden. Industriell entstandene trans-Fettsäuren sind so weit wie möglich zu vermeiden [LL1].

Docosahexaensäure: Stillende sollten durchschnittlich mindestens 200 mg Docosahexaensäure (DHA) pro Tag aufnehmen [LL1, LL2]. Hierzu werden ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche empfohlen, davon mindestens eine Mahlzeit mit fettreichem Meeresfisch. Die Auswahl sollte bevorzugt auf Fischarten mit vergleichsweise niedrigen Methylquecksilbergehalten fallen. Fischarten mit potenziell hohen Methylquecksilbergehalten, insbesondere Hai und Schwertfisch, sind zu meiden; der Verzehr von Thunfisch und weiteren höher belasteten Arten sollte eingeschränkt werden [9].

Bei fehlendem oder nur seltenem Verzehr von fettreichem Meeresfisch ist eine gezielte Supplementierung mit mindestens 200 mg DHA pro Tag sinnvoll. Für Vegetarier und Veganer stehen geeignete DHA-Präparate auf Basis von Mikroalgen zur Verfügung. Die Supplementierung erhöht zuverlässig die DHA-Zufuhr der Mutter und den DHA-Gehalt der Muttermilch; ein darüber hinausgehender Nutzen sehr hoher Dosierungen ist nicht hinreichend belegt [1, 2, LL1].

Protein

Die empfohlene Proteinzufuhr beträgt während der Stillzeit 1,2 g pro kg Referenzkörpergewicht und Tag. Dies entspricht einer zusätzlichen Proteinzufuhr von etwa 23 g pro Tag gegenüber nicht schwangeren und nicht stillenden Frauen [LL1]. Maßgeblich ist das alters- und größenbezogene Referenzkörpergewicht und nicht automatisch das aktuelle postpartale Körpergewicht.

Geeignete Proteinquellen sind:

  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen und Sojabohnen
  • Sojaprodukte: Tofu, Tempeh und ungesüßte, angereicherte Sojaprodukte
  • Milch und Milchprodukte: bzw. ernährungsphysiologisch geeignete, angereicherte pflanzliche Alternativen
  • Eier und Fisch: im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung
  • Fleisch: optional, vorzugsweise unverarbeitet und in moderater Menge
  • Nüsse, Samen und Vollkorngetreide: als ergänzende pflanzliche Proteinquellen

Durch die Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen, z. B. Hülsenfrüchte mit Getreide, lässt sich eine hohe Proteinqualität erreichen. Die Kombination muss nicht zwingend innerhalb einer einzelnen Mahlzeit erfolgen, sofern über den Tag eine abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl besteht.

Eine deutlich über dem Referenzwert liegende Proteinzufuhr erhöht weder die Milchmenge noch regelhaft den Proteingehalt der Muttermilch. Die Proteinkonzentration der Muttermilch wird im Vergleich zum Fettsäuremuster nur begrenzt durch die mütterliche Ernährung beeinflusst [1, 2].

Bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Lebererkrankungen, Malabsorptionssyndromen (Erkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme), ausgeprägtem Untergewicht oder anderen besonderen Stoffwechselsituationen ist die Proteinzufuhr individuell festzulegen.

Geeignete Lebensmittel in der Laktationsphase

Die Ernährung sollte abwechslungsreich, regelmäßig, nährstoffreich und überwiegend pflanzenbetont sein. Eine spezielle Stilldiät oder eine routinemäßige Einschränkung der Lebensmittelauswahl ist nicht erforderlich [LL2].

Lebensmittelgruppe Praktische Auswahl Ernährungsmedizinische Bedeutung
Gemüse und Obst Mehrere abwechslungsreiche Portionen täglich Ballaststoffe, Kalium, Folat, Vitamin C und bioaktive Wirkstoffe
Vollkorngetreide und Kartoffeln Vollkornvarianten und wenig verarbeitete Produkte bevorzugen Komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Magnesium und B-Vitamine
Hülsenfrüchte Regelmäßig in den Speiseplan integrieren Protein, Ballaststoffe, Eisen, Folat und Zink
Milchprodukte oder angereicherte pflanzliche Alternativen Bei pflanzlichen Produkten auf Protein-, Calcium-, Jod- und Vitamin-B12-Gehalt achten Protein, Calcium, Jod und Vitamin B12
Fisch Ein bis zwei Portionen pro Woche, davon mindestens eine Portion fettreicher Meeresfisch DHA, Jod, Protein, Vitamin D und Selen
Eier Im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung Protein, Cholin, Vitamin B12 und Jod
Nüsse und Samen Täglich eine kleine Portion, sofern keine individuelle Kontraindikation (medizinischer Grund dagegen) besteht Ungesättigte Fettsäuren, Protein, Magnesium und Spurenelemente
Pflanzliche Öle Insbesondere Rapsöl und Olivenöl verwenden Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Fleisch Optional, in moderater Menge und möglichst unverarbeitet Protein, Eisen, Zink und Vitamin B12
Getränke Wasser und ungesüßte Getränke entsprechend dem Durst Ausgleich des durch die Milchsekretion erhöhten Flüssigkeitsverlusts

Flüssigkeitszufuhr: Der Richtwert für die gesamte Wasserzufuhr während der Stillzeit beträgt etwa 3.100 ml pro Tag. Davon entfallen unter durchschnittlichen Bedingungen etwa 1.710 ml auf Getränke, etwa 1.000 ml auf das Wasser in festen Lebensmitteln und etwa 390 ml auf Oxidationswasser [LL1]. Die praktische Empfehlung lautet, regelmäßig und entsprechend dem Durst zu trinken. Bei Hitze, Fieber, Erbrechen, Diarrhoe (Durchfall), intensiver körperlicher Aktivität oder starkem Schwitzen steigt der Flüssigkeitsbedarf.

Eine über den physiologischen Bedarf hinausgehende Flüssigkeitszufuhr steigert die Milchmenge nicht nachweislich. Die verfügbare Studienlage ist begrenzt, bietet jedoch keine Grundlage für die Empfehlung, zur Steigerung der Milchproduktion über den Durst hinaus zu trinken [5].

Jod: Der Referenzwert für die Jodzufuhr beträgt bei Stillenden 230 µg pro Tag. Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz wird die tägliche Einnahme eines Präparats mit 100 µg Jod empfohlen. Nach individueller Jodanamnese (Erhebung der bisherigen Jodversorgung) kann eine Dosierung bis 150 µg pro Tag angezeigt sein. Bei Schilddrüsenerkrankungen (Erkrankungen der Schilddrüse) soll die Supplementierung ärztlich abgestimmt werden [LL1, LL2].

Hochdosierte Algen-, Kelp- und Tangpräparate sind wegen ihres stark schwankenden und teilweise sehr hohen Jodgehalts nicht zur kontrollierten Jodversorgung geeignet.

Vitamin B12: Bei veganer Ernährung ist eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung obligat. Zusätzlich sind eine qualifizierte ernährungsmedizinische Beratung und eine bedarfsgerechte Kontrolle der Versorgung mit Protein, Eisen, Jod, Calcium, Zink, Selen, Vitamin D, Riboflavin, DHA und weiteren potenziell kritischen Nährstoffen erforderlich [LL2]. Ein unbehandelter mütterlicher Vitamin-B12-Mangel kann beim gestillten Säugling schwere hämatologische (das Blut betreffende) und neurologische Schäden (Schäden des Nervensystems) verursachen.

Weitere Supplementierungen: Bei fehlendem Fischverzehr ist DHA gezielt zu supplementieren. Eisen, Vitamin D, Calcium, Zink, Selen und weitere Mikronährstoffe sollten bei entsprechender Ernährungsweise, klinischem Verdacht, erhöhtem Bedarf oder labordiagnostisch nachgewiesenem Mangel bedarfsgerecht ergänzt werden. Eine indizierte Supplementierung ist sinnvoll und kann die Versorgung von Mutter und Kind gezielt verbessern. Eine ungezielte Einnahme hochdosierter Präparate ohne Berücksichtigung von Dosierung, Interaktionen und möglichen Überversorgungen ist dagegen nicht zu empfehlen.

Vegetarische und vegane Ernährung: Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung kann bei gezielter Lebensmittelauswahl den Nährstoffbedarf in der Stillzeit grundsätzlich decken. Bei veganer Ernährung sind neben einer obligaten Vitamin-B12-Supplementierung regelmäßig weitere Supplementierungen und eine strukturierte ernährungsmedizinische Begleitung erforderlich [LL2].

Allergieprävention (Vorbeugung von Allergien): Eine vorbeugende Meidung potenziell allergener Lebensmittel (allergieauslösender Lebensmittel) wie Kuhmilch, Ei, Fisch, Nüsse oder Weizen während der Stillzeit verhindert allergische Erkrankungen des Kindes nicht und wird nicht empfohlen [LL2, LL3]. Eine Eliminationsdiät ist nur bei einem begründeten Verdacht auf eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie (Lebensmittelallergie) des gestillten Kindes und nach fachlicher Diagnostik (medizinischer Abklärung) angezeigt.

Unspezifische Beschwerden des Säuglings wie Unruhe, Blähungen oder vermehrtes Schreien rechtfertigen keine pauschalen mütterlichen Ausschlussdiäten. Solche Restriktionen können die Lebensmittelauswahl unnötig einschränken und das Risiko einer unzureichenden Energie- und Nährstoffzufuhr erhöhen [LL2].

Kaffeekonsum in der Laktation

Koffein geht in die Muttermilch über. Neugeborene und insbesondere Frühgeborene (zu früh geborene Kinder) metabolisieren Koffein erheblich langsamer als ältere Säuglinge. Deshalb können wiederholte mütterliche Koffeindosen bei jungen oder früh geborenen Säuglingen zu einer stärkeren Exposition (Belastung) führen [6, 8].

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet einzelne Koffeindosen bis 200 mg und eine über den Tag verteilte Gesamtzufuhr bis 400 mg als für den gestillten Säugling ohne erkennbare Sicherheitsbedenken. Die Datengrundlage zur regelmäßigen Koffeinzufuhr während der Stillzeit ist jedoch begrenzt [8]. Der häufig verwendete Wert von 200 mg pro Tag ist daher als konservativer Orientierungswert, nicht als nachgewiesene toxikologische Obergrenze (gesundheitlich begründete Höchstgrenze) für Stillende zu verstehen.

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes ist insbesondere in den ersten Lebenswochen, bei Frühgeborenen oder bei auffälliger Empfindlichkeit des Säuglings eine Begrenzung auf höchstens etwa 200 mg Koffein pro Tag sinnvoll. Bei älteren, klinisch unauffälligen Säuglingen ist eine moderate Zufuhr oberhalb dieses Werts nach der EFSA-Bewertung nicht grundsätzlich mit einem erkennbaren Risiko verbunden [6, 8].

Koffeinquellen sind unter anderem:

  • Kaffee und Espresso
  • Schwarzer und grüner Tee
  • Colagetränke
  • Energy-Drinks und Energy-Shots
  • Kakao und Schokolade
  • Koffeinhaltige Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel

Der Koffeingehalt von Kaffee schwankt erheblich in Abhängigkeit von Kaffeesorte, Röstung, Zubereitungsart, Portionsgröße und Extraktionsdauer. Eine pauschale Umrechnung in eine bestimmte Anzahl von Tassen ist daher ungenau. Entscheidend ist die gesamte tägliche Koffeinaufnahme aus allen Quellen.

Bei Unruhe, Reizbarkeit, Tremor (Zittern), auffälligem Schreien oder Schlafstörungen des Säuglings sollte die Koffeinzufuhr deutlich reduziert und die zeitliche Beziehung zu den Beschwerden überprüft werden. Die Evidenz zu solchen klinischen Effekten ist insgesamt begrenzt und überwiegend beobachtender Natur [6].

Der Konsum unmittelbar nach einer Stillmahlzeit kann den zeitlichen Abstand bis zum nächsten Stillen vergrößern und dadurch die kindliche Exposition geringfügig vermindern. Ein routinemäßiges Abpumpen und Verwerfen der Muttermilch ist nach moderatem Koffeinkonsum nicht erforderlich.

Energy-Drinks sind während der Stillzeit nicht zu empfehlen. Sie können hohe oder schwer einschätzbare Koffeinmengen, erhebliche Zuckermengen und weitere stimulierende Substanzen enthalten. Produkte mit erhöhtem Koffeingehalt müssen zudem den Hinweis tragen, dass sie für stillende Frauen nicht empfohlen werden.

Tabakkonsum in der Laktationsphase

Tabakrauchen führt zu einer Exposition des Säuglings gegenüber Nikotin und zahlreichen weiteren toxischen Verbrennungsprodukten. Die Exposition erfolgt über die Muttermilch, über eingeatmeten Passivrauch und über an Kleidung, Haaren, Möbeln, Fahrzeugen und Staub haftende Tabakrückstände.

Rauchen ist mit einer geringeren Milchmenge, niedrigeren Prolaktinspiegeln, einer kürzeren Stilldauer sowie erhöhten Risiken für den plötzlichen Kindstod und respiratorische Erkrankungen (Atemwegserkrankungen) des Kindes assoziiert [7, LL2]. Die evidenzbasierte Empfehlung lautet daher, während der Stillzeit vollständig auf Zigaretten, E-Zigaretten, Tabakerhitzer und andere Nikotinprodukte zu verzichten.

E-Zigaretten und Tabakerhitzer sind keine risikofreien Alternativen. Ihre Aerosole können Nikotin, ultrafeine Partikel, Carbonylverbindungen, Metalle und weitere potenziell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Aufgrund fehlender belastbarer Sicherheitsdaten sollen sie während der Stillzeit nicht verwendet werden [7].

Fortgesetztes Rauchen: Kann die Mutter nicht vollständig aufhören, soll das Stillen nicht allein deshalb beendet oder vorenthalten werden. Die Vorteile des Stillens bestehen grundsätzlich fort; gleichzeitig muss die Exposition des Kindes so weit wie möglich reduziert und eine professionelle Tabakentwöhnung aktiv angeboten werden [7, LL2].

Bei fortgesetztem Rauchen gelten folgende Maßnahmen:

  • Rauchfreie Umgebung: In der Wohnung, im Kraftfahrzeug und in Gegenwart des Kindes darf nicht geraucht oder gedampft werden.
  • Reduktion der Exposition: Die Zahl der gerauchten Zigaretten ist so weit wie möglich zu reduzieren.
  • Zeitlicher Abstand: Wenn geraucht wird, sollte dies möglichst unmittelbar nach und nicht vor einer Stillmahlzeit erfolgen, damit der Abstand bis zum nächsten Stillen möglichst groß ist.
  • Hygienemaßnahmen: Nach dem Rauchen sollten die Hände gewaschen und möglichst die äußere Kleidung gewechselt werden. Diese Maßnahmen reduzieren einzelne Rückstände, beseitigen die Exposition jedoch nicht vollständig.
  • Entwöhnungsbehandlung: Verhaltensbezogene Beratung und eine strukturierte Tabakentwöhnung sollen angeboten werden.

Nikotinersatztherapie (Behandlung mit Nikotinersatzmitteln): Eine ärztlich begleitete Nikotinersatztherapie ist gegenüber fortgesetztem Tabakrauchen grundsätzlich die schadstoffärmere Option, da die toxischen Verbrennungsprodukte entfallen. Die Academy of Breastfeeding Medicine bewertet Nikotinersatzpräparate als mit dem Stillen vereinbar [7]. Dosierung und Darreichungsform sind individuell nach Abhängigkeitsgrad, Rauchverhalten und klinischer Situation festzulegen. Soweit therapeutisch geeignet, können kurz wirksame Präparate zeitlich unmittelbar nach dem Stillen angewendet werden.

Der zeitliche Abstand zwischen Rauchen und Stillen reduziert nur einen Teil der Nikotinexposition. Er schützt nicht vor Passivrauch und an Oberflächen oder Textilien haftenden Schadstoffen. Das zentrale Ziel bleibt daher die vollständige Tabak- und Nikotinabstinenz (vollständiger Verzicht auf Tabak und Nikotin).

Fazit

Eine bedarfsgerechte Ernährung in der Laktationsphase erfordert weder eine spezielle Stilldiät noch pauschale Lebensmittelverbote. Entscheidend sind eine ausreichende Energiezufuhr, eine hohe Lebensmittelqualität, eine Proteinzufuhr von 1,2 g pro kg Referenzkörpergewicht und Tag, die bevorzugte Aufnahme ungesättigter Fettsäuren sowie die gezielte Absicherung potenziell kritischer Mikronährstoffe.

  • Energie: Bei ausschließlichem Stillen in den ersten 4-6 Monaten werden etwa 500 kcal zusätzlich pro Tag empfohlen.
  • Kohlenhydrate: Bevorzugt werden Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Kartoffeln; die Ballaststoffzufuhr sollte mindestens 30 g pro Tag betragen.
  • Fett: Ungesättigte Fettsäuren sind zu bevorzugen; mindestens 200 mg DHA pro Tag sollten über Fisch oder ein geeignetes Supplement aufgenommen werden.
  • Protein: Die empfohlene Zufuhr beträgt 1,2 g pro kg Referenzkörpergewicht und Tag.
  • Jod: Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz werden in der Regel 100 µg Jod pro Tag supplementiert.
  • Vegane Ernährung: Vitamin B12 muss obligat supplementiert werden; weitere kritische Nährstoffe sind systematisch abzusichern.
  • Koffein: Ein konservativer Orientierungswert beträgt 200 mg pro Tag; die EFSA bewertet bei Stillenden eine Gesamtzufuhr bis 400 mg pro Tag als ohne erkennbare Sicherheitsbedenken für den gestillten Säugling.
  • Tabak und Nikotin: Vollständige Abstinenz ist das Ziel. Gelingt diese nicht, bleibt Stillen grundsätzlich empfehlenswert, sofern die Exposition des Kindes konsequent reduziert und eine Entwöhnungsbehandlung angeboten wird.

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Literatur

  1. Petersohn I, Hellinga AH, van Lee L et al.: Maternal diet and human milk composition: an updated systematic review. Front Nutr. 2024;10:1320560. doi:10.3389/fnut.2023.1320560
  2. Bravi F, Wiens F, Decarli A et al.: Impact of maternal nutrition on breast-milk composition: a systematic review. Am J Clin Nutr. 2016;104(3):646-662. doi:10.3945/ajcn.115.120881
  3. Innis SM: Impact of maternal diet on human milk composition and neurological development of infants. Am J Clin Nutr. 2014;99(3):734S-741S. doi:10.3945/ajcn.113.072595
  4. Lovelady CA, Garner KE, Moreno KL, Williams JP: The effect of weight loss in overweight, lactating women on the growth of their infants. N Engl J Med. 2000;342(7):449-453. doi:10.1056/NEJM200002173420701
  5. Ndikom CM, Fawole B, Ilesanmi RE: Extra fluids for breastfeeding mothers for increasing milk production. Cochrane Database Syst Rev. 2014;2014(6):CD008758. doi:10.1002/14651858.CD008758.pub2
  6. McCreedy A, Bird S, Brown LJ et al.: Effects of maternal caffeine consumption on the breastfed child: a systematic review. Swiss Med Wkly. 2018;148:w14665. doi:10.4414/smw.2018.14665
  7. Harris M, Schiff DM, Saia K et al.: Academy of Breastfeeding Medicine Clinical Protocol #21: Breastfeeding in the Setting of Substance Use and Substance Use Disorder (Revised 2023). Breastfeed Med. 2023;18(10):715-733. doi:10.1089/bfm.2023.29256.abm
  8. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA J. 2015;13(5):4102. doi:10.2903/j.efsa.2015.4102
  9. Bundesinstitut für Risikobewertung: Fischverzehr in Schwangerschaft und Stillzeit: Einige Fischarten weisen hohe Methylquecksilber-Gehalte auf. Stellungnahme Nr. 047/2023 des BfR vom 11. Oktober 2023. doi:10.17590/20231011-130808-0

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe, Bonn 2025; Erratum Stand Mai 2026. Website
  2. Abou-Dakn M, Abu-Omar K, Alaze-Hagemann F et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen 2024. Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschr Kinderheilkd. 2025;173(Suppl 1):69-93. doi:10.1007/s00112-024-02014-7
  3. S3-Leitlinie Allergieprävention. (AWMF-Registernummer 061-016) November 2022; Gültigkeit nach inhaltlicher Überprüfung im Januar 2026 verlängert. Langfassung