Kaffeekonsum in der Stillzeit
Kaffee muss während der Laktationsphase (Stillphase) nicht grundsätzlich gemieden werden. Das enthaltene Koffein geht in die Muttermilch über; bei einer begrenzten mütterlichen Gesamtzufuhr ist die Exposition (Belastung) des gestillten Säuglings jedoch niedrig. Nach der Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der darauf gestützten Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gelten Einzeldosen und eine über den Tag verteilte Gesamtzufuhr von bis zu 200 mg Koffein täglich bei stillenden Frauen als gesundheitlich unbedenklich für das gestillte Kind [1, 2].
Die direkte klinische Evidenz zu den Auswirkungen des mütterlichen Koffeinkonsums auf gestillte Säuglinge ist allerdings begrenzt. Sie beruht überwiegend auf kleinen pharmakokinetischen Untersuchungen (Untersuchungen zur Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung eines Stoffes), einzelnen klinischen Studien, Beobachtungsstudien und Fallberichten. Der verfügbare systematische Review bewertet die Evidenz als unzureichend und inkonsistent; aufgrund der Heterogenität der Untersuchungen war keine quantitative Meta-Analyse möglich [3, 4].
Koffeinquellen
Koffein ist ein Methylxanthin (koffeinähnlicher Pflanzenstoff) und kommt natürlicherweise in Kaffeebohnen, Teeblättern, Kakaobohnen, Guarana, Kolanüssen und Mate vor. Darüber hinaus wird Koffein verschiedenen Getränken, Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln zugesetzt.
Bei der Ermittlung der täglichen Koffeinzufuhr sind sämtliche Quellen zu berücksichtigen:
- Kaffee, Espresso und Kaffeespezialitäten
- Schwarzer, grüner, weißer und Mate-Tee
- Cola-Getränke und Energy-Drinks
- Energy-Shots und sogenannte Pre-Workout-Produkte
- Guarana- und Mate-Präparate
- Kakao und Schokolade
- koffeinhaltige Analgetika (Schmerzmittel) sowie einzelne Erkältungs- und Migränemittel
Der Koffeingehalt von Kaffee kann erheblich schwanken. Maßgebliche Einflussfaktoren sind Kaffeesorte, Bohnenmischung, Röstung, Mahlgrad, verwendete Pulvermenge, Extraktionszeit, Zubereitungsverfahren und Portionsgröße. Eine Empfehlung in „Tassen Kaffee“ ist deshalb weniger präzise als die Berechnung der tatsächlich aufgenommenen Koffeinmenge [1, 2].
Übergang in die Muttermilch
Koffein wird nach oraler Aufnahme rasch resorbiert (in den Körper aufgenommen) und erscheint kurze Zeit später in der Muttermilch. Die höchste Koffeinkonzentration in der Muttermilch wird in den meisten Untersuchungen etwa eine Stunde nach der Aufnahme erreicht; in einzelnen Studien lagen die Spitzenkonzentrationen nach 1,5-2 Stunden vor [3, 5, 6].
Die Koffeinkonzentration in der Muttermilch verläuft weitgehend parallel zur mütterlichen Plasmakonzentration (Konzentration im flüssigen Bestandteil des Blutes). In kleinen pharmakokinetischen Untersuchungen betrug die Halbwertszeit (Zeit bis zur Halbierung der Konzentration) des Koffeins in der Muttermilch etwa 4-7 Stunden. Die aktiven Metaboliten (Stoffwechselprodukte) Paraxanthin, Theobromin und Theophyllin erreichten ihre höchsten Milchkonzentrationen teilweise erst 5-15 Stunden nach der Koffeinaufnahme [3, 6, 7].
Die häufig wiedergegebene Aussage, ein festgelegter Prozentsatz des mütterlich aufgenommenen Koffeins gelange in den Blutkreislauf des Säuglings, ist wissenschaftlich nicht ausreichend präzise. Die publizierten Berechnungen beziehen sich meist auf die über die Muttermilch aufgenommene Dosis und nicht auf die tatsächlich resorbierte oder im kindlichen Blut nachgewiesene Menge.
In kleinen pharmakokinetischen Studien wurde die reine Koffeindosis des ausschließlich gestillten Säuglings auf etwa 7-10 % der gewichtsbezogenen mütterlichen Dosis geschätzt. Unter zusätzlicher Einbeziehung der aktiven Methylxanthinmetaboliten wurde in einer Untersuchung eine relative Gesamtdosis von bis zu 18 % berechnet. Die Werte schwanken abhängig von mütterlicher Dosis, Stoffwechsel, Zeitpunkt der Probenentnahme, Milchmenge, Alter des Säuglings und Berechnungsmethode erheblich [6, 7].
Neuere Untersuchungen bestätigen eine deutliche inter- und intraindividuelle Variabilität der Koffeinkonzentrationen in der Muttermilch. In einer polnischen Untersuchung mit 100 stillenden Frauen korrelierte die angegebene Koffeinzufuhr mit den Konzentrationen von Koffein und Paraxanthin in der Muttermilch [8]. In einer japanischen Untersuchung von 350 Milchbankproben war Koffein in 70 % der Proben nachweisbar. Die mediane Konzentration betrug 0,46 mg/l bei einer Spannweite von weniger als 0,10 bis 7,54 mg/l; 64 % der Proben enthielten weniger als 1 mg/l [9]. Aus diesen Konzentrationsmessungen lassen sich jedoch keine zusätzlichen klinischen Grenzwerte ableiten.
Koffeinmetabolismus des Säuglings
Bei Erwachsenen wird Koffein überwiegend hepatisch (über die Leber) über Cytochrom P450 1A2 metabolisiert (verstoffwechselt). Bei Neugeborenen sind die beteiligten hepatischen Enzymsysteme und die renale Elimination (Ausscheidung über die Nieren) noch nicht vollständig ausgereift. Koffein wird deshalb erheblich langsamer eliminiert als bei Erwachsenen.
Die Plasmahalbwertszeit (Zeit bis zur Halbierung der Koffeinkonzentration im Blutplasma) beträgt bei Neugeborenen im Mittel etwa 100 Stunden und weist eine erhebliche interindividuelle Variabilität auf. Bei Frühgeborenen (zu früh geborenen Kindern) kann sie ebenfalls mehrere Tage betragen. Die Koffeinclearance (Ausscheidungsleistung für Koffein) nimmt in den ersten Lebensmonaten rasch zu und erreicht ungefähr im Alter von 3-5 Monaten annähernd die Werte Erwachsener [3, 10].
Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber einer mütterlichen Koffeinzufuhr ist insbesondere möglich bei:
- Frühgeborenen
- Säuglingen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht
- Neugeborenen in den ersten Lebenswochen
- medizinisch instabilen oder schwer erkrankten Säuglingen
- Säuglingen, die therapeutisch Koffeincitrat erhalten
Für diese Gruppen existiert kein durch klinische Studien validierter gesonderter Grenzwert. Aufgrund der verlangsamten Elimination ist eine niedrigere mütterliche Koffeinzufuhr jedoch pharmakokinetisch plausibel und fachlich sinnvoll [3, 10].
Klinische Auswirkungen auf den Säugling
Bei einer mütterlichen Koffeinzufuhr von bis zu 200 mg täglich bestehen nach der EFSA-Risikobewertung keine Sicherheitsbedenken für das gestillte Kind [1]. Diese Bewertung darf jedoch nicht mit dem Nachweis gleichgesetzt werden, dass sämtliche möglichen kindlichen Endpunkte durch große kontrollierte Studien ausgeschlossen worden sind.
In einer kleinen randomisierten Crossover-Studie erhielten elf stillende Frauen über jeweils fünf Tage entweder entkoffeinierten Kaffee oder entkoffeinierten Kaffee mit insgesamt 500 mg zugesetztem Koffein täglich. Bei den im Mittel 47 Tage alten Säuglingen wurden keine signifikanten Veränderungen der Herzfrequenz (Anzahl der Herzschläge pro Minute) oder Schlafdauer festgestellt. Die geringe Teilnehmerzahl und kurze Beobachtungsdauer begrenzen die Aussagekraft erheblich [11].
In einer prospektiven Kohortenstudie war eine mütterliche Aufnahme von mehr als 300 mg Koffein täglich mit geringfügig häufigerem nächtlichem Erwachen der drei Monate alten Säuglinge verbunden. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant [12].
Der systematische Review zur mütterlichen Koffeinzufuhr während der Stillzeit konnte wegen der geringen Zahl, Heterogenität und methodischen Einschränkungen der verfügbaren Studien keine verlässliche Dosis-Wirkungs-Beziehung ableiten. Insbesondere fehlen ausreichend belastbare Daten zu langfristigem Wachstum, neurologischer Entwicklung (Entwicklung des Nervensystems) und anderen längerfristigen kindlichen Endpunkten [4].
Bei sehr hoher mütterlicher Koffeinzufuhr, häufig entsprechend etwa zehn oder mehr Tassen Kaffee täglich und teilweise in Kombination mit Tee, Cola oder Kakao, wurden in Fallberichten folgende Symptome beim gestillten Säugling beschrieben [3]:
- Unruhe und Reizbarkeit
- Zittrigkeit und Schreckhaftigkeit
- erhöhter Muskeltonus (erhöhte Muskelspannung)
- verkürzte Schlafphasen und häufiges Erwachen
- erschwerte Beruhigbarkeit
Die Fallberichte erlauben keinen exakten Schwellenwert. Das Auftreten nach sehr hoher Exposition und die Besserung nach Reduktion oder Beendigung der mütterlichen Koffeinzufuhr sprechen jedoch für einen möglichen kausalen Zusammenhang.
Einfluss auf Milchbildung und Milchzusammensetzung
Es gibt keine belastbare Evidenz dafür, dass üblicher Kaffeekonsum die Milchbildung klinisch relevant vermindert oder steigert. In der aktuellen LactMed-Bewertung wurden keine geeigneten publizierten Untersuchungen zu einem direkten Einfluss von Koffein auf die Laktation (Milchbildung) identifiziert [3].
Ältere Beobachtungsdaten zu einer möglichen Verminderung der Eisenkonzentration in der Muttermilch bei höherem Kaffeekonsum sind aufgrund möglicher Störfaktoren und fehlender unabhängiger Bestätigung nicht geeignet, einen kausalen Zusammenhang oder einen eigenständigen Grenzwert abzuleiten. Sie werden deshalb nicht als Grundlage der praktischen Empfehlung herangezogen [3].
Empfohlene Koffeinzufuhr
Für stillende Frauen ist eine über den Tag verteilte Gesamtzufuhr von höchstens 200 mg Koffein täglich aus allen Quellen die maßgebliche europäische und deutsche Orientierung. Diese Menge wird von EFSA und BfR für das gestillte Kind als gesundheitlich unbedenklich bewertet [1, 2].
Die Menge von 200 mg täglich ist eine obere Orientierungsgröße und kein anzustrebender Zufuhrwert. Eine geringere Aufnahme ist möglich und insbesondere bei Frühgeborenen, jungen Neugeborenen oder klinisch auffälligen Säuglingen sinnvoll.
- Gesunder, reif geborener Säugling: Gesamtzufuhr auf höchstens 200 mg Koffein täglich begrenzen.
- Frühgeborener oder junger Neugeborener: Koffeinzufuhr möglichst niedrig halten; ein wissenschaftlich validierter niedrigerer Grenzwert besteht nicht.
- Therapeutische Koffeingabe an den Säugling: Mütterliche Koffeinzufuhr mit dem behandelnden Neonatologen (Facharzt für Neugeborenenmedizin) abstimmen.
- Unruhe oder Schlafstörungen des Säuglings: Koffein deutlich reduzieren oder vorübergehend vollständig meiden und den Verlauf über mehrere Tage beobachten.
- Ausgeprägte mütterliche Koffeinempfindlichkeit: Auch unterhalb von 200 mg täglich können z. B. Palpitationen (Herzklopfen), Tremor (Zittern), Unruhe oder Schlafstörungen auftreten [2].
Zeitpunkt des Kaffeekonsums
Da die höchste Koffeinkonzentration in der Muttermilch meist etwa eine Stunde nach der Aufnahme erreicht wird, kann der Konsum unmittelbar nach dem Stillen die Koffeinkonzentration bei einer späteren Stillmahlzeit theoretisch vermindern, sofern ein ausreichend langer Stillabstand besteht [3, 5, 6].
Ein klinischer Nutzen dieser zeitlichen Strategie wurde jedoch nicht in kontrollierten Studien nachgewiesen. Zudem erreichen aktive Koffeinmetaboliten ihre höchsten Konzentrationen teilweise deutlich später. Die zeitliche Abstimmung kann daher allenfalls eine ergänzende Maßnahme sein und ersetzt nicht die Begrenzung der täglichen Gesamtzufuhr [6, 7].
Bei einer Koffeinzufuhr innerhalb der empfohlenen Menge besteht keine Indikation (kein medizinischer Grund), eine Stillmahlzeit auszulassen oder Muttermilch abzupumpen und zu verwerfen. Auch ein Abstillen ist nicht erforderlich [1, 3].
Koffeingehalt ausgewählter Lebensmittel und Getränke
Die folgenden Werte sind Näherungswerte. Der tatsächliche Koffeingehalt kann insbesondere bei Kaffee und Tee erheblich schwanken [2].
| Lebensmittel oder Getränk | Portion | Koffeingehalt pro Portion |
| Filterkaffee | 200 ml | etwa 90 mg |
| Espresso | 60 ml | etwa 80 mg |
| Energy-Drink | 250 ml | etwa 80 mg |
| Schwarzer Tee | 200 ml | etwa 45 mg |
| Cola-Getränk | 330 ml | etwa 35 mg |
| Kakao-Getränk | 200 ml | etwa 8-35 mg |
| Grüner Tee | 200 ml | etwa 30 mg |
| Zartbitterschokolade | 50 g | etwa 25 mg |
| Vollmilchschokolade | 50 g | etwa 10 mg |
Ein großer Becher Kaffee aus der Gastronomie kann deutlich mehr als 100 mg Koffein enthalten. Auch Kapsel-, Pad- und Automatenkaffees unterscheiden sich erheblich. Bei abgepackten koffeinhaltigen Getränken, Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln sollte die Koffeinmenge anhand der Produktkennzeichnung berechnet werden [2].
Entkoffeinierter Kaffee
Entkoffeinierter Kaffee enthält weiterhin geringe Mengen Koffein, reduziert die Gesamtzufuhr jedoch deutlich. Er ist eine geeignete Alternative für Frauen mit hohem Kaffeekonsum, für Mütter von Frühgeborenen oder bei einem möglicherweise koffeinempfindlichen Säugling.
Bei regelmäßig hoher Koffeinzufuhr kann eine schrittweise Reduktion Entzugssymptome (Beschwerden beim Absetzen) wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Übelkeit und Konzentrationsstörungen vermindern [2].
Energy-Drinks und Koffeinpräparate
Eine handelsübliche Dose Energy-Drink mit 250 ml enthält im Mittel etwa 80 mg Koffein. Durch zwei bis drei Dosen kann die für Stillende empfohlene Tageshöchstmenge erreicht oder überschritten werden [2].
Getränke mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter müssen in der Europäischen Union den Hinweis tragen, dass sie für Kinder sowie schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen werden. Kaffee- und Teegetränke, deren Bezeichnung auf Kaffee oder Tee hinweist, sind von dieser spezifischen Kennzeichnung ausgenommen [2].
Energy-Shots, hoch dosierte Pre-Workout-Produkte, Koffeinkapseln und insbesondere loses hoch konzentriertes oder reines Koffeinpulver sind während der Stillzeit keine geeigneten Koffeinquellen. Bei Koffeinpulver besteht aufgrund der hohen Konzentration und der unzureichenden Messgenauigkeit haushaltsüblicher Waagen ein relevantes Risiko für Dosierungsfehler [2].
Vorgehen bei möglicher Koffeinempfindlichkeit des Säuglings
Bei neu aufgetretener Unruhe, Zittrigkeit, ausgeprägter Schreckhaftigkeit oder verändertem Schlafverhalten sollte zunächst die gesamte mütterliche Koffeinzufuhr erfasst werden. Einzubeziehen sind Kaffee, Tee, Cola, Energy-Drinks, Schokolade, Guarana, Mate, Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel.
- Koffeinreduktion: Zufuhr deutlich vermindern oder vorübergehend vollständig aussetzen.
- Beobachtungszeit: Wegen der langen Eliminationshalbwertszeit beim Neugeborenen den Verlauf über mehrere Tage beurteilen.
- Erneute Exposition: Bei Beschwerdefreiheit gegebenenfalls mit einer kleinen Menge beginnen und die kindliche Reaktion beobachten.
- Persistierende Symptome (anhaltende Beschwerden): Kinderärztliche Abklärung veranlassen.
Unruhe und Schlafstörungen sind unspezifisch. Fütterungsprobleme, Schmerzen, Infektionen, Überstimulation und weitere Ursachen müssen differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer möglicher Ursachen) berücksichtigt werden.
Praktische Empfehlungen
- Gesamtzufuhr berechnen: Sämtliche koffeinhaltigen Lebensmittel, Getränke, Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel berücksichtigen.
- Höchstmenge beachten: Nicht mehr als 200 mg Koffein täglich aus allen Quellen aufnehmen.
- Portionsgrößen prüfen: Große oder stark extrahierte Kaffeeportionen können bereits einen erheblichen Teil der Tagesmenge liefern.
- Junge Säuglinge berücksichtigen: Bei Frühgeborenen und Neugeborenen aufgrund der verlangsamten Elimination besonders zurückhaltend konsumieren.
- Kindliche Reaktion beobachten: Bei Unruhe, Zittrigkeit oder Schlafproblemen die Koffeinzufuhr reduzieren.
- Entkoffeinierten Kaffee nutzen: Regulären Kaffee teilweise oder vollständig ersetzen.
- Konzentrierte Produkte meiden: Auf Energy-Shots und loses hoch konzentriertes oder reines Koffeinpulver verzichten.
- Zeitpunkt einordnen: Kaffee kann bei Bedarf unmittelbar nach dem Stillen getrunken werden; der klinische Nutzen dieser Strategie ist nicht belegt.
Fazit
Ein vollständiger Verzicht auf Kaffee ist während der Laktationsphase bei einem gesunden, reif geborenen Säugling nicht erforderlich. Koffein geht rasch in die Muttermilch über, die kindliche Exposition bleibt bei begrenzter mütterlicher Aufnahme jedoch niedrig.
Für stillende Frauen ist eine Gesamtzufuhr von höchstens 200 mg Koffein täglich aus allen Quellen die maßgebliche europäische und deutsche Orientierung. Diese Menge wird für das gestillte Kind als gesundheitlich unbedenklich bewertet. Aufgrund der erheblich verlangsamten Elimination ist bei Frühgeborenen und jungen Neugeborenen eine besonders niedrige Zufuhr sinnvoll, ohne dass hierfür ein gesonderter evidenzbasierter Grenzwert festgelegt werden kann.
Die direkte klinische Evidenz ist insgesamt begrenzt. Sehr hohe mütterliche Koffeinmengen können beim Säugling Unruhe, Zittrigkeit und Schlafstörungen verursachen. Bei entsprechenden Symptomen ist eine deutliche Reduktion oder vorübergehende Karenz (Verzicht) angezeigt.
Kaffeekonsum innerhalb der empfohlenen Gesamtmenge ist keine Indikation zum Abstillen, zum Auslassen einer Stillmahlzeit oder zum Abpumpen und Verwerfen der Muttermilch.
Literatur
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- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln einschließlich Energy-Drinks. FAQ vom 5. Januar 2026. Website
- National Institute of Child Health and Human Development: Caffeine. Drugs and Lactation Database (LactMed®). Aktualisiert am 15. April 2026. Website
- McCreedy A, Bird S, Brown LJ et al.: Effects of maternal caffeine consumption on the breastfed child: a systematic review. Swiss Med Wkly. 2018;148:w14665. doi:10.4414/smw.2018.14665
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- Oo CY, Burgio DE, Kuhn RC et al.: Pharmacokinetics of caffeine and its demethylated metabolites in lactation: predictions of milk to serum concentration ratios. Pharm Res. 1995;12(2):313-316. doi:10.1023/A:1016207832591
- Purkiewicz A, Pietrzak-Fiećko R, Sörgel F et al.: Caffeine, paraxanthine, theophylline, and theobromine content in human milk. Nutrients. 2022;14(11):2196. doi:10.3390/nu14112196
- Kozai S, Kato I, Mizuno N et al.: Caffeine concentrations in human milk donated to a human milk bank in Japan. J Hum Lact. 2024;40(2):307-313. doi:10.1177/08903344241231954
- Aranda JV, Beharry KD: Pharmacokinetics, pharmacodynamics and metabolism of caffeine in newborns. Semin Fetal Neonatal Med. 2020;25(6):101183. doi:10.1016/j.siny.2020.101183
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