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Stomapflege

Bei einem sogenannten Enterostoma handelt es sich um einen künstlichen Darmausgang, der im Rahmen eines darmchirurgischen Eingriffs angelegt wird. Dabei wird eine Darmschlinge durch die Bauchdecke an die Oberfläche geführt, sodass der Stuhl über diesen künstlichen Ausgang entleert werden kann. Dies bedeutet eine enorme hygienische Herausforderung im Bezug auf die Pflege eines solchen Stomas. Die Stomapflege (Synonym: Enterostomatherapie) ist ein zeitaufwendiges Unterfangen und bedeutet für den Patienten oftmals eine enorme Herausforderung, die intensive Patientenschulungen erforderlich macht.
Den Patienten sollte die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe empfohlen werden. Gerade die psychische Belastung der Patienten durch die gravierende Veränderung ihres Körpers sollte nicht unterschätzt werden. Dabei steht die soziale Reintegration (Wiedereingliederung) nach schwerer Krankheit oft im Vordergrund. Häufig wird das Enterostoma als Einschränkung der Lebensqualität erfahren, sodass ein alltäglicher Umgang schwerlich erlernt wird. Der Patient muss die Pflege mithilfe technischer und pflegerischer Materialien und Hilfsmittel erlernen. Die Reinigung und das Verbinden des Stomas, das heißt z. B. das Leeren eines Stomabeutels, ist ebenfalls Teil der Patientenschulung. Der Patient muss des Weiteren angewiesen werden auf kohlesäurehaltige Getränke sowie Gasbildungs-fördernde Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte und Kohl zu verzichten.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Hygienische Versorgung eines Enterostomas

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Es bestehen keine Kontraindikationen bei der Stomapflege, sie ist notwendiger Bestandteil der Hygiene und Pflege des Enterostomas. Wird das Stoma nicht mithilfe eines Stomabeutels versorgt, sondern gespült (Irrigationsmethode), verhält es sich anders (siehe Stoma-Irrigation).

Das Verfahren

Unmittelbar nach der Stomaanlage erfolgt die Anlage des Stomasystems (z. B. Ausstreifbeutel) unter Beachtung des Hautschutzes auf die zuvor gereinigte Haut. Im Anschluss an die Operation muss das Stoma acht Tage lang täglich kontrolliert werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Befunde in diesem Zeitraum können Blutungen, Schwellung, Retraktion (Sichzurückziehen) oder Prolaps (Vorfall), Nekrose (Absterben von Gewebe), bläulich-livide Verfärbung der Schleimhaut oder eine allergische Reaktion auf die Pflegematerialien sein. Des Weiteren muss beim Wechsel des Versorgungssystems die Nahtstelle gereinigt werden.

Die Pflege des Enterostomas ist direkt abhängig von der Art des Versorgungssystems. Die Stomaversorgung mit Beutel bietet eine Vielzahl an Versorgungssystemen, die regelmäßig gewechselt werden. Meist besteht ein solches System aus einer Platte mit einer Öffnung, die über das Enterstoma auf die Haut geklebt wird. An diese Platte kann ein Beutel befestigt werden, der den Stuhl auffängt. Die Haut und das Stoma selbst müssen gründlich gereinigt und gepflegt werden. Das Versorgungssystem ist meist auf die Haut aufgeklebt, sodass es zunächst vorsichtig gelöst werden muss. Die Haut und das Stoma werden mit warmem Wasser gereinigt. Dabei sollte immer in Richtung des Stomas gereinigt werden, um die Verschmutzung der Haut zu minimieren. Anschließend erfolgt eine Reinigung mit Kompressen. Haare in der Umgebung sollten entfernt werden. Bei Bedarf kann die Haut mit pflegenden Lotionen behandelt werden. Für das Aufkleben der Stomaplatte muss die Haut trocken sein. Zum Schluss wird der Beutel angebracht und gegebenenfalls mit einem Pflaster fixiert.

Mögliche Komplikationen [therapeutische Maßnahmen]

Frühkomplikationen (in den ersten 30 Tagen)

  • s. u. Enterostoma-Anlage (Anlage eines künstlichen Darmausgangs)

Spätkomplikationen (nach dem 30. postoperativen Tag)

  • Dehydratation/Körper verliert mehr Flüssigkeit, als er aufnimmt (mit Elektrolytstörungen/Abweichungen von der normalen Elektrolytkonzentration→ Exsikkose (Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers) (ca. 20 % der Ileeostomaträger)
  • Allergische Kontaktreaktion mit einer scharf umgrenzten Rötung der Haut [Erkennung des allergieauslösenden Stoffes und Vermeidung respektive Entfernung dieser Substanz]
  • Infektiöse Hautkomplikationen
    • Follikulitis (fleckige, entzündliche Veränderung der Haut durch eine Haarbalgentzündung)
    • Mykosen (Pilzerkrankungen)
  • Nahtrdehiszenz – teilweise bis komplette Ablösung des Stomas von der Haut; Wundränder klaffen auf [Auffüllen der Dehiszenz mit hydrokolloidem Puder und Abdichtung z. B. mit einem PU-Schaum]
  • Stomaretraktion (Einziehen des Stomas unter das Hautniveau) [nur revisionsbedürftig bei Funktionsstörungen des Stomas]
  • Parastomale Hernie (Risikofaktoren: Adipositas und erhöhter intraabdominaler Druck; Steroidbehandlung sekundäre Stomaanlage; häufigste Stomakomplikation: betrifft 40-50 % aller Stomapatienten; führt zu Stuhlentleerungsstörungen bis hin zum mechanischen Ileus)
  • Peristomale Dermatitis (Hautentzündung, die um das Stoma herum auftritt)
  • Spätabszess
  • Stomastenose (Verengung des Stomas bis zum Verschluss; Absetzen sogenannter "Bleistiftstühle") [in der Regel Stomaneuanlage]
  • Stomaprolaps (Vorfallen des Darms (Darm schiebt sich durch das Stoma nach außen); Risikofaktoren: Adipositas und erhöhter intraabdominaler Druck)
  • Spätkomplikationen im ambulanten Bereich
    • Dehydratation/Körper verliert mehr Flüssigkeit, als er aufnimmt (mit Elektrolytstörungen/Abweichungen von der normalen Elektrolytkonzentration)
    • nicht passgenaues Ausschneiden der Stomaplatte
      • zu groß ausgeschnittene Stomaplatte kann zu Hautirritationen führen
      • zu kleinausgeschnittene Stomaplatte führt zu Erosionen der Mukosa/Darmschleimhaut (mit evtl. Blutungen)
    • fehlerhafte zeitliche Wechsel der Stomaplatte

Beachte: Eine chirurgische Revision ist nur dann erforderlich, wenn Beschwerden persistieren und eine Funktionsbeeinträchtigung des Stomas vorliegt bei gleichzeitigem Versagen konservativer Maßnahmen.

Literatur

  1. Weise K, Hirner A: Chirurgie. Georg Thieme Verlag 2008
  2. Reutter et al.:  Chirurgie essentials: Intensivkurs zur Weiterbildung. Georg Thieme Verlag 2004
  3. Schumpelick V: Operationsatlas Chirurgie. Georg Thieme Verlag 2009
  4. Largiadèr F et al.: Checkliste Chirurgie. Georg Thieme Verlag 2012
  5. Bleese N et al.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Georg Thieme Verlag 2010
     
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