Coblation-Conchotomie (Nasenmuschelverkleinerung)

Bei der Coblation-Conchotomie (Synonyme: Muschelreduktion, Nasenmuschelverkleinerung; engl.: turbinectomy) handelt es sich um ein minimal-invasives operatives Verfahren zur (chirurgischen) Verkleinerung von vergrößerten Nasenmuscheln (Conchae nasales). Es wird bei der Behandlung von veränderten Nasenmuscheln, die die Atmung beeinträchtigen, als Therapiemaßnahme eingesetzt. Die sogenannte Coblation® ("Controlled Ablation"; "Cold Ablation"; Synonyme: Radiofrequenzchirurgie, Radiofrequenztherapie) ist ein technisches Verfahren zur schonenden Gewebeabtragung. Das Verfahren der Coblation nutzt bipolare Radiofrequenzenergie, um Weichgewebe zielgerichtet zu entfernen, ohne durch die Entwicklung hoher Temperaturen umliegendes, gesundes Gewebe zu schädigen. Die Coblation eignet sich somit für die schonende Durchführung einer Conchotomie.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • anatomische Varianten der Nasenmuscheln
  • chronische nasale Dysfunktion – mit reflektorischer, kompensatorischer Hyperplasie des Gewebes (übermäßiges Wachstum)
  • hyperreflektorische Rhinitis bzw. vasomotorische Rhinopathie – starke wässrige Sekretion der Nasenschleimhaut durch eine von äußeren oder inneren Faktoren ausgelöste Fehlfunktion
  • Mukosahyperplasie – Überschuss an Nasenmuschelschleimhaut
  • Septumdeviation (Nasenscheidewandverkrümmung) mit reflektorischer, kompensatorischer Hyperplasie des Gewebes
  • Trauma (Verletzung) der Nasenmuscheln mit reflektorischer, kompensatorischer Hyperplasie des Gewebes
  • Vergrößerung des knöchernen Anteils der Nasenmuscheln
  • Weichteilgewebeveränderungen, die z. B. chronisch, medikamentös induziert bzw. hormonell bedingt sein können 

Kontraindikationen

Liegt eine Infektion vor, so sollte keinesfalls eine Conchotomie durchgeführt werden. Insbesondere Symptome im Hals-Nasen-Ohren-Bereich wie Schnupfen sollten als absolute Kontraindikationen angesehen werden.

Vor der Operation

Vor dem Eingriff muss der Patient über die Risiken der Operation aufgeklärt werden und dieser schriftlich zustimmen. Auch das Absetzen von Antikoagulantien (blutverdünnende Medikamente) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Marcumar sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Durch das kurzzeitige Aussetzen der Medikamenteneinnahme wird das Risiko für Nachblutungen deutlich minimiert, ohne dass eine signifikante Risikozunahme für den Patienten besteht. Des Weiteren ist der Patient auf Störungen der Wundheilung hinzuweisen, die in Zusammenhang mit Nikotinkonsum stehen können.

Das Verfahren

Der Eingriff wird ambulant durchgeführt und ist von kurzer Dauer (10 min). Er wird im Regelfall in Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) durchgeführt.
Bei der Coblation im Rahmen der Conchotomie, werden spezielle Einmalsonden verwendet, über die bipolare Radiofrequenzenergie ins Gewebe appliziert werden kann. Parallel zur Entfernung des Gewebes wird das Operationsareal mit Kochsalzlösung gespült. Dabei werden die Elektrolyte (Kochsalzlösung) unter Verwendung von Hochfrequenzenergie in einem leitfähigen Medium zur Bildung eines sogenannten Plasmafeldes angeregt. Dieses besteht aus ionisierten Teilchen, mithilfe deren Energie organische Molekülverbindungen gespaltet werden können. Die gezielte Gabe von Kochsalzlösung ins Operationsgebiet stellt die Basis für die Erzeugung des Plasmafeldes dar, bei dem die Kochsalzlösung als Leitmedium dient. Durch das Plasmafeld können Zellkontakte durchbrochen werden, sodass eine molekulare Auftrennung des Zielgewebes erfolgt. Die hyperplastischen Areal der Nasenmuscheln können so effektiv entfernt werden. Anders als bei der radiofrequenzinduzierten Thermotherapie wird die Temperatur des Gewebes nur auf ungefähr 50-70 °C erhöht. Auf Grund dessen stellt die Coblation® ein schonendes Verfahren dar.

Nach der Operation

Die postoperative Kühlung der Nase ist zu empfehlen, da so Schwellungen und gegebenenfalls auch Nachblutungen reduziert werden können. Im Anschluss an den Eingriff kann der Patient nach Hause gehen. Die Besserung der Nasenatmung stellt sich innerhalb einer Woche ein.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass
eine ca. 50%ige Verbesserung der Nasenatmung innerhalb einer Woche auftritt. Die Patienten berichten über eine lang anhaltende Befreiung nach 3, 6 und 12 Monaten.

Mögliche Komplikationen

  • Nachblutung
  • Wundinfektionen
  • postoperative Atemwegsinfektionen
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen im Operationsareal
  • Empty Nose Syndrom (ENS) (Synonyme: Syndrom der leeren Nase, auch „Offene Nase“) – Bei diesem Syndrom handelt es sich um eine verstärkte Trockenheit im Nasenareal, welche durch die Entfernung des Muschelgewebes entstehen kann. Viele Patienten haben infolgedessen auch Verkrustungen und leiden unter Kurzatmigkeit. Dieses erscheint paradox, da nach einer Nasenmuschelverkleinerung mehr Platz für die ein- und ausströmende Luft vorhanden ist.
    Die Nasenmuscheln selbst dienen der Befeuchtung der Nase (Klimatisierung), sodass eine vermehrte Entfernung dieses Gewebes dazu führt, dass die Nasenmuscheln ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können und somit die Nase austrocknet.
  • Ozaena (Stinknase) – In sehr seltenen Fällen kann es nach der Operation zu einer Ausbildung der sogenannten Stinknase kommen, die dadurch charakterisiert wird, dass sie sich mit trockenen Krusten zusetzt, die von Bakterien besiedelt werden. Trotz dieser relativ schweren Komplikation besteht die Möglichkeit der Abheilung innerhalb kurzer Zeit, da die Schleimhaut der Nasenmuscheln sehr regenerationsfähig ist.

Literatur

  1. Eckardt A: Praxis LWS-Erkrankungen: Diagnose und Therapie. Springer Verlag 2011
  2. Ahrens M et al.: Minimal invasive Wirbelsäulen-Intervention. Deutscher Ärzteverlag 2009
  3. Strutz J, Mann WJ: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Georg Thieme Verlag 2009
  4. Zenner HP: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten. Schattauer Verlag 2008
  5. Boenninghaus HG: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer Verlag 2007
  6. Arnold W: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Georg Thieme Verlag 2005

     
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