Nebenschilddrüsenszintigraphie

Die Nebenschilddrüsenszintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren zur Darstellung der Glandulae parathyreoideae (Nebenschilddrüsen). Die Nebenschilddrüsen werden auch als Epithelkörperchen bezeichnet und sekretieren als hormonelle Drüsen lebenswichtige Hormone, die für den Knochenstoffwechsel bzw. den Calciumhaushalt essentiell sind. Als Szintigraphie wird ein bildgebendes Verfahren bezeichnet, in dessen Verlauf den Patienten ein Radionuklid (radioaktiver Stoff, sogenannter Tracer) appliziert wird. Im sogenannten Szintigramm kann anschließend die Strahlung, die sich zuvor im zu untersuchenden Organ angereichert hat mit einer speziellen Kamera (Gammakamera) visualisiert werden. Die so entstandenen Bilder können diagnostisch verwertet werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Präoperative Darstellung von Adenomen und Hyperplasien der Nebenschilddrüse bei primärem Hyperparathyreoidismus (HPT): Die Darstellung der Nebenschilddrüse erfolgt vor allem zur Lokalisation von Adenomen oder Hyperplasien der Nebenschilddrüsen, wenn dies mit anderen bildgebenden Verfahren nur ungenügend möglich ist. Vor einem operativen Eingriff dient dies zur genaueren Planung und Optimierung der Entfernung von Adenomen bzw. Hyperplasien. Bei einem Adenom handelt es sich um eine primär gutartige Neubildung von Drüsengewebe, die bösartig entarten kann. Eine Hyperplasie ist eine Vermehrung eines Gewebes durch Zunahme der Zellzahl, nicht aber der Zellgröße. Das medizinische Problem einer Vermehrung des Drüsengewebes ist die damit einhergehende verstärkte Ausscheidung von Schilddrüsenhormonen, die z. B. zum Hyperparathyreoidismus führen kann. Bei dieser Erkrankung wird das Hormon Parathormon vermehrt ausgeschüttet, dies führt zur Störung des Calciumhaushaltes. Folgen dieser Störungen sind Osteoporose (Knochenschwund) aufgrund einer vermehrten Calciumfreisetzung aus dem Knochen, Nephrolithiasis (Nierensteine) aufgrund einer vermehrten Calciumexkretion (-Ausscheidung) in den Urin, Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung) durch Ablagerung von Calcium und Phosphat in den Gefäßen sowie weitere, zum Teil unspezifische Symptome.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Relative Kontraindikationen

  • Laktationsphase (Stillphase) – das Stillen muss für 48 Stunden unterbrochen werden, um eine Gefährdung des Kindes zu verhindern.
  • Wiederholungsuntersuchung – innerhalb von drei Monaten sollte auf Grund der Strahlenbelastung keine Wiederholung einer Szintigraphie durchgeführt werden.

Absolute Kontraindikationen

  • Gravidität (Schwangerschaft)

Vor der Untersuchung

  • Der Patient sollte über die Risiken und den Nutzen des Eingriffs aufgeklärt werden.
  • Eine Schwangerschaft sollte anamnestisch ausgeschlossen werden.
  • Eine spezielle Patientenvorbereitung entfällt.

Das Verfahren

  • Als Radionuklid wird in der Regel 99mTc-MIBI (99mTechnetium-Methoxyisobutyl-Isonitril) verwendet. Der Stoff MIBI (Methoxyisobutyl-Isonitril) lagert sich besonders gut in Mitochondrien an. Diese kleinen Zellorganellen werden auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet und stellen große Teile der Energie dem Zellstoffwechsel zur Verfügung. In den Nebenschilddrüsen gibt es eine Zellart, die besonders durch ihren hohen Anteil an Mitochondrien histologisch charakterisiert ist (sogenannte oxyphile Zellen). Aus diesem Grund lagert sich 99mTc-MIBI in den Nebenschilddrüsen an.
  • Die Durchführung der Nebenschilddrüsenszintigraphie verläuft wie folgt: Der Patient befindet sich in Rückenlage und bekommt 600-800 MBq (Einheit für Radioaktivität) 99mTc-MIBI injiziert. Anschließend werden mehrere Aufnahmen angefertigt, zunächst nach 10-15 Minuten, dann nach ca. 2 Stunden. Zusätzlich kann eine weitere Frühaufnahme angefertigt werden, um die Dynamik der 99mTc-MIBI-Anreicherung zu dokumentieren.
  • Ergänzend werden häufig SPECT-Aufnahmen (Single-Photon-Emissionscomputertomographie) gemacht, um eine bessere räumliche Darstellung der Befunde zu ermöglichen. Die Aufnahmen umfassen von der Schädelbasis ausgehend den gesamten Hals, sowie den Thorax bis hin zum Diaphragma (Zwerchfell).
  • Um die Nebenschilddrüsen klar von der Schilddrüse abzugrenzen, wird eine Subtraktionsszintigraphie durchgeführt. Da sich 99mTc-MIBI auch in der Schilddrüse anlagert, entsteht eine Art Hintergrundrauschen, sodass die Epithelkörperchen schlecht abgegrenzt werden können. Bei der Subtraktionszintigraphie wird z. B. zunächst nur 99mTc injiziert und eine Szintigraphie der Schilddrüse angefertigt. Diese Aufnahme entspricht dem Hintergrundrauschen der eigentlichen Nebenschilddrüsenszintigraphie. Nun kann dieses Bild von der Aufnahme mit 99mTc-MIBI „subtrahiert” werden, sodass die Nebenschilddrüsen abgegrenzt werden können.

Mögliche Komplikationen

  • Bei der intravenösen Applikation des Radiopharmakons kann es zu lokalen Gefäß- und Nervenläsionen (Verletzungen) kommen.
  • Die Strahlenbelastung durch das verwendete Radionuklid ist eher als gering einzustufen. Trotzdem ist das theoretische Risiko eines strahleninduzierten Spätmalignoms (Leukämie oder Karzinom) erhöht, sodass eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.

Literatur

  1. Siewert JR, Rothmund M, Schumpelick M: Praxis der Viszeralchirurgie: Endokrine Chirurgie. Springer Verlag 2007
  2. Hermann  HJ: Nuklearmedizin. Elsevier Verlag 2004
  3. Elser H: Leitfaden Nuklearmedizin. Birkhäuser Verlag 2003

     
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