Serum-Aldosteron-Renin-Quotient

Der Serum-Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ; Aldosteron-Renin-Ratio, ARR) ist ein Screening-Parameter zur Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus (krankhaft erhöhte Produktion des Hormons Aldosteron in der Nebenniere). Er basiert auf der gleichzeitigen Bestimmung von Aldosteron und Renin (Hormon der Niere zur Regulation des Blutdrucks) und dient dem Nachweis einer unangemessen hohen Aldosteronsekretion bei supprimiertem Renin.

Der Begriff Conn-Syndrom (bestimmte Form des primären Hyperaldosteronismus) wird heute enger verwendet und bezeichnet eine Form des primären Hyperaldosteronismus, klassischerweise durch ein Aldosteron-produzierendes Adenom (gutartiger Tumor). Leitliniengerecht sollte für das übergeordnete Krankheitsbild primärer Hyperaldosteronismus verwendet werden, da häufig auch eine bilaterale Nebennierenhyperplasie (beidseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde) vorliegt.

Synonyme

  • Serum-Aldosteron-Renin-Quotient
  • Aldosteron-Renin-Quotient
  • Aldosteron-Renin-Verhältnis
  • ARQ
  • ARR (aldosterone-to-renin ratio)

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum oder Plasma für Aldosteron
    • EDTA-Plasma für direkte Reninkonzentration oder Material für die Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität
    • Beide Parameter sollten unter standardisierten Bedingungen und möglichst zeitgleich bestimmt werden
  • Vorbereitung des Patienten
    • Morgendliche Blutentnahme unter standardisierten Bedingungen
    • Für das Screening bevorzugt Blutentnahme im Sitzen nach vorheriger Ruhephase; Körperlage und Entnahmebedingungen müssen standardisiert werden
    • In den Tagen vor der Untersuchung keine Natriumrestriktion
    • Kalium sollte parallel bestimmt und eine Hypokaliämie (zu niedriger Kaliumspiegel im Blut) vor der Testung nach Möglichkeit korrigiert werden, da niedrige Kaliumwerte zu falsch niedrigen Aldosteronwerten führen können
    • Wenn klinisch vertretbar, sollten interferierende Medikamente vor der Untersuchung angepasst oder pausiert werden
    • Besonders relevant sind:
      • Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten wie Spironolacton und Eplerenon
      • Kaliumsparende Diuretika wie Amilorid und Triamteren
      • Weitere Diuretika
      • ACE-Hemmer
      • Angiotensin-Rezeptorblocker
      • Renin-Inhibitoren
      • Betablocker
      • Zentrale Alpha-2-Agonisten
      • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel)
      • orale Kontrazeptiva/Östrogene (Antibabypille/weibliche Geschlechtshormone)
    • Wenn ein vollständiges Absetzen antihypertensiver Medikamente klinisch nicht vertretbar ist, ist eine Interpretation unter laufender Therapie möglich, jedoch nur mit entsprechender Vorsicht
    • Als überbrückende antihypertensive Medikation kommen insbesondere Doxazosin, Hydralazin, Prazosin, Terazosin oder Verapamil in Betracht
  • Störfaktoren
    • Körperlage
    • Tageszeit
    • Natriumzufuhr
    • Hypokaliämie
    • Höheres Alter
    • Eingeschränkte Nierenfunktion
    • Schwangerschaft
    • Stress und körperliche Aktivität
    • Maligne Hypertonie
    • Renovaskuläre Hypertonie
    • Interferierende Medikamente
    • Unterschiedliche Bestimmungsmethoden für Aldosteron und Renin
    • Unterschiedliche Einheiten und laborinterne Cut-offs
  • Methode
    • Aldosteron: Immunoassay oder Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS)
    • Renin: direkte Reninkonzentration oder Plasma-Renin-Aktivität
    • Berechnung des Quotienten aus Aldosteron und Renin unter labor- und methodenspezifischer Validierung

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Einheit / Methode Referenzbereich / Cut-off
ARR: Aldosteron [ng/dl] / Plasma-Renin-Aktivität [ng/ml/h] laborabhängig; häufig unauffällig < 20, auffällig > 20-30
ARR: Aldosteron [pmol/l] / direkte Reninkonzentration [mU/l], Immunoassay laborabhängig; häufig auffällig > 70
ARR: Aldosteron [pmol/l] / direkte Reninkonzentration [mU/l], LC-MS/MS laborabhängig; häufig auffällig ab etwa > 50-55
ARR: Aldosteron [ng/dl] / direkte Reninkonzentration [mU/l], Immunoassay laborabhängig; häufig auffällig > 2,0-2,5
ARR: Aldosteron [ng/dl] / direkte Reninkonzentration [mU/l], LC-MS/MS laborabhängig; häufig auffällig ab etwa > 1,5-2,0

Grenzwerte sind methoden-, einheiten- und laborabhängig und müssen lokal validiert werden. Der Quotient ist immer zusammen mit dem absoluten Aldosteronwert zu interpretieren.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Screening auf primären Hyperaldosteronismus bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Resistente Hypertonie
  • Hypertonie mit spontaner oder diuretikainduzierter Hypokaliämie
  • Hypertonie bei Nebenniereninzidentalom (zufällig entdeckter Tumor der Nebenniere)
  • Hypertonie mit supprimiertem Renin
  • Früh beginnende Hypertonie oder positive Familienanamnese für frühzeitige Hypertonie-Manifestation oder Schlaganfall in jungem Alter
  • Verwandte ersten Grades von Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus
  • Abklärung bei Verdacht auf Conn-Syndrom

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Verdacht auf primären Hyperaldosteronismus
    • Typische Konstellation: erhöhtes oder unangemessen normales Aldosteron bei supprimiertem Renin
    • Conn-Syndrom als Form des primären Hyperaldosteronismus
  • Erniedrigte Werte
    • In der Regel kein Hinweis auf primären Hyperaldosteronismus
    • Unter laufender Medikation oder bei nicht standardisierter Präanalytik ist ein unauffälliger Quotient jedoch nicht sicher ausschließend
  • Spezifische Konstellationen
    • Ein erhöhter ARR ist ein Screeningbefund und beweist die Diagnose nicht.
    • Ein isolierter Quotient ist diagnostisch nicht ausreichend; die Interpretation erfolgt immer gemeinsam mit Aldosteron, Renin, Kalium, Präanalytik und klinischem Kontext.
    • Sekundärer Hyperaldosteronismus zeigt typischerweise erhöhte Renin- und Aldosteronwerte; der Quotient ist dann häufig nicht typisch für primären Hyperaldosteronismus.
    • Bei spontaner Hypokaliämie, supprimiertem Renin sowie einer Plasma-Aldosteron-Konzentration > 20 ng/dl kann in ausgewählten Fällen auf einen Bestätigungstest verzichtet werden.

Weiterführende Diagnostik

  • Aldosteron als Einzelwert
  • Renin
    • direkte Reninkonzentration oder Plasma-Renin-Aktivität
  • Kalium
  • Natrium
  • Kreatinin bzw. Nierenfunktion
  • Bestätigungstests bei positivem Screening
    • Kochsalzbelastungstest
    • Oraler Salzbelastungstest
    • Fludrocortison-Suppressionstest
    • Captopril-Test
  • Bildgebung
    • Computertomographie (CT) der Nebennieren
  • Nebennierenvenensampling zur Subtypisierung vor geplanter operativer Therapie

Literatur

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