Östron (E1)

Östron (E1) (ein weibliches Geschlechtshormon) ist ein natürliches Estrogen (Östrogen) und gehört neben Östradiol (stärkstes natürliches Östrogen) und Östriol (schwächeres Schwangerschaftsöstrogen) zu den drei physiologisch relevanten Estrogenen (Östrogenen). Es entsteht überwiegend durch Aromatisierung (Umwandlung durch ein Enzym) von Androstendion (Vorstufe von Geschlechtshormonen) in peripheren Geweben (Körpergeweben außerhalb der Keimdrüsen). Nach der Menopause (Zeit nach der letzten Regelblutung) ist Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) das quantitativ wichtigste zirkulierende Estrogen (im Blut vorhandenes Östrogen) [1, 2].

In der klinischen Labordiagnostik (Untersuchung von Blutwerten) dient die Bestimmung von Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) vor allem der Beurteilung des Estrogenstatus (Hormonstatus der Östrogene) in der Postmenopause (Zeit nach den Wechseljahren), der Einordnung adipositasassoziierter Hormonkonstellationen (hormonelle Veränderungen bei Übergewicht), der Beurteilung unter aromatasehemmender Therapie (Behandlung mit Medikamenten, die die Östrogenbildung hemmen) sowie in speziellen endokrinologischen Fragestellungen (Fragestellungen der Hormonmedizin). Für niedrige Konzentrationsbereiche ist die Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) (hochspezialisierte Labormethode zur genauen Messung von Substanzen) der bevorzugte analytische Ansatz, da Immunoassays (Standard-Labortests mit Antikörpern) insbesondere für Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) deutliche methodische Abweichungen zeigen können [2-4].

Synonyme

  • Estron
  • E1
  • Oestron
  • Estrogen E1

Das Verfahren

  • Benötigtes Material:
    • Serum
    • Plasma, methodenabhängig
  • Vorbereitung des Patienten:
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Bei prämenopausalen Frauen (Frauen vor den Wechseljahren) Zyklusphase (Zeitpunkt im Monatszyklus) dokumentieren
    • Hormontherapien (Behandlungen mit Hormonen) und aromatasehemmende Therapien (Medikamente zur Hemmung der Östrogenbildung) bei der Befundinterpretation berücksichtigen
  • Störfaktoren:
    • Adipositas (starkes Übergewicht) mit vermehrter peripherer Aromatisierung (vermehrte Umwandlung von Hormonen im Körpergewebe)
    • Exogene Estrogene (von außen zugeführte Östrogene)
    • Aromatasehemmer (Medikamente, die die Östrogenbildung hemmen)
    • Leberfunktionsstörungen (Erkrankungen der Leberfunktion) mit verändertem Steroidmetabolismus (veränderter Hormonstoffwechsel)
    • Methodenabhängige Kreuzreaktionen (Messfehler durch ähnliche Substanzen) und unzureichende Spezifität (fehlende Genauigkeit) bei Immunoassays (Standard-Labortests mit Antikörpern), insbesondere im Niedrigkonzentrationsbereich [2-4]
  • Methode:
    • Bevorzugt LC-MS/MS (hochspezialisierte Labormethode zur genauen Messung von Substanzen)
    • Immunoassays (Standard-Labortests mit Antikörpern) sind verfügbar, jedoch für niedrige Östronkonzentrationen (geringe Mengen des Hormons im Blut) deutlich störanfälliger und weniger spezifisch (weniger genau) [2-4]

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Frauen, prämenopausal (Frauen vor den Wechseljahren) Zyklusabhängig (abhängig vom Monatszyklus); labor- und methodenspezifische Referenzbereiche verwenden
Frauen, postmenopausal (Frauen nach den Wechseljahren) 22-122 pmol/L (ca. 6,0-33,2 pg/ml) bei LC-MS/MS (spezielle Labormethode) in einer Kohorte gesunder postmenopausaler Frauen [4]
Männer Labor- und methodenspezifische Referenzbereiche verwenden; Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) ist im Erwachsenenalter messbar und zeigt alters- sowie BMI-abhängige Variation (abhängig von Alter und Körpergewicht) [2, 5]

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Beurteilung des Estrogenstatus (Hormonstatus der Östrogene) in der Postmenopause (Zeit nach den Wechseljahren) [1, 2]
  • Einordnung adipositasassoziierter Hyperestrogenämie (erhöhte Östrogenspiegel bei Übergewicht)
  • Ergänzende Beurteilung bei unklaren postmenopausalen Blutungen (Blutungen nach den Wechseljahren) im endokrinologischen Gesamtkontext (im Rahmen der Hormonabklärung)
  • Therapiemonitoring (Überwachung einer Behandlung) unter aromatasehemmender Therapie (Medikamente zur Hemmung der Östrogenbildung), insbesondere bei sehr niedrigen Estrogenkonzentrationen (geringen Hormonspiegeln) [3, 4]
  • Erweiterte Diagnostik (weiterführende Abklärung) bei Verdacht auf hormonproduzierende Tumoren (hormonbildende Geschwülste) im Kontext weiterer Steroidparameter (weiterer Hormonwerte)
  • Ausgewählte Fragestellungen bei Gynäkomastie (Brustvergrößerung beim Mann) bzw. bei Störungen des Estrogen-Androgen-Gleichgewichts (Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Hormonen) [2, 5]

Interpretation

  • Erhöhte Werte:
    • Adipositas (starkes Übergewicht) mit gesteigerter extraglandulärer Aromatisierung (vermehrte Hormonumwandlung außerhalb der Drüsen) von Androstendion (Vorstufe von Geschlechtshormonen) zu Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) [1, 5]
    • Exogene Estrogenzufuhr (Zufuhr von Östrogenen von außen)
    • Selten hormonproduzierende Tumoren (hormonbildende Geschwülste)
    • Lebererkrankungen (Erkrankungen der Leber) mit verändertem Abbau von Steroidhormonen (Geschlechtshormonen)
  • Erniedrigte Werte:
    • Ausgeprägter Estrogenmangel (Mangel an weiblichen Hormonen)
    • Wirksame Aromatasehemmung (effektive Hemmung der Östrogenbildung) unter Therapie (Behandlung) [3, 4]
    • Selten Störungen der Steroidbiosynthese (Störungen der Hormonbildung)
  • Spezifische Konstellationen:
    • Nach der Menopause (Zeit nach der letzten Regelblutung) liegt Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) typischerweise höher als Östradiol (stärkstes natürliches Östrogen) und ist das dominierende zirkulierende Estrogen (wichtigstes im Blut vorhandenes Östrogen) [1, 2]
    • Bei älteren postmenopausalen Frauen (Frauen nach den Wechseljahren) ist Östron (ein weibliches Geschlechtshormon) ein starker Prädiktor (Vorhersagewert) für zirkulierendes Östradiol (im Blut vorhandenes Östrogen) [5]
    • Für die Verlaufsbeurteilung (Beurteilung im zeitlichen Verlauf) sehr niedriger Konzentrationen (geringer Hormonspiegel) ist LC-MS/MS (hochspezialisierte Labormethode) dem Immunoassay (Standard-Labortest mit Antikörpern) vorzuziehen [2-4]

Weiterführende Diagnostik

  • Östradiol
  • Östriol
  • FSH (Follikelstimulierendes Hormon), LH (Luteinisierendes Hormon)
  • Androstendion
  • Testosteron
  • DHEA-S (Dehydroepiandrosteronsulfat)
  • SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
  • Bei klinischer Indikation transvaginale Sonographie (Ultraschalluntersuchung über die Scheide) bzw. weitere bildgebende Diagnostik (Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren)

Literatur

  1. Motlani V, Motlani G, Pamnani S, Sahu A, Acharya N. Endocrine Changes in Postmenopausal Women: A Comprehensive View. Cureus. 2023;15(12):e51287. https://doi.org/10.7759/cureus.51287
  2. Mezzullo M, Pelusi C, Fazzini A, Repaci A, Di Dalmazi G, Gambineri A, Pagotto U, Fanelli F. Female and male serum reference intervals for challenging sex and precursor steroids by liquid chromatography-tandem mass spectrometry. J Steroid Biochem Mol Biol. 2020;197:105538. https://doi.org/10.1016/j.jsbmb.2019.105538
  3. van Winden LJ, Kok M, Acda M, Dezentje V, Linn S, Shi RZ, van Rossum HH. Simultaneous analysis of E1 and E2 by LC-MS/MS in healthy volunteers: estimation of reference intervals and comparison with a conventional E2 immunoassay. J Chromatogr B Analyt Technol Biomed Life Sci. 2021;1178:122563. https://doi.org/10.1016/j.jchromb.2021.122563
  4. Bertelsen BE, Kellmann R, Viste K, Løvbak SG, Hvilsom GB, Bjørke-Monsen AL, Djøseland O, Sagen JV, Mellgren G, Lunde S, et al. An ultrasensitive routine LC-MS/MS method for estradiol and estrone in the clinically relevant sub-picomolar range. J Endocr Soc. 2020;4(6):bvaa047. https://doi.org/10.1210/jendso/bvaa047
  5. Davis SR, Martinez-Garcia A, Robinson PJ, Handelsman DJ, Desai R, Wolfe R, Bell RJ; ASPREE Investigator Group. Estrone Is a Strong Predictor of Circulating Estradiol in Women Age 70 Years and Older. J Clin Endocrinol Metab. 2020;105(9):e3348-e3354. https://doi.org/10.1210/clinem/dgaa429