Katecholamine im Urin

Katecholamine im Urin umfassen die Bestimmung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin sowie – je nach Fragestellung – ihrer Metabolite im Urin. Katecholamine sind biogene Amine und wirken als Neurotransmitter (Botenstoffe des Nervensystems) und Hormone. In der klinischen Labordiagnostik hat die Bestimmung der Katecholamine im Urin heute vor allem eine ergänzende Bedeutung. Für die Primärdiagnostik eines Phäochromozytoms/Paraganglioms (Tumor des Nebennierenmarks/extraadrenales Nebennierenmarktumor) sind freie Metanephrine im Plasma oder fraktionierte Metanephrine im 24-h-Urin den Urin-Katecholaminen diagnostisch überlegen [1-4]. Bei Neuroblastomen (bösartige Tumoren des Nervengewebes) bleiben Homovanillinsäure (HVA) und Vanillinmandelsäure (VMA) im Urin klinisch relevant [1, 2, 5].

Synonyme

  • Urin-Katecholamine
  • Katecholaminausscheidung im Urin
  • Adrenalin/Noradrenalin/Dopamin im Urin
  • Urinary catecholamines

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Bevorzugt 24-h-Sammelurin mit exakter Angabe der Sammelmenge
  • Präanalytik und Stabilisierung nach Vorgabe des ausführenden Labors
  • Je nach Laborverfahren gekühlter Sammelurin oder Sammelurin mit geeignetem Stabilisator
  • Bei pädiatrischer Spezialdiagnostik (spezieller Diagnostik bei Kindern) sind in Einzelfällen auch Spot-Urin-Proben mit Kreatinin-Bezug möglich, dies ist jedoch methoden- und laborabhängig [5]

Vorbereitung des Patienten

  • Körperliche Belastung, akuten Stress, Nikotin, Alkohol und Koffein vor und während der Sammelperiode möglichst vermeiden
  • Interferierende Medikamente und Substanzen vor der Untersuchung prüfen, insbesondere Sympathomimetika, trizyklische Antidepressiva, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Monoaminooxidase-Hemmer, Alpha-Methyldopa, L-DOPA sowie Kokain [1-4]
  • Ein Absetzen potenziell interferierender Medikamente darf nur nach individueller ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen
  • Die laborindividuellen Präanalytik-Vorgaben sind verbindlich zu beachten

Störfaktoren

  • Unvollständige 24-h-Sammlung
  • Fehlende oder fehlerhafte Angabe der Sammelmenge
  • Unzureichende Kühlung oder nicht adäquate Stabilisierung entsprechend dem Laborverfahren
  • Körperliche Aktivität, Schmerz, Angst, Hypoglykämie (Unterzuckerung), akute Erkrankungen und Myokardinfarkt (Herzinfarkt), schwerer Stress
  • Medikamente und Drogen mit Einfluss auf Katecholamine oder Metanephrine
  • Nierenfunktionsstörungen (Störungen der Nierenfunktion) können die Interpretation urinbasierter Analysen erschweren

Methode

  • Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) mit elektrochemischer Detektion
  • Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS)
  • Im modernen diagnostischen Setting werden fraktionierte Metanephrine methodisch höher bewertet als Urin-Katecholamine [1-4]

Normbereiche (je nach Labor)

Analyt Referenzbereich
Adrenalin im Urin Methoden- und laborabhängig
Noradrenalin im Urin Methoden- und laborabhängig
Dopamin im Urin Methoden- und laborabhängig
Metanephrin/Normetanephrin im Urin Methoden- und laborabhängig
Vanillinmandelsäure (VMA) Methoden-, alters- und laborabhängig
Homovanillinsäure (HVA) Methoden-, alters- und laborabhängig

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für die Befundinterpretation sind ausschließlich die vom jeweils ausführenden Labor angegebenen Referenzbereiche zu verwenden [1-5].

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Ergänzende Diagnostik bei Verdacht auf Katecholamin-produzierende Tumoren
  • Spezielle pädiatrisch-onkologische Diagnostik (Diagnostik bei krebskranken Kindern), insbesondere bei Verdacht auf Neuroblastom
  • Verlaufskontrolle in ausgewählten spezialisierten Konstellationen unter Verwendung derselben Methode und möglichst desselben Labors

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Katecholamin-produzierende Tumoren; diagnostisch jedoch weniger sensitiv und spezifisch als Metanephrine bei Phäochromozytom/Paragangliom [1-4]
    • Neuroblastom; hierbei sind insbesondere HVA und VMA relevant [2, 5]
    • Physiologische oder sekundäre Ursachen wie Stress, körperliche Belastung, Hypoglykämie, akute Erkrankungen und Myokardinfarkt
    • Arzneimittel- oder substanzbedingte Erhöhungen
  • Erniedrigte Werte
    • In der Regel keine eigenständige diagnostische Bedeutung
  • Spezifische Konstellationen
    • Normale Urin-Katecholamine schließen ein Phäochromozytom/Paragangliom nicht sicher aus [1-4]
    • Grenzwertige Befunde müssen immer unter Berücksichtigung von Klinik, Präanalytik, Medikation und weiterführender Stufendiagnostik (schrittweise weitere Diagnostik) interpretiert werden

Weiterführende Diagnostik

  • Bei Verdacht auf Phäochromozytom/Paragangliom: freie Metanephrine im Plasma oder fraktionierte Metanephrine im 24-h-Urin [1-4]
  • Bei grenzwertigen Befunden: weiterführende Diagnostik in spezialisierten Zentren
  • Nach positiver biochemischer Diagnostik: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), gegebenenfalls ergänzt durch funktionelle Bildgebung
  • Bei gesichertem oder hochwahrscheinlichem Phäochromozytom/Paragangliom: humangenetische Abklärung (erbmedizinische Abklärung)
  • Bei Verdacht auf Neuroblastom: erweiterte onkologische Stufendiagnostik einschließlich bildgebender Verfahren

Klinische Hinweise

  • Die Bestimmung von Urin-Katecholaminen ist heute nicht die bevorzugte Erstlinientestung zum Nachweis eines Phäochromozytoms/Paraganglioms [1-4]
  • Die Bestimmung freier Metanephrine im Plasma gilt als besonders sensitive biochemische Untersuchung in der Primärdiagnostik des Phäochromozytoms/Paraganglioms [1-4]
  • Ein Clonidin-Suppressionstest ist eine Spezialuntersuchung bei ausgewählten Konstellationen mit grenzwertigen biochemischen Befunden und bezieht sich auf Plasma-Normetanephrin, nicht auf Urin-Katecholamine [3, 6]
  • Eine generelle Ansäuerung des Sammelurins mit Salzsäure ist heute nicht mehr universell für alle Verfahren vorgeschrieben; maßgeblich ist die jeweilige laborinterne Präanalytik [7, 8]
  • HVA und VMA sind für die Neuroblastomdiagnostik weiterhin etabliert; erweiterte Urin-Metabolitpanels können die diagnostische Leistungsfähigkeit zusätzlich verbessern [2, 5]

Literatur

  1. Eisenhofer G, Pamporaki C, Lenders JWM. Biochemical Assessment of Pheochromocytoma and Paraganglioma. Endocr Rev. 2023;44(5):862-909. https://doi.org/10.1210/endrev/bnad011
  2. Matser YAH, Verly IRN, van der Ham M et al.: Optimising urinary catecholamine metabolite diagnostics for neuroblastoma. Pediatr Blood Cancer. 2023;70(6):e30289. https://doi.org/10.1002/pbc.30289
  3. Fagundes GFC, Almeida MQ. Pitfalls in the Diagnostic Evaluation of Pheochromocytomas. J Endocr Soc. 2024;8(6):bvae078. https://doi.org/10.1210/jendso/bvae078
  4. Pamporaki C, Deutschbein T, Nakavachara P et al.: Diagnostic and Management Challenges in Pheochromocytoma and Paraganglioma: A Clinical Review. Horm Metab Res. 2026;58(4):220-234. https://doi.org/10.1055/a-2792-9643
  5. Casey RT, Hendriks E, Deal C et al.: International consensus statement on the diagnosis and management of phaeochromocytoma and paraganglioma in children and adolescents. Nat Rev Endocrinol. 2024;20(12):729-748. https://doi.org/10.1038/s41574-024-01024-5
  6. Remde H, Pamporaki C, Quinkler M et al.: Improved Diagnostic Accuracy of Clonidine Suppression Testing Using an Age-Related Cutoff for Plasma Normetanephrine. Hypertension. 2022;79(6):1257-1264. https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.122.19019
  7. Willemsen JJ, Ross HA, Lenders JWM, Sweep FCGJ. Stability of Urinary Fractionated Metanephrines and Catecholamines during Collection, Shipment, and Storage of Samples. Clin Chem. 2007;53(2):268-272. https://doi.org/10.1373/clinchem.2006.075218
  8. Peitzsch M, Pelzel D, Lattke P, Siegert G, Eisenhofer G. Preservation of urine free catecholamines and their free O-methylated metabolites with citric acid as an alternative to hydrochloric acid for LC-MS/MS-based analyses. Clin Chem Lab Med. 2016;54(1):37-43. https://doi.org/10.1515/cclm-2015-0044