Wie beeinflusst die Ernährung die Ausdauerleistung (z. B. Kohlenhydratverfügbarkeit)?

Für längere oder intensive Ausdauerbelastungen sind Kohlenhydrate der „Schnelltreibstoff“. Je besser die Kohlenhydratverfügbarkeit (gefüllte Glykogenspeicher in Muskeln und Leber + Zufuhr während der Belastung), desto länger lässt sich ein hohes Tempo halten, desto geringer ist das „Einbrechen“ am Ende. Eine dauerhafte Unterversorgung mit Energie/Kohlenhydraten schwächt Leistung, Regeneration und Gesundheit [1, 2, 5].

Warum Kohlenhydrate so wichtig sind

  • Glykogen ist die Speicherform der Kohlenhydrate in Muskeln und Leber:
    • Muskelglykogen: etwa 300-500 g (abhängig von Muskelmasse, Trainingszustand und Ernährung)
    • Leberglykogen: etwa 80-120 g
    • Gesamt: ca. 400-600 g, was etwa 1.600-2.400 kcal (Energie) entspricht.
    • Leeren sich diese Reserven, fällt das Leistungsniveau [1].
  • Bei hoher Intensität (> ~70 % VO₂max) dominiert die Kohlenhydratverbrennung. Ohne ausreichende Zufuhr sinkt die Pace (Laufgeschwindigkeit), die Technik leidet und das Verletzungsrisiko steigt [1, 2].
  • Genügend Kohlenhydrate vor und während der Einheit stabilisieren die Blutglucose (Blutzucker) und schonen Leberglykogen – das verzögert Ermüdung [1, 2].

Wie viel und wann?

Vor längeren/anspruchsvollen Einheiten oder Wettkämpfen

  • Trainingstage mit hoher Belastung: ~5-12 g Kohlenhydrate/kg Körpergewicht pro Tag (je nach Umfang/Intensität) [3, 4]
  • 1-4 Stunden vor dem Start: ~1-4 g/kg (individuell testen, was gut vertragen wird) [3]

Während der Belastung

  • Ab ~60 Minuten Dauer: 30-60 g Kohlenhydrate pro Stunde, bei sehr langen/harten Belastungen bis ~90 g/h (Glucose + Fructose-Kombinationen erhöhen die Aufnahme im Darm) [2, 4]
  • Geeignet sind Sportgetränke, Gels, Reiswaffeln, reife Banane, weiche Riegel; Trinken nicht vergessen [2, 4]

Nach der Belastung (erste 3-4 Stunden)

  • Ziel: Kohlenhydratspeicher schnell auffüllen. Richtwert: ~1,0-1,2 g Kohlenhydrate/kg pro Stunde gleichmäßig verteilt, plus Eiweiß (~20–30 g), um die Regeneration zu unterstützen [3, 4]

„Train low – compete high“ (mit wenig Kohlenhydraten trainieren, mit viel Kohlenhydraten starten)

  • Gelegentliche Einheiten mit niedriger Kohlenhydrat-Verfügbarkeit können Stoffwechselanpassungen (z. B. mehr Fettverbrennung) fördern, sind aber kein Automatismus für bessere Wettkampfzeiten. Die Gesamtleistung profitiert meist vom gezielt periodisierten Umgang mit Kohlenhydraten: harte Einheiten und Wettkämpfe hoch versorgen. [1]
  • Wichtig ist das Feintuning: Was gut vertragen wird, muss im Training ausprobiert werden (Magen-Darm-Verträglichkeit, Schweißverlust, Temperatur) [1, 2

Beispiel 1: Trainingstage mit hoher Belastung

Empfehlung: 5-12 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht und Tag [3, 4]

Körpergewicht Trainingsart Empfohlene Menge Beispielhafte Tagesration
60 kg Langer Lauf (90-120 min) 5-8 g/kg = 300-480 g Kohlenhydrate 1 Portion Haferflocken (60 g) + Banane, mittags Reis (150 g) + Gemüse, nachmittags Riegel (30 g), abends Kartoffeln (250 g) + Quark + Saftschorle
70 kg Intensiver Intervalltag 7-10 g/kg = 490-700 g Kohlenhydrate Frühstück: Müsli (80 g) + Joghurt + Obst, mittags Pasta (200 g), Snack: Smoothie + Banane, Abendessen: Reis (200 g) + Hähnchen + Gemüse
80 kg Wettkampftag Marathon 8-12 g/kg = 640-960 g Kohlenhydrate Kohlenhydrat-Loading über 2 Tage: mehrere Portionen Weißbrot, Nudeln, Reiswaffeln, Saft, Obst, Haferriegel

Tipp: Am Vortag eines langen Laufs oder Wettkampfs werden ballaststoffarme, leicht verdauliche Quellen (z. B. helle Pasta, Reis, Toast, Bananen) bevorzugt, um Magenbeschwerden zu vermeiden.

Beispiel 2: 1-4 Stunden vor dem Start

Empfehlung: 1-4 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht [3]

Körpergewicht Empfehlung (Kohlenhydrate) Beispielmahlzeit (3-4 h vor Start) Alternative (1 h vor Start)
60 kg 60-240 g 2 helle Brötchen mit Honig + Banane + Saft 1 Banane + halber Müsliriegel (~60 g)
70 kg 70-280 g Haferflocken (80 g) mit Milch + Obst + Fruchtsaft 1 Reiswaffel mit Honig + Banane
80 kg 80-320 g Weißbrot mit Marmelade, Saft, kleine Portion Pasta 1 Sportgel (~25 g Kohlenhydrate) + Getränk

Tipp: Die Menge sollte vorher im Training getestet werden – so findet man heraus, was gut vertragen wird. Ideal sind leicht verdauliche Kohlenhydrate (wenig Fett, wenig Ballaststoffe, keine großen Eiweißmengen).

Gesundheitsaspekt: Warnzeichen bei zu wenig Energie und Kohlenhydraten

Ein Energie- und Kohlenhydratdefizit kann u. a. zu Müdigkeit, Leistungsabfall, häufigen Infekten, Zyklusstörungen, schlechter Knochengesundheit und Stimmungsschwankungen führen. Das Risiko steigt bei dauerhaft zu niedriger Energie- und Kohlenhydratzufuhr im Vergleich zum Trainingsaufwand. Frühe Anpassung von Essen, Trinken und Belastung beugt vor [5].

Zusammenfassung

  • Plan statt Zufall: Kohlenhydratmenge an Belastungstagen hochfahren, an lockeren Tagen moderat halten (Ernährung periodisieren) [1, 3].
  • Mix testen: Glucose + Fructose (z. B. 2:1) erlaubt höhere Zufuhr pro Stunde – langsam herantasten (z. B. 30 → 60 → 90 g/h) [2].
  • Früh beginnen: Zufuhr ab der ersten Stunde starten, nicht erst „wenn’s eng wird“ [2].
  • Alltagstauglich: Haferflocken, Reis, Kartoffeln, Brot, Obst, Honig – einfache, gut verträgliche Quellen [3].
  • Regeneration mitdenken: Nach harten Einheiten Kohlenhydrate und Eiweiß einplanen, Schlaf priorisieren [3, 4].
  • Auf Körpersignale achten: Unerklärliche Müdigkeit, Leistungsabfall, Infektanfälligkeit oder Zyklusunregelmäßigkeiten ärztlich abklären [5].

Sichern Sie Ihre Energieversorgung bei intensiven Einheiten – Kohlenhydrate rechtzeitig ergänzen. Jetzt aktiv werden! (Anzeige)

Stark ins nächste Training – nach langen Einheiten Kohlenhydrate und Protein kombinieren. Jetzt besser regenerieren! (Anzeige)

Literatur

  1. Podlogar T, Wallis GA: New Horizons in Carbohydrate Research and Application for Endurance Athletes. Sports Med. 2022;52(Suppl 1):5-23. doi: 10.1007/s40279-022-01757-1.
  2. Jeukendrup AE: A Step Towards Personalized Sports Nutrition: Carbohydrate Intake During Exercise. Sports Med. 2014;44(Suppl 1):S25-S33. doi: 10.1007/s40279-014-0148-z.
  3. Thomas DT, Erdman KA, Burke LM: Position of the Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada, and the American College of Sports Medicine: Nutrition and Athletic Performance. J Acad Nutr Diet. 2016;116(3):501-528. doi: 10.1016/j.jand.2015.12.006.
  4. Kerksick CM, Wilborn CD, Roberts MD et al.: International Society of Sports Nutrition Position Stand: Nutrient Timing. J Int Soc Sports Nutr. 2017;14:33. doi: 10.1186/s12970-017-0189-4.
  5. Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey D et al.: 2023 International Olympic Committee’s (IOC) Consensus Statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med. 2023;57(17):1073-1097. doi: 10.1136/bjsports-2023-106994.