Bauchspeicheldrüsenultraschall (Pankreassonographie)

Bei der Pankreassonographie (Synonym: Ultraschall der Bauchspeicheldrüse) handelt es sich um ein nicht-invasives diagnostisches Verfahren der Radiologie und inneren Medizin, welches zur Erkennung von pathologischen (krankhaften) Prozessen des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) eingesetzt wird. Die sonographische Beurteilung des Pankreas kann mithilfe von verschiedenen Verfahren erfolgen. Sowohl die konventionelle Abdomensonographie als auch die endoskopische Sonographie lassen in unterschiedlichem Maße eine Beurteilung der anatomischen Strukturen des Pankreas zu. Außerdem kann die Sonographie des Pankreas noch zusätzlich durch Farb-Doppler-Verfahren (Farbdoppler) erweitert werden.

Beurteilbare Strukturen

  • Pankreaskopf, -körper und -schwanz: Die Sonographie erlaubt die Untersuchung der gesamten Bauchspeicheldrüse hinsichtlich Größe, Form und Echostruktur. Normale und pathologische Veränderungen wie Schwellungen, Atrophien oder Raumforderungen sind erkennbar.
  • Pankreasgang: Die Weite des Ductus pancreaticus (Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse) wird beurteilt. Eine Dilatation kann Hinweise auf eine Obstruktion durch Steine, Strikturen oder Tumoren geben.
  • Pseudozysten und Zysten: Charakteristische Echoeigenschaften helfen, diese flüssigkeitsgefüllten Strukturen zu identifizieren und von soliden Tumoren zu differenzieren.
  • Verkalkungen: Sonographisch lassen sich Verkalkungen im Pankreasgewebe erkennen, die häufig bei chronischer Pankreatitis auftreten.
  • Tumoren und Neoplasien: Unterschiedliche Echoeigenschaften von Tumoren ermöglichen eine vorläufige Charakterisierung und Lokalisierung von benignen und malignen Läsionen.
  • Vaskuläre Strukturen: Mithilfe des Farb-Doppler-Verfahrens können die Blutgefäße des Pankreas und ihre Durchblutung untersucht werden. Veränderungen in der Vaskularisation können auf Tumoren oder Entzündungen hinweisen.
  • Nebenstrukturen: Die Untersuchung beinhaltet auch die Beurteilung der angrenzenden Organe und Strukturen wie Milz, Leber, Gallenblase und große Blutgefäße (Aorta, Vena cava, Vena und Arteria lienalis), da Veränderungen dieser Organe Einfluss auf das Pankreas haben oder auf systemische Erkrankungen hinweisen können.
  • Lymphknoten: Vergrößerte Lymphknoten im Abdomen können auf entzündliche Prozesse oder metastatische Erkrankungen hinweisen und sind somit relevante Beurteilungskriterien.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Chronische Pankreatitis – die chronische Form der Pankreatitis zeichnet sich durch unspezifische Symptome wie Oberbauchschmerz und Unwohlsein aus. Aufgrund dessen ist es wichtig, bei den vorliegenden Symptomen die Erkrankung ausschließen oder feststellen zu können. Die Pankreassonographie spielt eine wichtige Rolle in der Erkennung der chronischen Pankreatitis. Zum Ausschluss der Erkrankung sind jedoch weitere Verfahren notwendig.
  • Pseudozysten – Pseudozysten zeichnen sich durch eine Begrenzung aus, die im Gegensatz zu echten Zysten aus narbigem Bindegewebe besteht. Als Folge des Gewebeunterganges enthalten Pseudozysten entweder seröse oder blutige Flüssigkeit. Des Weiteren ist es möglich, dass auch nekrotische (abgestorbene) Gewebereste am Aufbau der Pseudozyste beteiligt sind. Die konventionelle Sonographie stellt das Verfahren der Wahl zur Darstellung von Pseudozysten dar. Unter Umständen kann es jedoch notwendig sein, dass weitere diagnostische Verfahren wie die Computertomographie (CT) angezeigt sind. Pseudozysten treten häufig bei einer vorliegenden chronischen Pankreatitis auf. Auch mit Hilfe der Endosonographie (endoskopischer Ultraschall (EUS); Ultraschalluntersuchung, die von innen durchgeführt wird, d. h., dass der Ultraschallkopf mittels eines Endoskops (optisches Instrument) direkt mit der inneren Oberfläche (beispielsweise der Schleimhaut des Magens/Darms) in Kontakt gebracht wird.) lassen sich Pseudozysten gut darstellen.
  • Verdacht auf Raumforderungen (Tumor?)
  • Kalzifikationen – Verkalkungen im Pankreasgewebe lassen sich ebenfalls mit der konventionellen Sonographie sehr gut nachweisen. Auch Kalzifikationen können auf eine chronische Pankreatitis hindeuten.
  • Pankreasgangveränderungen – das Gangsystem des Pankreas lässt sich unter anderem mit der Sonographie darstellen. Veränderungen der Gänge treten vornehmlich bei chronischen Entzündungsprozessen und bei Tumoren auf.

Vor der Untersuchung

  • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich, allerdings kann eine Anpassung der Ernährung zur Reduktion von Darmgasen und somit zur Verbesserung der Bildqualität beitragen.
  • Bei endoskopischer Sonographie: Nüchternheit für einige Stunden vor der Untersuchung erforderlich.

Das Verfahren

Wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene Verfahren zur morphologischen Beurteilung des Pankreas. Zur Überprüfung der Funktion des Pankreas sind jedoch spezielle Verfahren notwendig, da durch die morphologische Beurteilung keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Funktion des Organs gezogen werden können. Bei den Funktionstests lassen sich direkte und indirekte Testverfahren unterscheiden.

Spezielle sonographische Verfahren

  • Konventionelle Pankreassonographie: Ermöglicht die Untersuchung des Pankreas von abdominal, Limitationen bei übergewichtigen Patienten oder Darmgasüberlagerung.
  • Endoskopische Sonographie (EUS): Hohe Auflösung und Nähe zu Pankreas erlauben detaillierte Darstellungen von Strukturen und kleinsten Läsionen. Ermöglicht Biopsien unter direkter Sicht.
  • Farb-Doppler-Sonographie: Bewertet die Durchblutung des Pankreas und umgebender Strukturen, hilfreich zur Differenzierung zwischen entzündlichen Prozessen und Tumoren.

Konventionelle Pankreassonographie

  • Die konventionelle Sonographie des Pankreas lässt eine ausgezeichnete morphologische Beurteilung des Pankreas zu, wobei das Verfahren als gefahrlose und kostengünstige Methode anzusehen ist.
  • Im Gegensatz zur Magnetresonanztomographie (MRT) und zur Computertomographie (CT) verfügt dieses Verfahren über den Vorteil, dass das Pankreas in nahezu allen möglichen Schnittebenen dargestellt werden kann, ohne dass der Patient mit Röntgenstrahlen belastet wird.
  • Allerdings ist bei der Pankreassonographie zu beachten, dass die sonographische Darstellung qualitativ durch die Lage des Pankreas im Retroperitoneum gemindert wird. Dennoch ist die Aussagekraft des Verfahrens als sehr gut zu beurteilen. 
  • Die Abdomensonographie bietet die Möglichkeit, sowohl Gangdilatationen des Pankreas (Ausweitungen der Gangstrukturen der Bauchspeicheldrüse) als auch Flüssigkeitsansammlungen und Kalzifikationen (Verkalkungen der Bauchspeicheldrüse) zu diagnostizieren. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Verfahrens erkannt wird, d. h. ein positiver Befund auftritt) bei der Diagnosestellung der vorliegenden Erkrankung einerseits vom Untersucher und andererseits von anatomischen Gegebenheiten abhängig ist. Somit lässt sich bei der konventionellen sonographischen Beurteilung des Pankreas eine Sensitivität von 48 % bis 90 % erreichen.
  • Weiterhin ist zu beachten, dass die Anwendung des Verfahrens mit einer relativ geringen Auflösung des Organs einhergeht. Dennoch lässt sich die Mehrzahl der morphologisch sichtbaren pathologischen Prozesse mit der Sonographie nachweisen.

Endoskopische Sonographie des Pankreas

  • Dieses sonographische Verfahren stellt zwar ein komplikationsreicheres Verfahren im Vergleich zur konventionellen Sonographie dar, allerdings lässt sich mithilfe der Endosonographie des Pankreas (endoskopischer Ultraschall der Bauchspeicheldrüse) eine sehr gute gleichzeitige Beurteilung sowohl der Gangstrukturen als auch des Parenchyms des Pankreas (Pankreasgewebe) durchführen. Im Vergleich zu anderen diagnostischen Methoden zur Beurteilung des Pankreas, wie zum Beispiel die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP), hat die Endosonographie des Pankreas in den vergangenen Jahren in der Diagnostik vieler Erkrankungen des Pankreas an Einfluss gewonnen, da die Sensitivität beispielsweise bei einer vorliegenden chronischen Pankreatitis (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung) sehr gut ist und die Komplikationsrate im Vergleich zur ERCP niedriger ist. Aufgrund dessen wird diese Methode von verschiedenen Fachärzten schon als Standardverfahren für die Diagnose der chronischen Pankreatitis bezeichnet.
  • Des Weiteren muss erwähnt werden, dass die Endosonographie insbesondere morphologische Veränderungen im Pankreaskopf und -korpus wegen der unmittelbaren Nähe zur Hinterwand des Magens präzise abbilden kann.

Farb-Doppler-Sonographie des Pankreas

  • Die Darstellung des Pankreas unter Anwendung der Farb-Doppler-Sonographie ermöglicht dem Untersucher eine adäquate Darstellung der Flusseigenschaften des Blutes im Gefäßsystem des Pankreas zu erstellen. Insbesondere raumfordernde Prozesse wie Neoplasien (Tumoren) und entzündungsassoziierte Schwellungen können die Flusseigenschaften verändern, sodass das Verfahren besonders zur Abklärung von entzündlichen und tumorösen Raumforderungen sowie von Pseudozysten und zystischen Tumoren eingesetzt wird.
  • Es ist jedoch anzumerken, dass bisher noch keine ausreichende Evaluation des diagnostischen Potentials der Farb-Doppler-Sonographie des Pankreas erfolgt ist.

Beurteilung des Pankreas

Als Leitstruktur dient die V. lienalis (dorsal ("zum Rücken hin") des Pankreas). Beurteilt werden Größe des Pankreas, die Homogenität und das Vorliegen von Raumforderungen.

Eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) stellt sich dadurch Schwellung und Unschärfe des Pankreas sowie durch Veränderungen der Homogenität dar. Ein Zeichen für eine chronische Pankreatitis sind Verkalkungen.

Bei Raumforderungen im Bereich des Pankreaskopfes oder der Papilla vateri (Einmündungssstelle des Ductus choledochus/Hauptgallengang ins Duodenum/Zwölffingerdarm) kommt es im Regelfall zur Dilatation (Erweiterung) des Ductus pancreaticus (Bauchspeicheldrüsengang; Normalwert: < 0,2 cm). Bei Vorliegen einer Dilatation besteht ein Verdacht auf eine Raumforderung im Pankreaskopf oder der Papilla Vateri.

Mögliche Befunde

  • Normalbefunde: Homogene Struktur des Pankreas ohne sichtbare Läsionen, normale Größe und Form, keine Dilatation des Pankreasganges.
  • Pathologische Befunde:
    • Chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung): Unregelmäßige Struktur, Verkalkungen, eventuell dilatierter Pankreasgang.
    • Pseudozysten: Flüssigkeitsgefüllte Raumforderungen ohne epitheliale Auskleidung, häufig im Kontext chronischer Pankreatitis.
    • Tumoren: Raumforderungen mit unterschiedlicher Echogenität; der Doppler kann zur Beurteilung der Vaskularisation (Gefäßbildung) herangezogen werden.
    • Akute Pankreatitis: Vergrößerung des Pankreas, unscharfe Konturen, erhöhte Echogenität.
    • Pankreasgangveränderungen: Dilatation (Ausweitungen) oder Irregularitäten des Pankreasganges, oft assoziiert mit Pankreatitis oder Tumoren.

Nach der Untersuchung

  • Bei endoskopischer Sonographie: Kurze Erholungsphase nach dem Eingriff, Überwachung auf mögliche Komplikationen.
  • Die Ergebnisse der Pankreassonographie liefern wertvolle Informationen für die Diagnosestellung und Therapieplanung von Pankreaserkrankungen.
  • Abhängig von den Befunden können weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden, darunter detailliertere Bildgebungsverfahren oder histologische Untersuchungen mittels Biopsie.
  • Die Auswahl weiterführender Maßnahmen basiert auf einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung und den spezifischen klinischen Erfordernissen.

Weiterführende Diagnostik

Bei unklaren Befunden oder zum Staging von Tumoren können weitere bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz kommen.

Literatur

  1. Weiser HF: Viszeralchirurgische Sonographie. Springer Verlag 2000
  2. König A, König U, Gress T: Diagnostik und Therapie der chronischen Pankreatitis. Der Internist. 2008. 49:695-710
  3. Grützmann R, Saeger HD: Chronische Pankreatitis. Allgemein- und Viszeralchirurgie. 2008. 2:431-454
  4. Hopt UT, Heydasch U: Chirurgische Relevanz bildgebender Diagnostik bei abdominellen Tumoren – Entscheidungswege beim Pankreas. Der Chirurg. 1997. 68:325-333
  5. Mahlke R, Lübbers H, Lankisch PG: Diagnostik und Therapie der chronischen Pankreatitis. Der Internist. 2005. 46:145-156