3D-Ultraschall

Für die werdende Mutter sind die regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen ein besonderes Erlebnis.
Auch für den zukünftigen Vater sind diese Termine angebracht. Das bildliche Erleben hilft ihnen, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.
Bisher war Ultraschall jedoch immer nur zweidimensional möglich. Mit der Entwicklung des 3D-Ultraschalls ist es nun möglich, das heranwachsende Baby räumlich – also dreidimensional – zu sehen.

Die
3D-Sonographie ermöglicht die dreidimensionale Darstellung des Feten. 


Beurteilbare Strukturen 

  • Fetale Anatomie: Vollständige dreidimensionale Visualisierung des Feten, inklusive Gesicht, Extremitäten, Rumpf und inneren Organen.
  • Gesichtsstrukturen: Detaillierte Darstellung von Augen, Nase, Mund und Ohranlagen. Besonders nützlich zur Erkennung von Anomalien wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Cheilognathopalatoschisis).
  • Skelettsystem: Beurteilung der Knochenstruktur, Erkennung von Skelettanomalien wie Spina bifida ("offener Rücken") oder Klumpfüße.
  • Herz und große Gefäße: Dreidimensionale Visualisierung des fetalen Herzens und der großen Gefäße zur Beurteilung von Herzfehlern (Vitien) wie Ventrikelseptumdefekt, Aortenisthmusstenose oder Fallot-Tetralogie.
  • Gehirn und Rückenmark: Einsicht in die Gehirnstrukturen und das Rückenmark, hilfreich bei der Diagnose von Neuralrohrdefekten oder Hydrozephalus (Wasserkopf).
  • Abdominale Organe: Überprüfung der Entwicklung und Lage von Magen, Nieren, Blase und Leber zur Erkennung möglicher Fehlbildungen.
  • Nabelschnur und Plazenta (Mutterkuchen): Beurteilung der Nabelschnurgefäße und der Plazentamorphologie.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Ein weiterer Vorteil liegt in der verbesserten Früherkennung von Fehlbildungen, zum Beispiel Fehlbildungen der Wirbelsäule – Spina bifida aperta (offene Wirbelsäule) – oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten – Cheilognathopalatoschisis.
  • Chromosomale Besonderheiten (z. B. Trisomie 21 (Down-Syndrom; Mongolismus), Trisomie 18 (Edwards-Syndrom), u. a.) können nicht diagnostiziert werden. Lediglich bestimmte körperliche Auffälligkeiten können Hinweise auf eine Chromosomenbesonderheit geben, sodass eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) zur genetischen Diagnostik in Erwägung gezogen werden kann.
  • Ein besonders wichtiges Einsatzgebiet ist der 3D-Sonographie des Herzens, um Vitien (Herzfehler des Ungeborenen) frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können:
    • Ventrikelseptumdefekt (häufigste angeborene Fehlbildung des Herzens (Herzfehler), bei der die Herzscheidewand zwischen den Ventrikeln (Septum interventriculare) nicht vollständig verschlossen ist. Der Ventrikelseptumdefekt gehört zu den sogenannten Shuntvitien.)
    • Persistierender Ductus arteriosus (PDA) – der sogenannte Ductus arteriosus (auch Ductus arteriosus Botalli oder Ductus Botalli genannt, nach Leonardo Botallo) stellt im fetalen (vorgeburtlichen) Blutkreislauf eine Verbindung zwischen Aorta und der Lungenarterie (Truncus pulmonalis) her. Es handelt sich um eine Umgehung der Lunge, da diese vor der Geburt noch nicht belüftet ist und somit die Durchblutung nicht erforderlich ist. Nach der Geburt verschließt sich diese Verbindung normalerweise, bei einem PDA nicht.
    • Fallot-Tetralogie – Kombination aus vier Herzfehlern (Pulmonalstenose (Verengung des großen Lungengefäßes), Ventrikelseptumdefekt, reitende Aorta (Fehllage der Aorta) und Rechtsherzhypertrophie (Vergrößerung des rechten Herzens))
    • Vorhofseptumdefekt (Verbindung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die einen Blutrückfluss verursacht)
    • Aortenisthmusstenose (ISTA; Synonym: Koarktation der Aorta: Coarctatio aortae) – Verengung der Aorta am Isthmus aortae im Bereich des Aortenbogens

Vor der 3D-Sonographie

  • Informationsaustausch: Eine ausführliche Besprechung zwischen dem Arzt und der werdenden Mutter bzw. den werdenden Eltern über den Zweck, die Möglichkeiten und die Grenzen der 3D-Sonographie. Besonders wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass diese Untersuchung nicht alle möglichen Fehlbildungen oder genetischen Anomalien aufdecken kann.
  • Terminplanung: Die Planung des optimalen Zeitfensters für die Untersuchung, um die gewünschten Informationen zu erhalten (z.B. 12. bis 16. Schwangerschaftswoche für Gesamtbilder des Feten oder 25. bis 33. Woche für Detailaufnahmen).
  • Vorbereitung der Schwangeren: Es sollte darauf hingewiesen werden, dass für die Untersuchung keine spezielle körperliche Vorbereitung erforderlich ist, außer vielleicht das Tragen bequemer Kleidung, die leicht angepasst oder entfernt werden kann, um Zugang zum Untersuchungsbereich zu ermöglichen.

Das Verfahren

Der Schallkopf nimmt drei zweidimensionale Bilder gleichzeitig auf – ein Computer erstellt aus diesen Daten dann das dreidimensionale Bild.

Der günstigste Zeitraum für 3D-Aufnahmen ist die 12. bis 16. Schwangerschaftswoche (für Bilder vom ganzen Ungeborenen) und die 25. bis 33. Schwangerschaftswoche (für eindrucksvolle Detailbilder einzelner Organe und Körperpartien des Ungeborenen). Auch frühere und spätere Untersuchungszeitpunkte sind prinzipiell möglich.

Im Mittelpunkt dieser Sonographie (Ultraschalluntersuchung) steht vor allem das Erlebnis der Eltern mit dem ungeborenen Kind. Des Weiteren liefert die 3D-Sonographie wichtige diagnostische Erkenntnisse, wenn Auffälligkeiten bei der normalen Sonographie weiterer Klärung bedürfen. Die 3D-Sonographie eignet sich besonders für die plastische Darstellung von Fehlbildungen des Körpers oder der Organe. Zwar ist die direkte Feststellung von chromosomalen Fehlbildungen (z. B. Trisomie 21 (Down-Syndrom; Mongolismus); Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)) nicht möglich, jedoch kann nach äußerlichen Merkmalen gefahndet werden.

Bei der nochmals weiterentwickelten 4-D-Sonographie kommt die Dimension Zeit hinzu, wodurch am Ultraschallmonitor ein sich ständig aktualisiertes, dreidimensionales Bild entsteht, in dem sich Kindsbewegungen so gut wie ohne zeitliche Verzögerung darstellen lassen. Der 3D-Ultraschall ermöglicht einen faszinierenden Einblick in den Mutterleib. Eltern erhalten Bilder und Filmsequenzen ihres Kindes als Erinnerung an die Schwangerschaft. Besonders Väter können dabei eine besonders starke Beziehung zu ihrem Kind herstellen.

Weitere Hinweise

  • Gemäß der neuen Strahlenschutzverordnung ist die Sonographie aus kommerziellen Zwecken, wie beispielsweise "Baby-Watching", ab Ende 2020 untersagt. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM) weisen darauf hin, dass sonographische Untersuchungen in der Schwangerschaft nur in medizinischen Kontexten angewendet werden sollten.

Mögliche Befunde in der 3D-Sonographie

  • Normale Befunde: Klar definierte, proportionierte anatomische Strukturen ohne Anzeichen für Fehlbildungen oder Anomalien.
  • Spina bifida: Offene Wirbelsäule; sichtbare Lücke in der Wirbelsäule mit möglicher Darstellung von ausgetretenem Gewebe.
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Unterbrechung in der Kontinuität von Lippe, Kiefer und Gaumen, deutlich erkennbar im 3D-Bild.
  • Herzfehler: Unregelmäßigkeiten in der Struktur des Herzens und der großen Gefäße, wie unterbrochene Scheidewände oder abnorme Verbindungen.
  • Skelettanomalien: Unregelmäßigkeiten in der Knochenentwicklung, z. B. verkürzte Gliedmaßen oder fehlgebildete Knochen.
  • Hydrozephalus (Wasserkopf): Erweiterte Ventrikel des Gehirns, erkennbar an einem abnormal großen Kopfumfang und "leeren" Bereichen im Gehirn.
  • Abdominale Anomalien: Unregelmäßigkeiten in der Größe, Form oder Lage der abdominalen Organe, wie eine Ektopie der Blase (Blasenfehlanlage).
  • Nabelschnur- und Plazentaanomalien: Unregelmäßige Anzahl von Nabelschnurgefäßen (z. B. singuläre Nabelschnurarterie) oder Auffälligkeiten in der Plazentastruktur.

Nach der 3D-Sonographie

  • Befundbesprechung: Unmittelbar nach der Untersuchung sollten die Ergebnisse mit den werdenden Eltern besprochen werden. Dabei sollten auffällige Befunde erläutert und das weitere Vorgehen diskutiert werden.
  • Beratung bei Auffälligkeiten: Falls Fehlbildungen oder Anomalien festgestellt wurden, ist eine umfassende Beratung bezüglich der Bedeutung dieser Befunde notwendig. Gegebenenfalls sollten Überweisungen zu Spezialisten oder weiterführende Untersuchungen eingeleitet werden.
  • Emotionale Unterstützung: Die Sonographie kann bei den werdenden Eltern sowohl Freude als auch Angst auslösen, besonders wenn unerwartete Befunde auftreten. Eine empathische Unterstützung und gegebenenfalls das Angebot psychologischer Betreuung können hilfreich sein.
  • Dokumentation und Erinnerung: Auf Wunsch können Fotos oder Videos als Erinnerung an die Schwangerschaft zur Verfügung gestellt werden. Jedoch sollte beachtet werden, dass kommerzielle „Baby-Watching“-Angebote (s. o.) ab 2020 in Deutschland reguliert sind und der medizinische Kontext im Vordergrund stehen sollte.

Literatur

  1. Sohn C, Holzgreve W: Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2003
  2. Chudleigh T, Thilaganathan B: Ultraschalldiagnostik in der Geburtshilfe. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2007

Leitlinien

  1. S2e-Leitlinie: Ersttrimester Diagnostik und Therapie @ 11-13+6 Schwangerschaftswochen. (AWMF-Registernummer: 085 - 002), Januar 2024 Kurzfassung Langfassung