Pankreas-Elastase (Stuhl)
Die Pankreas-Elastase im Stuhl ist ein proteolytisches Enzym des exokrinen Pankreas (äußeren Bauchspeicheldrüse). Sie wird in den Azinuszellen (Drüsenzellen) gebildet, mit dem Pankreassaft (Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse) in das Duodenum (Zwölffingerdarm) abgegeben und passiert den Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) weitgehend stabil. Die Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 im Stuhl dient der nicht-invasiven (ohne Eingriff in den Körper) Erstdiagnostik einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (Schwäche der Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse). Ein Wert < 100 µg/g Stuhl spricht deutlich für eine exokrine Pankreasinsuffizienz; Werte zwischen 100-200 µg/g Stuhl sind als grenzwertig beziehungsweise unklar zu bewerten und müssen klinisch, präanalytisch (vor der Laboranalyse) und gegebenenfalls durch Wiederholungsmessung eingeordnet werden [1, LL1-LL2].
Synonyme
- Stuhl-Elastase
- Pankreaselastase-1
- Pankreas-Elastase-1 im Stuhl
- Fäkale Pankreas-Elastase
- Fecal elastase-1
- FE-1
Das Verfahren
Benötigtes Material
- Stuhlprobe, bevorzugt geformter oder halbfester Stuhl
- Keine Konservierung erforderlich, sofern laborseitig nicht anders vorgegeben
- Bei grenzwertigem oder klinisch nicht plausiblen Befund: Wiederholungsprobe aus geformtem oder halbfestem Stuhl
Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Keine Nüchternheit erforderlich
- Keine definierte Fettbelastung vor der Probennahme erforderlich
- Eine laufende Pankreasenzymersatztherapie (Ersatztherapie mit Verdauungsenzymen) muss für die Messung der Pankreas-Elastase-1 im Stuhl in der Regel nicht pausiert werden, da die Testsysteme humane (menschliche) Elastase-1 erfassen und Pankreasenzympräparate meist porzinen (vom Schwein stammenden) Ursprungs sind [LL1].
Störfaktoren
- Präanalytische Störfaktoren
- Wässriger oder sehr dünnflüssiger Stuhl kann durch Verdünnung falsch niedrige Werte verursachen.
- Bei Diarrhoe (Durchfall) sollte der Befund nur zurückhaltend interpretiert und nach Möglichkeit aus einer geformten oder halbfesten Probe kontrolliert werden.
- Ungeeignete Stuhlentnahmesysteme, Transportmedien oder Puffer können die Messung beeinträchtigen.
- Unzureichende Probenhomogenisierung (gleichmäßige Durchmischung der Probe) kann bei inhomogenem Stuhlmaterial zu Messabweichungen führen.
- Stark blutige oder schleimige Proben können methodenabhängig problematisch sein.
- Analytische Störfaktoren
- Ergebnisse verschiedener Testsysteme sind nur eingeschränkt vergleichbar.
- Extraktionsverfahren (Herauslösungsverfahren), Antikörperdesign und Kalibrierung unterscheiden sich zwischen Herstellern.
- Lokale Referenz- und Entscheidungsbereiche des Labors sind verbindlich.
Methode
- Immunologischer Nachweis von humaner Pankreas-Elastase-1 im Stuhl
- Meist Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA) oder automatisierte Immunoassays
- Verwendung monoklonaler oder polyklonaler Antikörper, abhängig vom Testsystem
- Quantitative Angabe in µg/g Stuhl
Normbereiche (je nach Labor)
| Interpretation | Referenzbereich |
|---|---|
| Normalbefund, exokrine Pankreasinsuffizienz unwahrscheinlich | > 200 µg/g Stuhl |
| Grenzbereich, unklarer Befund; klinische Korrelation und Wiederholungsmessung empfohlen | 100-200 µg/g Stuhl |
| Deutlicher Hinweis auf exokrine Pankreasinsuffizienz | < 100 µg/g Stuhl |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Erstdiagnostik bei Verdacht auf exokrine Pankreasinsuffizienz
- Abklärung bei Steatorrhoe (Fettstuhl), chronischem Durchfall, Blähungen, Meteorismus (Blähbauch), Gewichtsverlust, Mangelernährung oder Mangel fettlöslicher Vitamine
- Verdacht auf exokrine Pankreasinsuffizienz bei chronischer Pankreatitis (chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung)
- Verdacht auf exokrine Pankreasinsuffizienz nach rezidivierender (wiederkehrender) akuter Pankreatitis oder nekrotisierender Pankreatitis
- Abklärung bei Mukoviszidose (zystischer Fibrose)
- Abklärung nach Pankreasoperation (Operation an der Bauchspeicheldrüse), Magenoperation oder komplexer oberer gastrointestinaler Operation mit klinischem Verdacht auf Maldigestion (gestörte Verdauung)
- Abklärung bei Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) oder nach Therapie eines Pankreaskarzinoms, wenn klinische Zeichen einer Maldigestion bestehen
- Abklärung bei langjährigem Diabetes mellitus oder Diabetes mellitus Typ 3c, wenn Symptome einer Maldigestion oder Mangelernährung vorliegen
- Abklärung bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Morbus Crohn oder anderen duodenalen beziehungsweise proximalen Dünndarmerkrankungen, wenn eine sekundäre exokrine Pankreasinsuffizienz differentialdiagnostisch relevant ist
Interpretation
Erhöhte Werte
- Erhöhte Werte haben keine eigenständige pathologische (krankhafte) Bedeutung.
- Werte oberhalb des Referenzbereichs sprechen nicht für eine Erkrankung und erfordern in der Regel keine weiterführende Diagnostik.
Erniedrigte Werte
- 100-200 µg/g Stuhl
- Grenzbereich mit eingeschränkter diagnostischer Spezifität (Treffsicherheit für Gesunde)
- Mögliche milde bis mäßige exokrine Pankreasinsuffizienz
- Falsch niedriger Befund möglich, insbesondere bei wässrigem Stuhl
- Kontrolle auf geformtem oder halbfestem Stuhl und klinische Korrelation empfohlen
- < 100 µg/g Stuhl
- Deutlicher Hinweis auf exokrine Pankreasinsuffizienz
- Typische Ursachen sind chronische Pankreatitis, Mukoviszidose, fortgeschrittene pankreatische Parenchymschädigung (Gewebeschädigung der Bauchspeicheldrüse), Pankreasresektion (Entfernung von Bauchspeicheldrüsengewebe), Pankreaskarzinom, Zustand nach nekrotisierender Pankreatitis oder Diabetes mellitus Typ 3c.
- Der Befund muss mit Symptomen, Ernährungsstatus, Risikokonstellation und gegebenenfalls Bildgebung korreliert werden.
Spezifische Konstellationen
- Normaler Befund bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit
- Eine milde exokrine Pankreasinsuffizienz kann trotz normaler oder nur grenzwertig erniedrigter Pankreas-Elastase-1 vorliegen.
- Bei persistierendem (anhaltendem) klinischem Verdacht sind weiterführende Funktionstests oder eine spezialisierte gastroenterologische Diagnostik (Diagnostik der Verdauungsorgane) zu prüfen.
- Erniedrigter Befund bei wässrigem Stuhl
- Ein Verdünnungseffekt ist eine relevante Ursache falsch niedriger Werte.
- Eine Wiederholungsmessung aus geformtem oder halbfestem Stuhl ist in dieser Konstellation erforderlich.
- Therapiekontrolle unter Pankreasenzymersatztherapie
- Die Pankreas-Elastase-1 im Stuhl eignet sich nicht zur Dosissteuerung einer Pankreasenzymersatztherapie.
- Die Therapiekontrolle erfolgt klinisch über Stuhlfrequenz, Steatorrhoe, Gewicht, Ernährungsstatus und fettlösliche Vitamine.
Weiterführende Diagnostik
- Wiederholung der Pankreas-Elastase-1 im Stuhl bei grenzwertigem oder klinisch nicht plausiblem Befund
- Ernährungsmedizinische Statusdiagnostik, insbesondere Körpergewicht, Body-Mass-Index, Albumin, Präalbumin je nach klinischem Kontext, Eisenstatus, Vitamin B12, Folsäure und fettlösliche Vitamine A, D, E und K
- Gerinnungsparameter – Quick-Wert/International Normalized Ratio (INR) bei Verdacht auf Vitamin-K-Mangel
- Quantitative Stuhlfettbestimmung beziehungsweise Fettabsorptionskoeffizient (Maß für die Fettaufnahme) nur in ausgewählten Fällen, da die Methode aufwendig und im Routineeinsatz selten erforderlich ist
- 13C-Mixed-Triglyceride-Atemtest, sofern verfügbar
- Direkte Pankreasfunktionstests, zum Beispiel Sekretin-Test, in spezialisierten Zentren
- Pankreasparameter – Amylase, Lipase bei Verdacht auf akute Pankreatitis oder entzündliche Aktivität, nicht zur Diagnosesicherung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz
- Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin
- Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin, ggf. Cystatin C beziehungsweise Kreatinin-Clearance
- Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) beziehungsweise BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) bei Verdacht auf entzündliche Grunderkrankung
- Transglutaminase-Antikörper oder Endomysium-Antikörper sowie Gesamt-IgA im Serum bei Verdacht auf Zöliakie
- Schweißtest und CFTR-Diagnostik bei Verdacht auf Mukoviszidose oder CFTR-assoziierte Pankreaserkrankung
- Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane) als Basisdiagnostik bei Verdacht auf strukturelle Pankreaserkrankung
- Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie, MRT) mit Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge, MRCP), Endosonographie (Ultraschall von innen) oder Computertomographie (Schichtröntgen, CT) bei Verdacht auf chronische Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Gangpathologie (Erkrankung der Ausführungsgänge) oder postoperative Komplikationen
Literatur
- de la Iglesia D, Agudo-Castillo B, Galego-Fernández M et al.: Diagnostic Accuracy of Fecal Elastase-1 Test for Pancreatic Exocrine Insufficiency: A Systematic Review and Meta-Analysis. United European Gastroenterol J. 2025;13(8):1571-1582. https://doi.org/10.1002/ueg2.70061
- Nelson HA. Preanalytical and analytical factors affecting elastase quantitation in stool. Clin Biochem. 2024;131-132:110811. https://doi.org/10.1016/j.clinbiochem.2024.110811
- Vanga RR, Tansel A, Sidiq S, El-Serag HB, Othman MO. Diagnostic Performance of Measurement of Fecal Elastase-1 in Detection of Exocrine Pancreatic Insufficiency: Systematic Review and Meta-analysis. Clin Gastroenterol Hepatol. 2018;16(8):1220-1228.e4. https://doi.org/10.1016/j.cgh.2018.01.027
Leitlinien
- Whitcomb DC, Buchner AM, Forsmark CE. AGA Clinical Practice Update on the Epidemiology, Evaluation, and Management of Exocrine Pancreatic Insufficiency: Expert Review. Gastroenterology. 2023;165(5):1292-1301. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2023.07.007
- Dominguez-Muñoz JE, Löhr JM, Phillips M et al.: European guidelines for the diagnosis and treatment of pancreatic exocrine insufficiency: UEG, EPC, EDS, ESPEN, ESPGHAN, ESDO, and ESPCG evidence-based recommendations. United European Gastroenterol J. 2025;13(1):125-172. https://doi.org/10.1002/ueg2.12674