Clonidin-Test
Clonidin-Test (Stimulationstest) ist ein pharmakologischer Stimulationstest (medikamentöser Funktionstest) zur Beurteilung der somatotropen Hypothalamus-Hypophysen-Achse (Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse und Wachstumshormon).
In der klinischen Labordiagnostik wird er vor allem in der pädiatrischen Endokrinologie (Hormonheilkunde bei Kindern) zur Abklärung eines vermuteten Wachstumshormonmangels (Mangel an Wachstumshormon) eingesetzt. Für die Diagnostik (Abklärung) eines Wachstumshormonmangels (Mangel an Wachstumshormon) im Erwachsenenalter hat der Clonidin-Test keine etablierte Standardrolle [1, 2].
Synonyme
- Clonidin-Stimulationstest
- Clonidin-Provokationstest
- Clonidine stimulation test
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Serum oder Plasma zur Bestimmung von Wachstumshormon (GH)
- Venöser Zugang (Zugang zu einer Vene) für serielle Blutentnahmen
- Blutdruck- und Pulskontrolle während und nach dem Test
- Vorbereitung des Patienten
- Durchführung in der Regel morgens nüchtern
- Körperliche Schonung und möglichst liegende Lagerung während des Tests
- Prüfung interferierender Medikation (beeinflussender Medikamente)
- Bei peripubertären Kindern (Kinder um die Pubertät herum) mit verzögerter Pubertätsentwicklung (verzögerter körperlicher Entwicklung) kann je nach Protokoll ein Sexsteroid-Priming (Vorbehandlung mit Sexualhormonen) erwogen werden [1, 2]
- Störfaktoren
- Adipositas (starkes Übergewicht) mit möglicher Abschwächung der GH-Antwort
- Pubertätsstatus (Entwicklungsstand der Pubertät)
- Akute Erkrankungen (plötzliche Erkrankungen), Stress und Schlafmangel
- Assay- und methodenspezifische Unterschiede (testabhängige Unterschiede) mit unterschiedlichen Cut-offs [1, 2]
- Methode
- Orale Gabe von Clonidin (Einnahme des Medikaments über den Mund), häufig 0,15 mg/m² Körperoberfläche
- Serielle GH-Bestimmungen (mehrfache Messungen des Wachstumshormons), häufig bei 0, 30, 60, 90 und 120 Minuten
- Diagnostisch relevante Peak-Zeitpunkte (Zeitpunkte mit maximalem Hormonanstieg) liegen häufig bei 60 und 90 Minuten
- Obligate Blutdruck- und klinische Überwachung (ärztliche Kontrolle) wegen Hypotonie- (niedriger Blutdruck) und Sedierungsrisiko (Müdigkeit) [1-3]
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe / Geschlecht / Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Kinder und Jugendliche | Kein einheitlicher Normbereich; entscheidend ist der stimulierte GH-Peak |
| Pädiatrische Diagnostik | Häufig verwendete Cut-offs etwa 7-10 ng/ml, jedoch assay- und laborabhängig |
| Erwachsene | Kein empfohlener Standardtest zur Diagnostik des adulten Wachstumshormonmangels |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig [1, 2].
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Abklärung eines vermuteten Wachstumshormonmangels (Mangel an Wachstumshormon) im Kindes- und Jugendalter
- Ergänzende Funktionsdiagnostik (zusätzliche Funktionsuntersuchung) bei unklarer Konstellation aus Auxologie (Wachstumsanalyse), Klinik (klinischem Bild) und IGF-1
- Differentialdiagnostische Einordnung (Abgrenzung zu anderen Ursachen) bei Verdacht auf hypothalamisch-hypophysäre Funktionsstörung (Störung im Regelkreis zwischen Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse) [1, 2]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Adäquater GH-Anstieg (ausreichender Anstieg des Wachstumshormons) spricht gegen einen ausgeprägten klassischen Wachstumshormonmangel (Mangel an Wachstumshormon)
- Erniedrigte Werte
- Verminderte GH-Antwort (verminderter Anstieg des Wachstumshormons) ist vereinbar mit einem Wachstumshormonmangel (Mangel an Wachstumshormon), aber nicht isoliert beweisend
- Falsch-positive Befunde (scheinbar krankhafte Ergebnisse ohne tatsächliche Erkrankung) sind insbesondere bei Adipositas (starkem Übergewicht), peripubertärer Verzögerung (verzögerter Entwicklung um die Pubertät herum) und ohne Priming (Vorbehandlung) möglich
- Spezifische Konstellationen
- In der pädiatrischen Diagnostik (Hormonabklärung bei Kindern) werden häufig zwei pathologische Stimulationstests (krankhafte Testergebnisse) gefordert
- Cut-offs (Grenzwerte) sind test-, assay- und zentrumsabhängig und nicht einheitlich standardisiert [1, 2]
Weiterführende Diagnostik
- Insulin-like growth factor 1 (IGF-1)
- Gegebenenfalls zweiter GH-Stimulationstest (zweiter Test zur Prüfung der Wachstumshormon-Ausschüttung) nach lokalem Protokoll
- Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypothalamus-Hypophysen-Region (Bildgebung des Gehirns)
- Auxologie (Wachstumsanalyse), Wachstumsgeschwindigkeit (Wachstumsrate), Knochenalter (Reife der Knochen) und Pubertätsstatus (Entwicklungsstand der Pubertät)
- Ausschluss anderer Ursachen eines Kleinwuchses (geringe Körpergröße) oder einer Wachstumsverzögerung (verzögertes Wachstum) [1, 2]
Literatur
- Yuen KCJ, Johannsson G, Ho KKY, Miller BS, Bergada I, Rogol AD. Diagnosis and testing for growth hormone deficiency across the ages: a global view of the accuracy, caveats, and cut-offs for diagnosis. Endocr Connect. 2023;12(7):e220504. https://doi.org/10.1530/EC-22-0504
- Prodam F, Maffei P. Diagnosis of growth hormone deficiency: searching for Consensus along life. Pituitary. 2025;28(4):73. https://doi.org/10.1007/s11102-025-01546-9
- Subbiah S, Raja R, Shanmugam D, Palaniappan S, Shanmugam S, Kumar MA. Validation of Peak Growth Hormone Levels After Clonidine and Glucagon Stimulation Tests in Children With Severe Short Stature. Cureus. 2024;16(9):e70235. https://doi.org/10.7759/cureus.70235