Clomifentest

Clomifentest ist ein dynamischer endokrinologischer Funktionstest (Hormontest mit Reizantwort) zur indirekten Beurteilung der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse (Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse und Keimdrüsen). Er beruht auf der antiöstrogenen Wirkung von Clomifen mit konsekutiver Stimulation der endogenen Gonadotropinsekretion.

In der klinischen Labordiagnostik hat der Test heute nur noch eine begrenzte, überwiegend spezialdiagnostische Bedeutung; zur Beurteilung der ovariellen Reserve (Eierstocksreserve) wird er aktuell nicht mehr empfohlen [1-4].

Synonyme

  • Clomifen-Test
  • Clomiphene citrate challenge test (CCCT)
  • Clomiphentest

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum
    • Basal- und Stimulationsprobe
    • Messparameter je nach Fragestellung: luteinisierendes Hormon (LH), follikelstimulierendes Hormon (FSH); bei Frauen zusätzlich Estradiol, bei Männern zusätzlich Testosteron [5, 6]
  • Vorbereitung des Patienten
    • Frauen: zyklusbezogene Durchführung, üblicherweise nach spontaner oder Gestagen-induzierter Blutung
    • Männer: keine zyklusbezogene Terminierung erforderlich
    • Hormonelle Medikation und die klinische Fragestellung müssen vor Testung berücksichtigt werden
    • Eine Schwangerschaft muss vor Anwendung von Clomifen ausgeschlossen werden [5-7]
  • Störfaktoren
    • Laufende hormonelle Therapien bzw. exogene Sexualsteroide
    • Ausgeprägtes Östrogendefizit bzw. ovarielle Insuffizienz (Funktionsschwäche der Eierstöcke)
    • Methodische Unterschiede der Testprotokolle zwischen Laboren
    • Eingeschränkte heutige klinische Validität, insbesondere zur Abschätzung der ovariellen Reserve [1-6]
  • Methode
    • Orale Gabe von Clomifen über mehrere Tage mit anschließender Bestimmung der stimulierten Gonadotropine
    • Bei Frauen werden in deutschen Laborprotokollen meist 50-100 mg/Tag über 5-7 Tage, beginnend nach Blutungsbeginn, beschrieben; bei Männern z. B. 2-mal täglich 50 mg über 7 Tage [5, 6]
    • Die Interpretation erfolgt anhand des Vergleichs von Basal- und Stimulationswerten

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Geschlecht / Alter Referenzbereich
Frauen Kein statischer Normbereich; Beurteilung als dynamischer Funktionstest anhand des Anstiegs von LH und FSH gegenüber dem Basalwert
Männer Kein statischer Normbereich; Beurteilung als dynamischer Funktionstest anhand des Anstiegs von LH und FSH gegenüber dem Basalwert
Dynamischer Test Ein etwa 2-3-facher Anstieg von LH/FSH gilt in deutschen Laborprotokollen als vereinbar mit erhaltener hypothalamisch-hypophysärer Reaktionsfähigkeit [5, 6]

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Heute nur noch in ausgewählten spezialdiagnostischen Situationen
  • Historische bzw. ergänzende Funktionsdiagnostik bei Amenorrhoe (Ausbleiben der Monatsblutung) nach positivem Gestagentest
  • Differentialdiagnostische Einordnung einer Störung der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse
  • In einzelnen Laborprotokollen ergänzend zur Abgrenzung hypothalamischer/hypophysärer von gonadalen Funktionsstörungen bei Frauen und Männern [5, 6]
  • Keine empfohlene Routinemethode zur Bestimmung der ovariellen Reserve in der modernen Fertilitätsdiagnostik (Fruchtbarkeitsdiagnostik) [1-4]

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Adäquater Anstieg von LH und/oder FSH nach Clomifen spricht für eine erhaltene Reaktionsfähigkeit der hypothalamisch-hypophysären Achse
    • Bei Frauen kann ein begleitender Estradiolanstieg auf eine ovarielle Antwort hinweisen [5, 6]
  • Erniedrigte Werte
    • Ausbleibender oder unzureichender Gonadotropinanstieg spricht für eine Störung im Bereich der hypothalamisch-hypophysären Regulation
    • Ein pathologischer Test schließt eine ovarielle Ursache nicht aus; bei ausgeprägtem ovariellem Östrogendefizit kann der Test ebenfalls auffällig ausfallen [5, 6]
  • Spezifische Konstellationen
    • Zur Abschätzung der ovariellen Reserve ist der Test nach aktueller Evidenz den Basalmarkern Anti-Müller-Hormon (AMH) und antrale Follikelzahl (AFC) unterlegen [2, 3]
    • Die Interpretation muss immer im Kontext von Zyklusanamnese (Befragung zum Monatszyklus), Basalhormonen, Sonographie (Ultraschall) und klinischer Fragestellung erfolgen [1-4]

Weiterführende Diagnostik

  • Basale Hormonanalytik: LH, FSH, Estradiol, Prolaktin, TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
  • AMH und transvaginale Sonographie mit antraler Follikelzahl zur Beurteilung der ovariellen Reserve
  • Schwangerschaftstest bei Amenorrhoe
  • Gestagentest, ggf. Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Test je nach Fragestellung
  • Weiterführende Abklärung auf primäre Ovarialinsuffizienz bei persistierender Amenorrhoe bzw. erhöhtem FSH
  • Bildgebende Hypophysendiagnostik bei Verdacht auf hypophysäre Pathologie (Erkrankung) [1-4]

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft
  • Lebererkrankungen bzw. Leberfunktionsstörungen
  • Ungeklärte Uterusblutungen (Blutungen aus der Gebärmutter)
  • Ovarialzysten (Eierstockzysten) mit Ausnahme polyzystischer Ovarien (Eierstöcke mit vielen Zysten)
  • Hypophysen- oder Ovarialtumoren (Tumoren der Hirnanhangsdrüse oder der Eierstöcke)
  • Sehstörungen unter vorausgegangener Clomifen-Behandlung [7]

Unerwünschte Wirkungen

  • Hitzewallungen, Flush
  • Unterbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit
  • Ovarielle Vergrößerung bzw. Hyperstimulation (übermäßige Stimulation), Zystenbildung
  • Sehstörungen; bei deren Auftreten ist Clomifen abzusetzen und augenärztlich abzuklären [7]
  • Erhöhte Rate an Mehrlingsschwangerschaften unter ovulationsinduzierender Therapie (Behandlung zur Auslösung des Eisprungs) [7]

Literatur

  1. Penzias A, Azziz R, Bendikson K, Falcone T, Hansen K, Hill M et al.: Fertility evaluation of infertile women: a committee opinion. Fertil Steril. 2021;116(5):1255-1265. https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2021.08.038
  2. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Testing and interpreting measures of ovarian reserve: a committee opinion. Fertil Steril. 2020;114(6):1151-1157. https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2020.09.134
  3. Romualdi D, Ata B, Bhattacharya S, Bosch E, Costello M, Gersak K et al.: Evidence-based guideline: unexplained infertility. Hum Reprod. 2023;38(10):1881-1890. https://doi.org/10.1093/humrep/dead150
  4. Panay N, Anderson RA, Bennie A, Cedars M, Davies M, Ee C et al.: Evidence-based guideline: premature ovarian insufficiency. Hum Reprod Open. 2024;2024(4):hoae065. https://doi.org/10.1093/hropen/hoae065
  5. Nordlab. Clomifen-Test - Funktionstests. Abgerufen am 04.04.2026. Verfügbar unter: https://www.nordlab.de/index.php/de/analysen/verzeichnisse/funktiostests1/8-clomifen-test
  6. Labor Koblenz. Clomiphen-Test_Funktionstest. Abgerufen am 04.04.2026. Verfügbar unter: https://labor-koblenz.de/leistungsverzeichnis/clomiphen-test_funktionstest
  7. ratiopharm GmbH. Clomifen-ratiopharm 50 mg Tabletten. Fachinformation. Verfügbar unter: https://www.ratiopharm.de/produkte/details/clomifen-ratiopharm-50-mg-tabletten-pzn-3884844.html