Vulvakrebs (Vulvakarzinom) – Prävention

Zur Prävention des Vulvakarzinoms (Krebs der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) muss auf Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.

Das Vulvakarzinom entsteht über einen HPV-assoziierten (durch humane Papillomaviren bedingten) und einen HPV-unabhängigen Pathogeneseweg (Krankheitsentstehungsweg). Präventionsstrategien müssen daher sowohl die Vermeidung persistierender Hochrisiko-HPV-Infektionen als auch die frühzeitige Erkennung und konsequente Therapie chronisch-entzündlicher Vulvaerkrankungen (entzündliche Erkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane) (typisch: Lichen sclerosus (chronische entzündliche Hauterkrankung), dVIN (Krebsvorstufe der Vulva)) adressieren [1-3].

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

Genussmittelkonsum

  • Tabak (Rauchen): Gesicherter, modifizierbarer Kofaktor (beeinflussbarer Risikofaktor) für Entwicklung und Rezidiv (Wiederauftreten) von VIN/HSIL; systematische Evidenz (wissenschaftliche Belege) bestätigt den Zusammenhang. Rauchstopp ist daher integraler Bestandteil der Präventions- und Nachsorgestrategie [1, 2, 5].
  • Drogenkonsum: Für eine spezifische Assoziation mit Vulvakarzinom ist die Evidenz begrenzt; klinisch relevant sind indirekte Effekte über Risikoverhalten, STI-Exposition (Kontakt mit sexuell übertragbaren Infektionen) und ggf. Immunsuppression (Schwächung des Immunsystems) [6].

Sexuelle Übertragung

  • HPV-Exposition: Früher Beginn sexueller Aktivität und häufig wechselnde Partner erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Hochrisiko-HPV-Infektion und damit das Risiko HPV-assoziierter Vorstufen (Krebsvorstufen) [6].
  • Prostitution/hohe Expositionsfrequenz: Erhöhte Wahrscheinlichkeit von HPV- und STI-Exposition (Kontakt mit sexuell übertragbaren Infektionen); Präventionsberatung umfasst Impfstatus, Barrieremethoden und STI-Diagnostik nach Risiko [6].
  • Barrieremethoden: Fehlender Kondomgebrauch erhöht die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Transmission (Übertragung von HPV) (Kondome schützen partiell) [6].

Hygienefaktoren

  • Unzureichende Intimhygiene: Kann Irritationen/sekundäre Infektionen begünstigen und Beschwerden überdecken; bei persistierenden Symptomen ist eine gezielte Abklärung erforderlich [3].
  • Übertriebene Intimhygiene: Intimspülungen, Duftstoffe und aggressive Tenside schädigen die Hautbarriere und können irritative Dermatitiden bzw. Dermatosen (entzündliche Hauterkrankungen) triggern; irritanzarme Pflege wird empfohlen [3].

Weitere Faktoren

  • Lichen sclerosus und andere Dermatosen (Hauterkrankungen): Wichtiger Risikokontext (Risikozusammenhang) für den HPV-unabhängigen Weg; systematische Evidenz zeigt ein erhöhtes Risiko für vulväres Plattenepithelkarzinom (Krebserkrankung der Vulva) [7].
  • Immunsuppression (Schwächung des Immunsystems): Erhöht Persistenz-/Progressionsrisiko HPV-assoziierter Läsionen (Gewebeveränderungen); erfordert risikoadaptierte Kontrolle bei Vorstufen [2, 5].

Präventionsfaktoren (Primärprävention)

HPV-Impfung

  • Wirksamste Primärprävention (Vorbeugung) im HPV-assoziierten Spektrum.
  • Populationsdaten zeigen eine Reduktion HPV-assoziierter Endpunkte nach Einführung von Impfprogrammen [4].

Verwendung von Kondomen

  • Kondome reduzieren die HPV-Transmission (Übertragung von HPV) partiell, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz (Hautkontakt/Expositionsareale) [6].

Regelmäßige gynäkologische Vorsorge/gezielte Vulvainspektion

  • Niedrige Schwelle zur klinischen Inspektion (Betrachtung) der Vulva (äußere weibliche Geschlechtsorgane), insbesondere bei Pruritus (Juckreiz), Brennen, Fissuren (Hautrisse) oder persistierenden Hautveränderungen. [1, 2]
  • Frühe histologische Sicherung (feingewebliche Bestätigung) suspekter Läsionen (Gewebeveränderungen) durch gezielte Biopsie (Gewebeentnahme) [1, 2].

Stärkung des Immunsystems/Lebensstil

  • Rauchstopp als evidenzbasierte Maßnahme (wissenschaftlich belegte Maßnahme) mit Relevanz für VIN-Entwicklung/Rezidiv (Wiederauftreten) [5].
  • Ein allgemein gesundheitsfördernder Lebensstil (Bewegung, Schlaf, Stressreduktion) unterstützt die Immunfunktion; in der Vulvaonkologie sind jedoch vor allem Impfung, Rauchstopp und frühe Abklärung leitlinienbasiert (auf medizinischen Handlungsempfehlungen basierend) entscheidend [1, 2].

Prävention des HPV-unabhängigen Weges (zentral: Dermatosen erkennen und behandeln)

  • Frühzeitige Diagnose von Lichen sclerosus (chronische entzündliche Hauterkrankung).
  • Konsequente Therapie (Behandlung) (typischerweise ultrapotente topische Kortikosteroide) und strukturierte Langzeitkontrollen (regelmäßige Nachuntersuchungen) [7].
  • Irritanzvermeidung und barrierefreundliche Pflege als unterstützende Maßnahme (unterstützende Behandlung) [3].

Sekundärprävention

Früherkennung

  • Gezielte klinische Untersuchung (ärztliche Untersuchung) bei Pruritus vulvae (Juckreiz im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane), Brennen, Schmerzen, Ulzera (offene Geschwüre), Hyperkeratosen (Verhornungsstörungen), Erythemen (Rötungen) oder neu auftretenden Läsionen (Gewebeveränderungen). [1,2]
  • Vulvoskopie (Untersuchung der Vulva unter Vergrößerung) als Ergänzung und gezielte Biopsie (gezielte Gewebeentnahme) jeder suspekten Läsion zur histologischen Sicherung (feingeweblichen Bestätigung) [1, 2].

Therapie von VIN

  • dVIN (Krebsvorstufe der Vulva): In der Regel exzisionelles Vorgehen (operative Entfernung) (hohes Progressionsrisiko (Risiko des Fortschreitens)); engmaschige Nachsorge (häufige Nachuntersuchungen) [2].
  • Vulväre HSIL/uVIN (Krebsvorstufe der Vulva): Exzision (operative Entfernung) oder – nach repräsentativer Histologie (aussagekräftigem feingeweblichen Befund) zum Ausschluss von Invasion (Eindringen in Gewebe) – organerhaltende Verfahren (Operationen mit Erhalt der Organe) (z. B. Ablation (Abtragung)) in ausgewählten Fällen; strukturiertes Follow-up (strukturierte Nachsorge) wegen relevanter Rezidivraten (Häufigkeit des Wiederauftretens) [2, 5].

Tertiärprävention

Nachsorge

  • Regelmäßige klinische Kontrollen (ärztliche Untersuchungen) zur Rezidiv- (Wiederauftreten) und Zweitneoplasien-Früherkennung (frühe Erkennung weiterer Tumoren) gemäß Leitlinien (medizinischen Handlungsempfehlungen) [1, 2].
  • Biopsie (Gewebeentnahme) jeder neu auftretenden suspekten Läsion (verdächtigen Gewebeveränderung) in der Nachsorge (Nachuntersuchung) [1, 2].

Lebensstilintervention und Support

  • Rauchentwöhnung (Beendigung des Rauchens) zur Reduktion von Rezidiv-/Progressionsrisiken (Risiken des Wiederauftretens/Fortschreitens) präinvasiver Erkrankungen (Krebsvorstufen) [5].
  • Sexualgesundheit/STI-Prävention: Impfstatus prüfen, Barrieremethoden, risikoadaptierte Testung und Beratung [6].
  • Psychosoziale und sexualmedizinische Unterstützung (seelische, soziale und sexualmedizinische Betreuung) sowie symptomorientierte Therapie (an den Beschwerden orientierte Behandlung) (z. B. Schmerz, Narben, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr)) als Teil einer patientenzentrierten Nachsorge (auf den Patienten ausgerichteten Nachbetreuung) [1, 7].

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Oonk MHM et al.: ESGO Guidelines for the Management of Patients with Vulvar Cancer – Update 2023. Int J Gynecol Cancer. doi: 10.1136/ijgc-2023-004486
  2. Abu-Rustum NR et al.: NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Vulvar Cancer. Version 3.2024. J Natl Compr Canc Netw. doi: 10.6004/jnccn.2024.0013
  3.  van der Meijden WI et al. 2021 European guideline for the management of vulval conditions. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022. doi: 10.1111/jdv.18102
  4. Henschke N et al.: Effects of human papillomavirus (HPV) vaccination programmes on community rates of HPV-related disease and harms from vaccination. Cochrane Database Syst Rev. 2025. doi: 10.1002/14651858.cd015363.pub2
  5. Jamieson A et al.: A systematic review of risk factors for development, recurrence, and progression of vulvar intraepithelial neoplasia. J Low Genit Tract Dis. 2022. doi: 10.1097/lgt.0000000000000662
  6.  Workowski KA et al.: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021. doi: 10.15585/mmwr.rr7004a1
  7. Kirtschig G et al.: EuroGuiDerm guideline on lichen sclerosus—Treatment of lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2024. doi: 10.1111/jdv.20083