Vulvaschmerz (Vulvodynie) – Labordiagnostik
Die Labordiagnostik stellt bei der Vulvodynie (chronischer Schmerz im Bereich der Vulva) keine primäre Bestätigungsdiagnostik dar, da es sich um eine klinische Ausschlussdiagnose handelt. Entscheidend sind Anamnese (Krankengeschichte), klinische Untersuchung und die gezielte Abklärung konkurrierender Ursachen. Ein krankheitsspezifischer Laborparameter zur Sicherung der Diagnose existiert nicht; Laboruntersuchungen erfolgen symptom-, befund- und differentialdiagnosegeleitet [1-3].
Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen
- Keine obligaten allgemeinen Serumlaboruntersuchungen
- Bei typischer Klinik der Vulvodynie ohne Hinweis auf Infektion, Dermatose (Hauterkrankung), systemische Entzündung, Stoffwechselerkrankung, urologische Erkrankung oder sexuell übertragbare Infektion sind keine routinemäßigen Serumlaborparameter obligat [1-3]
- Kleines Blutbild, Differentialblutbild, Entzündungsparameter, Elektrolyte, Nüchternglucose, Schilddrüsenparameter, Leberparameter, Nierenparameter, Gerinnungsparameter, Pankreasparameter und Lipidparameter gehören nicht regelhaft zur Basisdiagnostik der isolierten Vulvodynie [1-3]
- Keine krankheitsspezifischen Laborparameter
- Für die Vulvodynie existiert kein validierter Laborparameter zur Diagnosesicherung [1-3]
- Die Diagnose beruht auf klinischer Einordnung und Ausschluss spezifischer Ursachen vulvärer Schmerzen [1-3]
Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Vulva-/Vaginalabstrich
- Bei Verdacht auf infektiöse Genese (infektionsbedingte Entstehung), insbesondere bei Fluor, Erythem (Rötung), Juckreiz, Erosionen (oberflächlichen Gewebedefekten) oder rezidivierender Vulvovaginalkandidose [1-3]
- Bei Verdacht auf Candidiasis (Pilzinfektion) wird ein vulvärer bzw. vaginaler Abstrich empfohlen [1]
- Bei ausbleibender Besserung trotz Antimykotika und negativen Kulturen ist eine weiterführende Genitaluntersuchung erforderlich [1]
- Mikrobiologische Kultur bzw. erregerbezogene Diagnostik
- Bei klinischem Verdacht auf rezidivierende oder therapieresistente Vulvovaginalkandidose (Pilzinfektion von Vulva und Scheide) [1-3]
- Bei atypischen, persistierenden oder rezidivierenden vulvovaginalen Beschwerden mit infektiöser Differentialdiagnose (Alternativdiagnose) [1-3]
- Herpes-simplex-Virus-Diagnostik
- Bei genitalen Ulzera (Geschwüren), erosiven Läsionen (oberflächlichen krankhaften Veränderungen), Bläschen, akuten schmerzhaften Läsionen oder entsprechendem STI-Risikoprofil [1]
- Syphilis-Serologie
- Bei Ulzera, erosiven Läsionen, nicht heilenden Läsionen, STI-Risikokonstellation oder therapierefraktären Befunden [1]
- Weitere STI-Diagnostik
- Symptom- und risikoadaptiert bei neuen Sexualkontakten, genitalen Ulzera, nicht heilenden Läsionen oder klinischem Verdacht auf sexuell übertragbare Infektion [1]
- Urinstatus, Urinsediment, ggf. Urinkultur
- Bei Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Pollakisurie (häufigem Wasserlassen), imperativem Harndrang oder Verdacht auf Harnwegsinfektion bzw. urologische Differentialdiagnose [1-3]
- Bei isolierter Vulvodynie ohne urologische Beschwerden nicht routinemäßig indiziert [1-3]
- Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
- Nur bei klinischem Verdacht auf systemische Entzündung, ausgeprägte Infektion oder konkurrierende entzündliche Erkrankung sinnvoll [1-3]
- Für die Vulvodynie selbst besteht kein etablierter diagnostischer Stellenwert [1-3]
- Schwangerschaftstest – quantitatives oder qualitatives hCG
- Nur bei bestehender oder möglicher Schwangerschaft und geplanter weiterführender Diagnostik bzw. Therapie sinnvoll [2, 3]
- Nicht regelhaft Bestandteil der Labordiagnostik der Vulvodynie [2, 3]
- Allergietests – z. B. Epikutantest
- Kein Laborparameter im engeren Sinn, aber differentialdiagnostisch relevant bei Verdacht auf Kontaktallergie bzw. medikamenten- oder pflegeproduktbedingte Kontaktdermatitis (kontaktbedingte Hautentzündung) [1]
- Bei entsprechender klinischer Konstellation wird Patch Testing empfohlen [1]
Nicht routinemäßig indizierte Laboruntersuchungen
- Die folgenden Untersuchungen gehören nicht zur routinemäßigen Labordiagnostik der Vulvodynie, sofern Anamnese und klinischer Befund keine entsprechenden Hinweise ergeben [1-3]
- Procalcitonin (PCT)
- Blutgasanalyse
- Umfassende Elektrolytanalytik
- Nüchternglucose bzw. oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
- Schilddrüsenparameter – TSH, fT3, fT4
- Pankreasparameter
- Leberparameter
- Nierenparameter
- Gerinnungsparameter
- Atherosklerose-Parameter
- Hochsensitives kardiales Troponin T (hs-cTnT) oder Troponin I (hs-cTnI), Creatinkinase (CK), CK-MB, Lactatdehydrogenase (LDH)
- NT-proBNP (N-terminales pro brain natriuretic peptide)
- D-Dimere
- Rheumadiagnostik
- Tumorhypercalcämie-Parameter
- Liquordiagnostik
- Test auf okkultes Blut im Stuhl
- Zöliakie-Serologie
- Der Einsatz dieser Analysen sollte ausschließlich durch konkrete Differentialdiagnosen begründet sein [1-3]
Ergänzende Hinweise
- Histopathologische Diagnostik (feingewebliche Untersuchung) durch Biopsie (Gewebeprobe) gehört nicht zur Labordiagnostik, ist aber bei auffälligen vulvären Läsionen, klinischer Unsicherheit oder Verdacht auf Neoplasie (Neubildung) bzw. Dermatose essenziell [1]
- Bei ausgeprägten morphologischen Befunden (sichtbaren Gewebeveränderungen), Ulzerationen (Geschwürbildungen), persistierenden Erosionen, pigmentierten Läsionen, tastbaren Resistenzen (Verhärtungen), Kontaktblutungen oder deutlichen Infektionszeichen liegt nicht mehr die reine Vulvodynie-Diagnostik, sondern die Abklärung einer spezifischen Ursache vulvärer Schmerzen vor [1-3]
- Eine breit angelegte Labor-Paneldiagnostik ohne klinische Verdachtsdiagnose ist bei isolierter Vulvodynie Überdiagnostik [1-3]
Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring
Literatur
- van der Meijden WI, Boffa MJ, ter Harmsel B et al.: 2021 European guideline for the management of vulval conditions. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022;36(7):952-972. https://doi.org/10.1111/jdv.18102
- Schlaeger JM, Glayzer JE, Villegas-Downs M et al.: Evaluation and Treatment of Vulvodynia: State of the Science. J Midwifery Womens Health. 2023;68(1):9-34. https://doi.org/10.1111/jmwh.13456
- Santangelo G, Ruggiero G, Murina F et al.: Vulvodynia: A practical guide in treatment strategies. Int J Gynaecol Obstet. 2023;163(2):510-520. https://doi.org/10.1002/ijgo.14815
Leitlinie
- van der Meijden WI, Boffa MJ, ter Harmsel B et al.: 2021 European guideline for the management of vulval conditions. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022;36(7):952-972. https://doi.org/10.1111/jdv.18102