TSH

Der TSH-Wert (Thyroidea stimulierendes Hormon) bezeichnet die Konzentration des Hormons, welches die Schilddrüsenhormone (T3, T4) reguliert. Außerdem wirkt TSH stimulierend auf das Wachstum, die Jodaufnahme und die Schilddrüsenhormonproduktion der Schilddrüse.

Geregelt wird die TSH-Produktion in erster Linie von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und vom Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns). Thyreotropin-Releasinghormon (TRH) regt den Hypophysenvorderlappen (HVL) zur Ausschüttung von TSH an.

Synonyme

  • Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)
  • Thyreotrope Hormon
  • Thyreotropin
  • TSHB (TSH, basal; TSH-Basalwert)

Benötigtes Material

  • Blutserum
  • oder Plasma (NH, LiH, K-EDTA)

Störfaktoren

Folgende Medikamente senken den TSH-Wert:

  • Heparin – Blut verdünnendes Medikament
  • Hormone
    • Dopamin und Dopaminagonisten: L-Dopa, Apomorphin, Bromocriptin, Lisurid
    • Glucocorticoide
    • Katecholamine 
    • Levothyroxin (Schilddrüsenhormon, T4)
    • Somatostatin (Gegenspieler des Wachstumshormons (Synonyme: somatotropes Hormon (STH), Somatotropin), Octreotide (ein Somatostatin Analogon)
  • Morphin – starkes Schmerzmittel
  • Serotoninantagonisten wie Dolasetron – Medikamente, die unter anderem gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden

Folgende Medikamente steigern den TSH-Wert:

  • Carbamazepin – Medikament zur Behandlung von psychischen Erkrankungen
  • Hormone
    • Clomifen – Antiöstrogen (zur Ovulationsauslösung)
    • Dopaminantagonisten (siehe die Liste der Hyperprolaktinämie-induzierenden Medikamente unter Labordiagnostik unter dem Thema Hormondiagnostik "Prolaktin" bzw. "Hyperprolaktinämie durch Medikamente")
  • Jod in hohen Dosen
  • Lithium – Medikament zur Behandlung von psychischen Erkrankungen
  • Theophyllin – Medikamente gegen chronische Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale oder chronische Bronchitis

Aus diesen Gründen sollte der Betroffene morgens vor Einnahme der Medikamente zur Blutentnahme erscheinen (siehe auch unten weitere Hinweise).

Normalwerte für TSH

Erwachsene 0,27-4,2 μlU/ml [= mU/l]
Schwangere (oberer Referenzbereich [3])
  • 1. Trimester: < 2,5
  • 2. Trimester : < 3.0
  • 3. Trimester: < 3,5
Kinder bis zum 17. Lebensjahr 0,27-5,0 μlU/ml
Säuglinge (1. Woche bis 1. Lebensjahr) 0,27-7,0 μlU/ml
Neugeborene (bis zur 1. Lebenswoche) 0,27-20 μlU/ml

Normwertige TSH-Werte schließen manifeste Hypo- und Hyperthyreosen aus.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Der TSH-Wert wird bei Verdacht auf verschiedene Schilddrüsenerkrankungen oder zur Verlaufskontrolle der Therapie bestimmt.

Interpretation

  Primäre Hypothyreose
Sekundäre Hypothyreose Primäre Hyperthyreose
Sekundäre Hyperthyreose
TSH
 ↑  ↓/normal  ↓  ↑/normal
fT3, fT4
 ↓  ↓  ↑  ↑


TSH-Werte erhöht 

  • Primäre Hypothyreose (fT4, fT3 auch erniedrigt)
  • Sekundäre Hyperthyreose (fT4 gleichzeitig erhöht)  aufgrund von Störungen der Hypophyse
  • TSH-produzierender Tumor (selten!)
  • Resistenz gegen die Schilddrüsenhormone (selten!)
  • Medikamente (oben genannt)

TSH-Werte erniedrigt

  • Primäre Hyperthyreose (fT4, fT3 grenzwertig hoch oder erhöht)
  • Sekundäre Hypothyreose (fT4, fT3 erniedrigt) – meist auf Grund einer globalen HVL-Insuffizienz
  • Konversionssteigerung intrahypophysär: NTI = Non Thyreoid Illness: gleichzeitig niedriges fT3 (= Konversionshemmung peripher)
  • Im Vergleich zu Nichtrauchern haben Raucher im Mittel niedrigere TSH-Werte, rauchende Frauen haben häufiger eine Hyperthyreose [1]
  • Medikamente (oben genannt)

Weitere Hinweise!

  • Circadiane Schwankungen des TSH von 30 % gelten als durchaus "normal".
  • Einige Endokrinologen empfehlen als TSH-Normbereich für Erwachsene: 0,27-2,50 µIU/ml. 
    Hinweis! Eine niedrigere TSH-Obergrenze zeigte in einer Metananalyse für Erwachsene bei TSH-Werten zwischen 3,5 und 4,5 mU/l kein höheres Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) oder einen KHK-bedingten Tod als bei Werten zwischen 0,5 und 1,5 mU/l [4].
  • Die TSH-Sekretion (TSH-Ausschüttung) erfolgt in einem pulsatilen Muster, d. h. es findet keine gleichmäßige, sondern eine stoßweise Ausschüttung bei zirkadianer Rhythmik (d. h. im Tagesverlauf schwankende Freisetzung) statt. Frühmorgens zwischen 4.00-7.00 Uhr werden dabei die höchsten TSH-Werte gemessen. Ein einmalig gemessener Wert ist deshalb immer nur eine Momentaufnahme von begrenzter Aussagekraft.
  • Schilddrüse und Schwangerschaft: Die European Thyroid Association (ETA; Europäische Schilddrüsenvereinigung) hat in erstmals das universelle Schilddrüsenscreening aller schwangeren Frauen befürwortet [3]
    • Die ETA Empfiehlt für den TSH-Check bei allen Schwangeren mindestens ein TSH-Screening, ggf. inklusive einer Bestimmung der Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-Ak).
    • Für eine normale Schilddrüsenfunktion benötigt eine werdende Mutter in der Frühphase der Schwangerschaft etwa 50 % mehr an Schilddrüsenhormonen. Entgegen den allgemeinen Empfehlungen sollte deshalb bei der Schwangeren der TSH-Wert bereits etwa in der sechsten Schwangerschaftswoche (SSW) bestimmt werden [2].
    • In der Schwangerschaft lassen sich nachweisen:
      • Normalfall: Infolge eines beschleunigten Schilddrüsenmetabolismus kann es zu einem nichtpathologischen Anstiegs von Trijodthyronins (T3) und Thyroxins (T4) kommen. Die Konzentration des Thyroidea-stimulierenden Hormons (TSH) ist bei Schwangeren hingegen häufig reduziert.
        Auf Grund der Tatsache, dass die Alpha-Kette von HCG identisch ist mit der Alpha-Kette von LH, FSH, und TSH, erklärt sich, das HCG eine thyreotrope Wirkung (d.h. auf den Regelkreis Hirnanhangsdrüse – Schilddrüse) hat. Es findet daher im 1. Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) der Schwangerschaft physiologischerweise eine vermehrte Synthese von T4 statt mit der Folge, dass der endogene TSH-Spiegel etwas supprimiert (unterdrückt) wird. Diese Schilddrüsenfunktion normalisiert sich spätestens im zweiten Trimenon.
      • Latente Hypothyreose (bezeichnet eine "milde" Schilddrüsenunterfunktion), die sich meist nur an einer Veränderung des Schilddrüsenparameters TSH zeigt: TSH > 4 mU/l, bei gleichzeitig normalen T3- und T4-Spiegeln) – Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) ca. 10 % (der schwangeren Frauen)
      • Latente Hyperthyreose (bezeichnet eine "milde" Schilddrüsenüberfunktion), die sich meist nur an einer Veränderung des Schilddrüsenparameters TSH zeigt. Der TSH-Wert < 0,3 mU/l, bei gleichzeitig normalem freien T4) – Prävalenz ca. 4 %
      • Manifeste Hypothyreose – Prävalenz ca. 0,4 %
      • Manifeste Hyperthyreose – Prävalenz 0,1 bis 0,4 %
    • Schwangerschaft – TSH-Befund und weiteres Vorgehen:
      • TSH > 4 mU/l → Bestimmung des fT4, TPO-Antikörper und Schilddrüsensonographie
      • TSH < 0,3 mU/l  Bestimmung des fT4, FT3 sowie Test auf TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) und Schilddrüsensonographie

Literatur

  1. Asvold BO, Björo T, Nilsen TI, Vatten LJ: Tobacco smoking and thyroid function: a population-based study. Arch Intern Med 167, 2007, 1428
  2. Führer D: Schilddrüsenerkrankungen und Schwangerschaft. Internist 2011, 52:1158-1166. doi 10.1007/s00108-011-2823-6. Online publiziert: 5. August 2011
  3. Lazarus J et al.: 2014 European Thyroid Association Guidelines for the Management of Subclinical Hypothyroidism in Pregnancy and in Children. Eur Thyroid J. 2014 Jun; 3(2): 76-94.
  4. Åsfold B et al.: Thyroid Function Within the Normal Range and Risk of Coronary Heart Disease An Individual Participant Data Analysis of 14 Cohorts. JAMA Intern Med 2015, online 20. April. doi: 10.1001/jamainternmed.2015.0930

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis. (AWMF-Registernummer: 053-046), Juni 2016 Kurzfassung Langfassung

     
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