Humanes Choriongonadotropin (HCG)

HCG (Humanes Choriongonadotropin) ist ein glykosyliertes Glykoproteinhormon aus der Gruppe der Gonadotropine (vom Hypophysenvorderlappen gebildete Hormone). Es wird physiologisch überwiegend vom Syncytiotrophoblasten (äußere Zellschicht des Mutterkuchens) der Plazenta (Mutterkuchen) gebildet und dient insbesondere der Erhaltung des Corpus luteum (Gelbkörper) in der Frühschwangerschaft. In der klinischen Labordiagnostik wird HCG vor allem zum Nachweis und zur Verlaufskontrolle einer Schwangerschaft, zur Abklärung früher Schwangerschaftskomplikationen sowie in speziellen Konstellationen zur Diagnostik trophoblastärer Erkrankungen (Erkrankungen des Mutterkuchengewebes) und Keimzelltumoren (Tumoren aus Keimzellen) eingesetzt [2-5].

Humanes Choriongonadotropin wird aber auch von einigen Tumoren der Plazenta und der Keimdrüsen (Testes; Ovar) (Hoden; Eierstock) – wie Chorionkarzinom, Seminom, Nichtseminom und Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) – produziert (s. u. "Humanes Choriongonadotropin (HCG)" [Tumormarker]).

Synonyme

  • hCG
  • β-HCG
  • β-hCG
  • Human chorionic gonadotropin
  • Humanes Choriongonadotropin
  • Choriongonadotropin

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum – bevorzugt für die quantitative Bestimmung
    • Urin – vor allem für qualitative Schnelltests/Point-of-Care-Tests
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Bei einzelnen biotinbasierten Immunoassays sollte hochdosierte Biotin-Supplementierung vor der Blutentnahme pausiert werden; die konkrete Karenzzeit ist methodenabhängig [3]
  • Störfaktoren
    • Heterophile Antikörper bzw. Human-anti-animal-Antikörper mit der Möglichkeit falsch positiver Serumresultate („phantom hCG“) [5]
    • High-Dose-Hook-Effekt bei sehr hohen HCG-Konzentrationen mit möglichem falsch negativem oder paradox niedrigem Ergebnis insbesondere bei Point-of-Care-Tests [1]
    • Interassay-Variabilität durch unterschiedliche Erfassung von intaktem hCG, freier β-Untereinheit und weiteren hCG-Isoformen; Verlaufskontrollen möglichst im gleichen Labor bzw. mit derselben Methode durchführen [2]
    • Niedriggradig erhöhte HCG-Werte bei peri-/postmenopausalen Frauen durch hypophysäre HCG-Sekretion [3, 4]
    • Selten methodenabhängige Interferenzen bei Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), Ikterus (Gelbsucht) oder unzureichender Präanalytik [3]
  • Methode
    • Immunoassay, meist Sandwich-Immunoassay/Chemilumineszenz-Immunoassay
    • Je nach Testsystem Nachweis von intaktem hCG allein oder gemeinsam mit freier β-Untereinheit
    • Qualitative Urintests weisen HCG meist ab etwa 20-25 IU/l nach; quantitative Serumtests sind sensitiver [2, 3]

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Nicht schwangere Frauen (prämenopausal) < 5 IU/l
Männer < 5 IU/l
Peri-/postmenopausale Frauen methodenabhängig; häufig bis 14 IU/l noch physiologisch möglich [3, 4]
Schwangerschaft starker ansteigender Verlauf in der Frühschwangerschaft; schwangerschaftswoche-, methoden- und laborabhängig
Qualitativer Urintest positiv ab testabhängig meist 20-25 IU/l

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Nachweis einer Schwangerschaft
  • Verlaufskontrolle in der Frühschwangerschaft
  • Abklärung von Blutung und/oder Schmerzen in der Frühschwangerschaft
  • Abklärung einer Schwangerschaft unklarer Lokalisation bzw. Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) in Kombination mit transvaginaler Sonographie (Ultraschalluntersuchung über die Scheide) [2]
  • Verdacht auf Abort (Fehlgeburt) oder nicht vitale Frühschwangerschaft
  • Verdacht auf trophoblastäre Erkrankungen, insbesondere Blasenmole oder Chorionkarzinom [4]
  • Ergänzende Tumormarkerdiagnostik bei Keimzelltumoren – hierfür vorzugsweise tumorspezifisch validierte HCG-Assays verwenden [3, 4] (s. u. "Humanes Choriongonadotropin (HCG)" [Tumormarker])

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Physiologische Schwangerschaft
    • Mehrlingsschwangerschaft
    • Blasenmole bzw. gestationsbedingte trophoblastäre Erkrankung [4]
    • Keimzelltumoren mit trophoblastären Anteilen bzw. in geeigneter klinischer Konstellation weitere HCG-produzierende Tumoren [3, 4]
    • Peri-/postmenopausale hypophysäre HCG-Sekretion bei niedrigen Konzentrationen [3, 4]
    • Falsch positive Serumwerte durch heterophile Antikörper/Assay-Interferenz [5]
  • Erniedrigte Werte
    • Für das Gestationsalter zu niedrige oder zu langsam ansteigende Werte bei drohendem Abort, nicht vitaler intrauteriner Schwangerschaft (Schwangerschaft in der Gebärmutter) oder Extrauteringravidität
    • Nach Abort, Geburt oder Kürettage (Ausschabung) abfallende Werte; Persistenz erfordert weitere Abklärung [2, 4]
  • Spezifische Konstellationen
    • In vitalen intrauterinen Frühschwangerschaften steigt das Serum-HCG in den ersten Wochen typischerweise deutlich an. Die minimale erwartbare Zunahme innerhalb von 48 Stunden ist vom Ausgangswert abhängig und liegt bei niedrigen Ausgangswerten grob bei etwa 35-53 %; ein einzelner Grenzwert beweist oder widerlegt jedoch weder Vitalität noch Lokalisation sicher [2]
    • Ein pathologischer HCG-Verlauf allein reicht nicht zur sicheren Diagnose einer Extrauteringravidität aus; die Beurteilung muss immer in Zusammenschau mit Klinik und transvaginaler Sonographie erfolgen [2]
    • Die frühere starre Anwendung einer einzelnen „discriminatory zone“ zur sonographischen Sichtbarkeit einer intrauterinen Schwangerschaft gilt heute als zu unzuverlässig; methodische und individuelle Unterschiede müssen berücksichtigt werden [2]
    • Sehr hohe HCG-Konzentrationen bei trophoblastären Erkrankungen können aufgrund der thyreotropen Wirkung eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) verursachen [4, 6]
    • Bei Diskrepanz zwischen Klinik und Serumwert sollte an Assay-Interferenz gedacht und eine Urin-HCG-Bestimmung bzw. Wiederholung mit Alternativassay veranlasst werden [5]

Weiterführende Diagnostik

  • Transvaginale Sonographie bei Verdacht auf Frühschwangerschaftskomplikation oder Extrauteringravidität
  • Serielle quantitative HCG-Bestimmungen im Abstand von in der Regel 48 Stunden unter Verwendung desselben Assays/Labors [2]
  • Bei Verdacht auf trophoblastäre Erkrankung: gynäkologische Bildgebung, histopathologische Sicherung (feingewebliche Sicherung) und strukturierte HCG-Verlaufskontrolle nach Leitlinie [4]
  • Bei Tumorverdacht: ergänzend Alpha-Fetoprotein (AFP), Laktatdehydrogenase (LDH), Bildgebung und histologische Diagnostik je nach Fragestellung
  • Bei Verdacht auf Assay-Interferenz: Urin-HCG, Verdünnungsreihe, Messung mit Alternativassay, ggf. heterophile Antikörper-Blockade [5]
  • Bei ausgeprägt erhöhtem HCG und Verdacht auf hCG-induzierte Hyperthyreose: TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), fT4 und fT3 [4, 6]

Literatur

  1. Latifi N, Kriegel G, Herskovits AZ. Point-of-Care Urine Pregnancy Tests. JAMA. 2019;322:2336-2337. https://doi.org/10.1001/jama.2019.15833
  2. Larraín D, Caradeux J. β-Human Chorionic Gonadotropin Dynamics in Early Gestational Events: A Practical and Updated Reappraisal. Obstet Gynecol Int. 2024;2024:8351132. https://doi.org/10.1155/2024/8351132
  3. Patel KK, Qavi AJ, Hock KG, Gronowski AM. Establishing reference intervals for hCG in postmenopausal women. Clin Biochem. 2017;50:234-237.
    https://doi.org/10.1016/j.clinbiochem.2016.11.017
  4. Lok CAR, van Trommel N, Braicu EI, Planchamp F, Berkowitz R, Seckl M, et al. Practical Guidelines for the Treatment of Gestational Trophoblastic Disease: Collaboration of the European Organisation for the Treatment of Trophoblastic Disease (EOTTD)-European Society of Gynaecologic Oncology (ESGO)-Gynecologic Cancer InterGroup (GCIG)-International Society for the Study of Trophoblastic Diseases (ISSTD). J Clin Oncol. 2025;43:2119-2128. https://doi.org/10.1200/JCO-24-02326
  5. Oyatogun O, Sandhu M, Barata-Kirby S, Tuller E, Schust DJ. A rational diagnostic approach to the “phantom hCG” and other clinical scenarios in which a patient is thought to be pregnant but is not. Ther Adv Reprod Health. 2021;15:26334941211016412. https://doi.org/10.1177/26334941211016412
  6. Pereira JVB, Lim T. Hyperthyroidism in gestational trophoblastic disease - a literature review. Thyroid Res. 2021;14:1. https://doi.org/10.1186/s13044-021-00092-3