Fetale Wachstumsrestriktion (FGR) – Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung dient der orientierenden Erfassung einer fetalen Wachstumsabweichung (Wachstumsabweichung des ungeborenen Kindes) sowie möglicher maternaler Ursachen (mütterlicher Ursachen), Begleiterkrankungen und Komplikationen. Ihre Aussagekraft für die Erkennung einer fetalen Wachstumsrestriktion (krankhaft eingeschränktes Wachstum des ungeborenen Kindes) (FGR) ist begrenzt. Klinische Befunde können den Verdacht auf einen Small-for-Gestational-Age-Fetus (für das Schwangerschaftsalter zu kleines ungeborenes Kind) (SGA-Fetus) oder eine FGR begründen, eine FGR jedoch weder diagnostizieren noch ausschließen [1, LL1, LL2]. Bei einem auffälligen klinischen Befund ist eine sonographische Abklärung erforderlich [1, LL1, LL2].

  • Gezielte körperliche Untersuchung der Schwangeren
    • Beurteilung des Allgemeinzustands
    • Blutdruckmessung unter standardisierten Bedingungen – insbesondere zum Nachweis einer chronischen oder schwangerschaftsassoziierten Hypertonie (Bluthochdruck) als möglicher Ursache bzw. Begleiterkrankung einer plazentaren Dysfunktion (Funktionsstörung des Mutterkuchens)
    • Gezielte Untersuchung bei klinischem Verdacht auf eine maternale Grunderkrankung, insbesondere eine kardiopulmonale (Herz und Lunge betreffende), renale (die Nieren betreffende), autoimmune (durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems bedingte) oder hämatologische Erkrankung (Erkrankung des Blutes oder blutbildenden Systems)
    • Gezielte Auskultation von Herz und Lunge bei klinischen Hinweisen auf eine kardiopulmonale Erkrankung
    • Untersuchung auf klinische Hinweise einer begleitenden hypertensiven Schwangerschaftserkrankung (Schwangerschaftserkrankung mit erhöhtem Blutdruck)
      • Hypertonie
      • Druckschmerz im Epigastrium (Magengrube) oder rechten Oberbauch
      • Gesteigerte Muskeleigenreflexe (verstärkte Muskelreflexe) oder Klonus (rhythmische unwillkürliche Muskelzuckungen) bei neurologischen Symptomen (Beschwerden des Nervensystems) bzw. Verdacht auf eine schwere Präeklampsie (schwangerschaftsbedingte Erkrankung mit Bluthochdruck und möglicher Organbeteiligung)
  • Geburtshilfliche Untersuchung
    • Inspektion und Palpation des Abdomens (Bauches) und des Uterus (Gebärmutter)
    • Beurteilung von Fundusstand (Höhenstand des oberen Gebärmutterrandes) und Uterusgröße im Verhältnis zum Gestationsalter (Schwangerschaftsalter)
      • Ein im Verhältnis zum Gestationsalter kleiner Uterus kann den Verdacht auf einen SGA-Fetus oder eine FGR begründen.
    • Orientierende Bestimmung der fetalen Lage (Lage des ungeborenen Kindes) – insbesondere zur Beurteilung möglicher Einflussfaktoren auf die Messung des Symphysen-Fundus-Abstands
    • Bestimmung des Symphysen-Fundus-Abstands (Abstand zwischen Schambeinfuge und oberem Gebärmutterrand)
      • Messung bei entleerter Harnblase in Rückenlage bzw. leicht seitlich geneigter Position
      • Messung mit einem nicht elastischen Maßband von der Oberkante der Symphyse (Schambeinfuge) bis zum höchsten Punkt des Fundus uteri (oberen Gebärmutterrandes)
      • Serielle Dokumentation in einer Verlaufskurve unter möglichst vergleichbaren Untersuchungsbedingungen [LL2]
      • Ein für das Gestationsalter zu geringer Symphysen-Fundus-Abstand oder eine fehlende bzw. unzureichende Zunahme kann den Verdacht auf einen SGA-Fetus oder eine FGR begründen [1, LL1, LL2].
      • Die Messung kann insbesondere durch maternale Adipositas (starkes Übergewicht der Mutter), Uterusmyome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter), Mehrlingsschwangerschaft, fetale Lage und eine abweichende Fruchtwassermenge beeinflusst werden [LL2].
      • Ein unauffälliger Symphysen-Fundus-Abstand schließt eine FGR nicht aus. Die klinische Messung ermöglicht keine sichere Unterscheidung zwischen einem konstitutionell kleinen Fetus (von Natur aus kleinen ungeborenen Kind) und einer pathologischen Wachstumsrestriktion [1, LL1, LL2].
      • In einer cluster-randomisierten Studie verbesserte die gemeinsame serielle Darstellung des Symphysen-Fundus-Abstands und des sonographisch geschätzten fetalen Gewichts auf individualisierten Wachstumskurven die antenatale Erkennung (Erkennung vor der Geburt) einer FGR bei SGA-Geburten nicht signifikant [2].
      • Bei erhöhtem FGR-Risiko oder bereits bestehendem FGR-Verdacht darf die Messung des Symphysen-Fundus-Abstands die vorgesehenen sonographischen Wachstumskontrollen nicht ersetzen [1, LL1, LL2].
    • Orientierende Kontrolle der fetalen Herzaktion (Herztätigkeit des ungeborenen Kindes) – der Nachweis einer fetalen Herzfrequenz schließt eine FGR oder fetale Beeinträchtigung nicht aus

Einordnung der klinischen Befunde

  • Beim erstmaligen Verdacht auf eine fetale Wachstumsabweichung
    • Ein im Verhältnis zum Gestationsalter kleiner Uterus oder ein auffälliger Verlauf des Symphysen-Fundus-Abstands begründet die Indikation zur sonographischen Biometrie.
    • Die sonographische Abklärung soll zeitnah erfolgen; eine erneute klinische Verlaufsmessung darf die weiterführende Diagnostik nicht verzögern [1, LL1, LL2].
  • Bei bereits sonographisch bestätigter FGR
    • Die körperliche Untersuchung dient vor allem der Erfassung maternaler Ursachen, Begleiterkrankungen und Komplikationen.
    • Der Symphysen-Fundus-Abstand ist für die Klassifikation und Verlaufsüberwachung einer bestätigten FGR nicht ausreichend.
    • Diagnosesicherung, Klassifikation und Überwachung erfolgen anhand sonographischer, dopplersonographischer und weiterer apparativer Befunde [1, LL1, LL2].

Abkürzungen

  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • DGGG – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • FGR – Fetal Growth Restriction
  • LL – Leitlinie
  • OEGGG – Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • SGA – Small for Gestational Age
  • SGGG – Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Kehl S, Bahlmann F, Dötsch J et al.: Fetal Growth Restriction. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/080, October 2024). Z Geburtshilfe Neonatol 2026;230(1):13-28. doi: 10.1055/a-2725-6794
  2. Ego A, Monier I, Vilotitch A et al.: Serial plotting of symphysis-fundal height and estimated fetal weight to improve the antenatal detection of infants small for gestational age: A cluster randomised trial. BJOG 2023;130(6):729-739. doi: 10.1111/1471-0528.17399

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S2k-Leitlinie: Fetale Wachstumsrestriktion. AWMF-Registernummer 015-080, Version 2.1, Stand 01.10.2024, gültig bis 30.09.2029. Langfassung [LL1]
  2. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists: Investigation and Care of a Small-for-Gestational-Age Fetus and a Growth Restricted Fetus. Green-top Guideline No. 31, 2024. Leitlinienseite. [LL2]