Fetale Wachstumsrestriktion (FGR) – Klassifikation
Die klinisch relevante Klassifikation unterscheidet zunächst zwischen einem lediglich kleinen Fetus (ungeborenes Kind) – Small for Gestational Age (für das Schwangerschaftsalter zu klein) (SGA) – und einer pathologischen fetalen Wachstumsrestriktion (krankhaft vermindertes Wachstum des ungeborenen Kindes) (FGR). Anschließend wird die FGR anhand des Gestationsalters (Schwangerschaftsalters) bei Diagnosestellung in eine frühe und eine späte FGR eingeteilt. Voraussetzung für die Anwendung der Kriterien sind eine verlässliche Schwangerschaftsdatierung und das Fehlen kongenitaler Anomalien (angeborener Fehlbildungen) [1, 2, LL1-2].
| Kategorie | Gestationsalter | Diagnostische Kriterien |
| Small for Gestational Age (SGA) | Unabhängig vom Gestationsalter |
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| Frühe FGR | Diagnosestellung vor 32+0 Schwangerschaftswochen |
oder
oder
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| Späte FGR | Diagnosestellung ab 32+0 Schwangerschaftswochen |
oder
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Die Unterscheidung zwischen früher und später FGR ist klinisch bedeutsam, da sich Pathophysiologie (krankhafte Funktionsvorgänge), Verlauf, geeignete Überwachungsparameter und Entbindungsplanung unterscheiden. Bei der frühen FGR stehen im weiteren Verlauf insbesondere Veränderungen der umbilikalen (die Nabelschnur betreffenden) und venösen (die Venen betreffenden) Dopplerparameter im Vordergrund; bei der späten FGR besitzt die Beurteilung der zerebralen Umverteilung (Umverteilung des Blutflusses zugunsten des Gehirns) eine größere Bedeutung [1, LL1-2].
Ergänzende klinische Deskriptoren
- Schweregrad
- Ein Abdomenumfang oder fetales Schätzgewicht unterhalb der 3. Perzentile begründet unabhängig von weiteren Dopplerbefunden die Diagnose einer FGR.
- Ein fetales Schätzgewicht unterhalb der 3. Perzentile wird als schwere FGR bezeichnet. Der Schweregrad ergänzt die Einteilung in frühe oder späte FGR, stellt aber keine eigenständige zeitliche Kategorie dar [LL1-2].
- Dopplerstatus
- FGR mit unauffälliger Dopplersonographie
- FGR mit pathologischer Dopplersonographie – weitere Risikostratifikation (Einteilung nach dem individuellen Risiko) anhand der A. umbilicalis, A. cerebri media (mittlere Hirnarterie), cerebroplazentaren Ratio und bei früher FGR des Ductus venosus (venöses Gefäß im kindlichen Kreislauf)
- Der Dopplerstatus dient der prognostischen und therapeutischen Stratifizierung (Einteilung nach Prognose und Behandlungsbedarf), ist jedoch keine eigenständige FGR-Grundform [LL1-2].
- Schwangerschaftstyp
- FGR bei Einlingsschwangerschaft
- FGR bei Mehrlingsschwangerschaft – gesonderte Beurteilung unter Berücksichtigung von Chorionizität (Anzahl und Zuordnung der äußeren Fruchthüllen beziehungsweise Mutterkuchen), fetaler Gewichtsdiskordanz (Gewichtsunterschied zwischen den ungeborenen Kindern) und mehrlingsspezifischen Referenz- bzw. Diagnosekriterien
- Die dargestellten Delphi-Kriterien wurden primär für Einlingsschwangerschaften entwickelt und sind nicht uneingeschränkt auf Mehrlingsschwangerschaften übertragbar [1, LL2].
Die früher gebräuchliche Einteilung in symmetrische und asymmetrische FGR anhand des Verhältnisses von Kopf- zu Abdomenumfang sollte nicht als tragende klinische Klassifikation verwendet werden. Bei Frühgeborenen mit symmetrischer bzw. asymmetrischer Wachstumsrestriktion zeigten sich vergleichbare Wachstums- und Entwicklungsverläufe; zudem war das Verhältnis von Kopf- zu Abdomenumfang kein unabhängiger Prädiktor (Vorhersagefaktor) ungünstiger Schwangerschaftsergebnisse. Für die klinische Risikostratifikation sind daher Gestationsalter bei Diagnosestellung, Wachstumsdynamik, Schweregrad und Dopplerbefunde maßgeblich [LL3].
Abkürzungen
- A. – Arteria
- Aa. – Arteriae
- AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- DGGG – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
- FGR – Fetal Growth Restriction
- ISUOG – International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology
- LL – Leitlinie
- OEGGG – Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
- SGA – Small for Gestational Age
- SGGG – Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
- SMFM – Society for Maternal-Fetal Medicine
Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring
Literatur
- Gordijn SJ, Beune IM, Thilaganathan B et al.: Consensus definition of fetal growth restriction: a Delphi procedure. Ultrasound Obstet Gynecol 2016;48(3):333-339. doi: 10.1002/uog.15884
- Bruins ME, Ganzevoort W, Papageorghiou AT et al.: Delphi consensus definition of fetal growth restriction after 8 years: implementation and future directions. Ultrasound Obstet Gynecol 2025;66(3):265-270. doi: 10.1002/uog.70017
Leitlinien
- Kehl S, Bahlmann F, Dötsch J et al.: Fetal Growth Restriction. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/080, October 2024). Geburtsh Frauenheilk 2025;85(10):1033-1060. doi: 10.1055/a-2535-0528; S2k-Leitlinie Fetale Wachstumsrestriktion, AWMF-Registernummer 015-080, Version 2.1, Stand 01.10.2024, gültig bis 30.09.2029, Langfassung [LL1]
- Lees CC, Stampalija T, Baschat A et al.: ISUOG Practice Guidelines: diagnosis and management of small-for-gestational-age fetus and fetal growth restriction. Ultrasound Obstet Gynecol 2020;56(2):298-312. doi: 10.1002/uog.22134 [LL2]
- Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM), Martins JG, Biggio JR, Abuhamad A: Society for Maternal-Fetal Medicine Consult Series #52: Diagnosis and management of fetal growth restriction: (Replaces Clinical Guideline Number 3, April 2012). Am J Obstet Gynecol 2020;223(4):B2-B17. SMFM Consult Series #52, reaffirmed 2024. doi: 10.1016/j.ajog.2020.05.010 [LL3]