Tiefe Venenthrombose – Weitere Therapie

Die weitere Therapie der tiefen Venenthrombose (TVT)/tiefe Beinvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene) ergänzt die medikamentöse Antikoagulation (Blutverdünnung) und verfolgt das Ziel, akute Symptome zu lindern, thromboembolische Komplikationen (Verschleppung eines Blutgerinnsels) zu vermeiden und insbesondere der Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms (PTS) (chronische Folgeschäden nach Thrombose) vorzubeugen.

Allgemeine Maßnahmen

  • Bei einer Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer Vene) jedweder Lokalisation und Morphologie ist keine Immobilisierung erforderlich. Eine Ruhigstellung dient ausschließlich der kurzfristigen Symptomlinderung bei stark schmerzhafter Beinschwellung. Dagegen ist die frühzeitige Mobilisierung eine zentrale therapeutische Maßnahme – unabhängig von Thrombuslokalisation und -morphologie.
    Beachte: Eine regelrecht durchgeführte Antikoagulation (Blutverdünnung) sollte vorliegen.
  • 3 × L- und 3 × S-Regel: „Lieber Laufen und Liegen“ – „Sitzen und Stehen ist schlecht“.
  • So früh wie möglich Kompressionsverband oder angepasster medizinischer Kompressionsstrumpf (Spezialstrumpf mit Druckwirkung) zur Reduktion von Ödem (Schwellung) und Schmerz sowie zur Verringerung der Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms.
  • Stuhlregulierung, um eine forcierte Bauchpresse zu vermeiden (Prävention einer Lungenembolie (Gefäßverschluss der Lunge)).
  • Bei langem Sitzen oder Liegen konsequentes Tragen von Kompressionsstrümpfen.
  • Häufige Bewegung, auch während der Arbeitszeit, insbesondere bei überwiegend gleichförmiger Körperposition.
  • Nikotinrestriktion (Einschränkung des Rauchens).
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g/Tag, Frauen: max. 12 g/Tag).
  • Begrenzter Koffeinkonsum (max. 240 mg/Tag).
  • Normalgewicht anstreben; Bestimmung des BMI (Körpermassenindex) bzw. der Körperzusammensetzung (z. B. Bioimpedanzanalyse) und ggf. Teilnahme an einem ärztlich begleiteten Gewichtsreduktionsprogramm.
  • Überprüfung der Dauermedikation im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf das Thromboserisiko.
  • Reiseempfehlungen bei Thromboserisiko:
    • Teilnahme an einer reisemedizinischen Beratung vor Reiseantritt.
    • Langstreckenflüge (> 6 Stunden) sowie lange Bahn- oder Busfahrten möglichst meiden.
    • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
    • Locker sitzende Kleidung tragen.
    • Tragen von Kompressionsstrümpfen (Klasse I–II) bis unterhalb des Knies.
    • Ggf. ärztlich abgewogene medikamentöse Thromboseprophylaxe (vorbeugende Behandlung).

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Primär rekanalisierende Maßnahmen (Wiedereröffnung des Gefäßes) zur Reduktion der Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms bei iliofemoraler Thrombose (Thrombose der Becken- und Oberschenkelvene), insbesondere bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit geringer Blutungswahrscheinlichkeit.
  • Antikoagulation mit zusätzlicher Katheterbehandlung (pharmakomechanische, kathetergestützte Thrombolyse – PCDT) zur Thrombusfragmentierung oder -entfernung nach lokaler Applikation eines Fibrinolytikums (z. B. tPA).
    • Randomisierte Studien zeigen keine Reduktion der PTS-Häufigkeit im Vergleich zur alleinigen Antikoagulation, jedoch ein erhöhtes Risiko schwerer Blutungen in der Frühphase.

Medizinische Hilfsmittel

  • Medizinische Kompressionsstrümpfe zur Entstauung und zur Reduktion von Schmerz und Ödem.
    Beachte: Dokumentation des Beinumfangs an mindestens drei Messpunkten zu Beginn der Behandlung sowie im Verlauf (z. B. alle vier Wochen).

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten, da Infektionen häufig zu einer Verschlechterung der Grunderkrankung führen können:

  • Influenza-Impfung (Grippeimpfung)
  • Pneumokokken-Impfung (Impfung gegen bestimmte Bakterien)

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf Grundlage einer Ernährungsanalyse.
  • Ernährungsempfehlungen im Sinne einer ausgewogenen Mischkost unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung, u. a.:
    • täglich 5 Portionen Gemüse und Obst (≥ 400 g).
    • ein- bis zweimal pro Woche fettreicher Seefisch (Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure)).
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Gemüse).
  • Beachtung spezieller Empfehlungen:
    • Stuhlregulierung zur Vermeidung einer Bauchpresse.
    • Ernährung reich an:
      • Vitaminen,
      • Spurenelementen,
      • Omega-3-Fettsäuren.
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse.
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels.
  • Beachte: Die aufgeführten Mikronährstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin stehen exklusiv unseren Partnern zur Verfügung.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
    Postfach 91 01 52, 51071 Köln
    Tel.: 0221 8992-0 · Fax: 0221 8992-300
    E-Mail: poststelle@bzga.de · Internet: www.bzga.de
  • Deutsche Gefäßliga e. V.
    Postfach 4038, 69254 Malsch bei Heidelberg
    Tel.: 07253 26228 · Fax: 07253 278160
    E-Mail: info@deutsche-gefaessliga.de · Internet: www.deutsche-gefaessliga.de
  • Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V.
    Friedrich-Ebert-Ring 38, 56068 Koblenz
    Tel.: 0261 309231 · Fax: 0261 309232
    E-Mail: info@dgpr.de · Internet: www.dgpr.de

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring