Tiefe Venenthrombose – Körperliche Untersuchung

Eine strukturierte körperliche Untersuchung ist ein zentraler Bestandteil der Erstdiagnostik bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose (TVT) (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene)/tiefe Beinvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene) und steuert die Auswahl der weiterführenden diagnostischen Schritte.

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – Erhebung der Vitalparameter (Blutdruck, Puls), Körpergewicht und Körpergröße; zusätzlich:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut
      • Untere Extremitäten (Beine) (inklusive Umfangmessung der Unterschenkel beidseits, standardisiert in definierter Höhe)
        • Typische Befunde bei tiefer Beinvenenthrombose: [lokale Überwärmung, entzündliche Hautveränderungen, eindrückbare oder gespannte ödematöse Schwellung (z. B. Wadenschwellung, Spannungsgefühl), livide oder zyanotische Verfärbung der betroffenen Extremität, lokaler Druck- oder Spontanschmerz entlang des tiefen Venensystems]
    • Schmerzprovokation bei Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose:
      • Wadenkompressionsschmerz (Meyer-Zeichen) (Wadendruckschmerz): positiv bei Druckschmerzhaftigkeit entlang der medialen Unterschenkelseite im Verlauf der tiefen Venen (Meyersche Druckpunkte)
      • Wadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes (Homans-Zeichen) (Wadenschmerz beim Hochziehen des Fußes): positiv bei Wadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes bei gestrecktem Knie
      • Fußsohlendruckschmerz (Payr-Zeichen) (Druckschmerz an der Fußsohle): positiv bei Druckschmerzhaftigkeit, insbesondere der medialen Fußsohle, bei manuellem Druck
    • Auskultation des Herzens – zur Erfassung möglicher kardialer Begleiterkrankungen (Herzerkrankungen) oder Hinweiszeichen auf eine relevante Rhythmusstörung (Herzrhythmusstörung)

In eckigen Klammern [ ] sind typische pathologische körperliche Befunde (krankhafte Untersuchungsbefunde) angegeben.

Wells-Score zur Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) [1]

Klinisches Kriterium Punkte
Aktive oder in den letzten sechs Monaten behandelte Krebserkrankung (Krebs) 1
Lähmung (Lähmung), Parese (Teillähmung) oder kürzliche Immobilisation (Bewegungsunfähigkeit) der unteren Extremitäten (z. B. Gips) 1
Bettruhe > 3 Tage oder größere Operation (größerer Eingriff) innerhalb der letzten 12 Wochen 1
Druckschmerz oder Verhärtung entlang des tiefen Venensystems (tiefes Venensystem) 1
Schwellung des gesamten Beines 1
Unterschenkeldifferenz > 3 cm im Vergleich zur Gegenseite 1
Eindrückbares Ödem (Wassereinlagerung) am symptomatischen Bein 1
Erweiterte oberflächliche, nicht variköse Kollateralvenen (Umgehungsvenen) 1
Frühere, dokumentierte tiefe Beinvenenthrombose (TVT) 1
Alternative Diagnose (andere Ursache) mindestens ebenso wahrscheinlich wie eine TVT -2
Klinische Wahrscheinlichkeit  
Niedriges Risiko (Summenwert) ≤ 1
Erhöhtes Risiko (Summenwert) > 1

Klinisches Vorgehen:

  • Niedrige klinische Wahrscheinlichkeit → Bestimmung der D-Dimere; bei negativem Ergebnis kann auf weiterführende bildgebende Diagnostik und Antikoagulation (Blutverdünnung) verzichtet werden.
    • Cave: Dieses Vorgehen ist nicht valide bei aktiver oder kürzlich behandelter Tumorerkrankung (Krebserkrankung).
  • Erhöhte klinische Wahrscheinlichkeit → unmittelbare Durchführung einer Kompressionssonographie (Ultraschall mit Druck) der tiefen Beinvenen (teilweise empfohlen bereits ab Wells-Score ≥ 2).

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Wells PS, Ginsberg JS, Anderson DR et al.: Use of a clinical model for safe management of patients with suspected pulmonary embolism Ann Intern Med 1998; 129: 997-1005.